Nach dem Italien-Referendum – droht jetzt die nächste Eurokrise? » Finanzen Heute

Nach dem Italien-Referendum – droht jetzt die nächste Eurokrise?

No – so stimmten über 60 % der Italiener und sorgten auf diese Weise dafür, dass Regierungschef Matteo Renzi nicht wie geplant, die Verfassung ändern kann. Das Nein der Italiener stellt Europa vor eine neue Herausforderung, denn es wird befürchtet, dass das Italien-Referendum einen ansteckenden Effekt für das restliche Europa haben könnte. Zwar gab es keine dramatischen Kurseinbrüche, keine Panik und keine Weltuntergangsstimmung, aber noch ist auch das ganze Ausmaß der möglichen Folgen nicht erkennbar. Wie geht es weiter mit Italien und muss Europa jetzt für die maroden Banken des Landes aufkommen?

Wie haben die Banken reagiert?

Kurz nach dem Italien-Referendum gaben die Kurse der italienischen Banken deutlich nach, aber ein Beben, wie es im Vorfeld befürchtet wurde, blieb aus. Besonders bemerkenswert war das Verhalten der „Problembank“ Monte dei Paschi, deren Aktie sich erstaunlich gut hielt. Aber jetzt müssen die Investoren der Bank darüber entscheiden, ob sie auch weiterhin bereit sind, Geld in die Bank zu pumpen. Monte dei Paschi ist weder die wichtigste noch die größte Bank in Italien, aber sie entscheidet trotzdem darüber, wie es mit den schwer angeschlagenen italienischen Banken weitergeht. Acht Banken sind es wohl, die in nächster Zeit dringend frisches Kapital brauchen und viele Investoren sind offenbar der Meinung, dass Italien das schon irgendwie hinbekommen wird.

Die italienische Chaos-Lösung

In 70 Jahren bekommen die Italiener nun die 64. Regierung und das Land hat es in der Vergangenheit immer geschafft zu überleben, aber nach dem Italien-Referendum sieht die Lage anders aus. Das liegt vor allem an den gravierenden Problemen der italienischen Banken, die eine sonst so typische Chaos-Lösung wohl unmöglich machen werden. Es kann dem Rest Europas nach dem Italien-Referendum nicht egal sein, wie es weitergeht, denn es geht immerhin um die Summe von 93 Milliarden Euro, die Geldgeber aus dem Ausland in Italiens Banken investiert haben. Das Referendum hat die politische Unsicherheit in Italien noch weiter verstärkt, die Handlungsfähigkeit Italiens aber noch weiter geschwächt und das hat Auswirkungen auf den Bankensektor, die nicht unterschätzt werden sollten.

Was müssen die kleinen Sparer befürchten?

Italiens Banker sind schon seit Wochen rund um den Globus unterwegs, um Investoren zu treffen und sie zu überzeugen, Geld locker zu machen. Aber Investoren zu finden, ist nicht das einzige Problem, denn da sind auch noch die faulen Kredite in Höhe von knapp 30 Milliarden Euro, die ausgelagert werden müssen. Diese Kredite lassen viele Investoren zögern und einige, die bereit sind, zu investieren, stellen die Bedingung, dass sie sich zurückziehen können, falls die Marktlage unruhig werden sollte. Auch die kleinen Sparer bekommen das Italien-Referendum zu spüren, denn sie müssen gemäß einer neuen EU-Richtlinie die Hälfte der Bankenanteile halten und das bedeutet deutliche Einbußen.

Nach dem Italien-Referendum brauchen die Banken Zeit

Die italienischen Banken brauchen Zeit, wenn sie ihre Pläne umsetzen sollen, denn so kann ein Schuldenschnitt vermieden werden. Käme es zu einem Schuldenschnitt, dann würden die kleinen Sparguthaben stark strapaziert und das, so die Befürchtung, würde den populistischen Bewegungen in Italien wie zum Beispiel der „Fünf Sterne Bewegung“, neuen Auftrieb geben. Jedoch können sich die Banken nicht allzu lange Zeit lassen, denn die Probleme in der drittgrößten Volkswirtschaft Europas werden nicht kleiner. Die Banken in Italien haben ähnliche Probleme wie viele Banken in Europa: Das Verhalten der Kunden hat sich geändert, die Profitabilität ist zu niedrig und die Konsolidierung des Sektors ist mangelhaft. Jahrelang wurde auch in Italien ein radikaler Umbau hinausgezögert und mit dem Ausgang des Referendums in Italien wird die Zeit jetzt langsam aber sicher knapp. Im Moment verhalten sich alle noch ruhig, denn noch hat Italien keine neue Regierung und je nachdem, wie die Neuwahlen ausgehen, kann es zu einer neuen Bankenkrise kommen.

Bild: © Depositphotos.com / lightsource

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.