Ist die Zeit der Niedrigzinsen bald zu Ende? » Finanzen Heute

Ist die Zeit der Niedrigzinsen bald zu Ende?

Menschen neigen dazu, alles, was sie aktuell erleben, auch als Wahrscheinlichkeit für die Zukunft zu sehen. Sie schauen nur nach vorn und übersehen dabei, was sich links und rechts von ihnen abspielt. Dieses Verhalten konnte auch bei der Zinsentwicklung beobachtet werden, denn die Aussicht darauf, dass die Zinsen für das Ersparte eines Tages unter die Nullgrenze fallen könnten, war schlicht lachhaft. Heute ist keinem mehr nach lachen zumute, die Niedrigzinsen sind da und Millionen von Sparern kochen vor Wut. Niedrige Zinsen sind zu einer Alltäglichkeit geworden, aber jetzt sieht es so aus, als müsste wieder einmal umgedacht werden.

Geht die Ära der Niedrigzinsen zu Ende?

Der Prozess begann schleichend, denn mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA ist so etwas wie ein Riss durch die Welt gegangen. Altbekannte Werte werden plötzlich wieder umgekehrt und schneller als mancher Finanzexperte gedacht hat, könnte die Zeit der negativen Zinsen und Renditen der Vergangenheit angehören. Für alle, die sparen oder ihr Geld lukrativ anlegen wollen, könnte das entscheidende Konsequenzen haben und auch für die deutschen Bundesanleihen würde das einen riesengroßen Zinssprung bedeuten.

Die Rückkehr der Inflation

Wenn in den großen Volkswirtschaften immer öfter über die Rückkehr der Inflation, der sogenannten Reflation die Rede ist, dann stehen weitreichende Änderungen an. Jetzt hat sich auch noch die Europäische Zentralbank eingemischt und verkündet, dass sie ab April des nächsten Jahres ihre monatlichen Anleihekäufe verringern will. Von 80 auf 60 Milliarden soll das höchst umstrittene Kaufprogramm verringert werden, und für das kommende Quartal soll es bei den Bundesanleihen mit der Laufzeit von zehn Jahren, einen Anstieg der Zinsen von 0,6 % geben. Nach der Niedrigzins-Ära ist das ein neuer Hoffnungsschimmer für alle Investoren. Bereits in der vergangenen Woche waren die Renditen mit zehnjähriger Laufzeit auf einen Höchststand geklettert, negativ waren nur noch die Zinsen für Anleihen mit einer Laufzeit von sieben Jahren.

Trump zwingt zum Umdenken

Die Wahl Trumps zum US-Präsidenten war ein nicht zu überhörendes Signal und hat die Finanzexperten vor allem in Europa zum Umdenken gezwungen. Zum ersten Mal seit März ist wieder von positiven Renditen jenseits der Null die Rede und das, obwohl die EZB vor nicht allzu langer Zeit noch getönt hat, dass die Niedrigzinsen noch bis Ende 2018 Bestand haben würden. Anleihen mit einer Minusrendite haben weltweit das enorme Volumen von zwölf Billionen Dollar, es sind Zehntausende von Papieren, bei denen die Anleger Geld mitbringen mussten. Heute sind nur noch neun Billionen im negativen Bereich und diese Bewegung des Marktes gab es zum letzten Mal 1994.

Eine Revolution wird es nicht geben

Selbst wenn die Zeit der Niedrigzinsen offenbar ihrem Ende entgegen geht, eine Revolution wird es wohl nicht geben. Bei den Anleihen sehen die Experten bis 2018 eine Rendite von einem Prozent. Das wäre ein moderater Anstieg aus dem tiefen Tal der Niedrigzinsen und wenn die EZB ihre Anleihenkäufe stoppt, dann könnte das für einen steilen Anstieg der Renditen sorgen. Leider hat die Vergangenheit gezeigt, dass Anstiege bei den Zinsen nur selten moderat sind und auch die Prognosen der Finanzexperten haben sich bisher als sehr unzuverlässig erwiesen.

Was sollten Anleger jetzt tun?

Es besteht kein Grund, jetzt hektisch zu werden, denn noch ist nicht eindeutig geklärt, wohin die Reise der Zinsen gehen wird. Es sieht nach einer Trendwende aus, aber wie sich diese Wende auf die Kleinsparer auswirken wird, das ist nach wie vor völlig unklar. Fest steht bislang nur, dass die Anleihenblase geplatzt ist und rund vier Billionen Dollar sich praktisch in Luft aufgelöst haben. Wie schon lange vermutet wurde, endet damit für die deutschen Sparer eine Ära, aber was die Zukunft bringt, das ist noch vollkommen ungewiss.

Bild: © Depositphotos.com / timbrk

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.