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Wie Krankmeldungen die Wirtschaft gefährden

Noch nie waren die deutschen Arbeitnehmer so oft krank wie im vergangenen Jahr, denn die Zahl der Krankmeldungen stieg im Jahr 2015 auf eine neue Rekordmarke von 587 Millionen Tagen. Diese vielen Krankmeldungen gefährden den Wohlstand von allen, und die Zahl der krankheitsbedingten Ausfalltage wäre zum Teil auch vermeidbar. 100 Milliarden Euro gehen der deutschen Wirtschaft jedes Jahr allein durch Krankmeldungen verloren und die Tendenz ist weiter steigend.

Schäden im Milliardenbereich

Im Jahr 2015 gab es 44 Millionen Tage mehr als im Jahr 2014, an denen die Arbeitnehmer krankgefeiert haben. Das sind acht Prozent, allein in den vergangenen vier Jahren haben sich die Ausfalltage um fast 30 % ausgeweitet. Für die Unternehmen und Betriebe heißt das, sie haben alleine 2015 einen Schaden von 64 Milliarden Euro zu verkraften, rund sieben Milliarden mehr als im Jahr zuvor. Der Schaden für die Volkswirtschaft ist um einiges größer und die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Wert der Waren und Dienstleistungen, die bedingt durch die Krankmeldungen nicht produziert werden konnten, bei 131 Milliarden Euro liegt. Das sind immerhin rund vier Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands.

Wie viel kosten die Krankmeldungen pro Tag?

Nur durch den Produktionsausfall gehen jeden einzelnen Tag 109,- Euro verloren und damit summiert sich der Schaden für jeden Arbeitnehmer auf knapp 3000,- Euro im Jahr. Dieses sogenannte „Mehr an Wohlstand“ geht damit für immer verloren. Wenn man es von einer anderen Seite betrachten möchte, dann verliert Deutschland jedes Jahr so viel an Wohlstand, wie zum Beispiel die Slowakei, ein Land mit 5,4 Millionen Einwohnern, an Wertschöpfung erzielt. Jeder Arbeitnehmer fehlte 2015 durchschnittlich 15,2 Tage im Jahr, 2014 waren es noch 14,4 Tage und im Jahr 2013 waren es genau 15 Tage.

Zwei Faktoren

Die Zahl der Krankmeldungen hängt immer von zwei Faktoren ab: Zum einen von der Zahl der Beschäftigen und zum anderen von deren Gesundheitszustand. Jedes Jahr nimmt die Zahl der Menschen mit Beschäftigung in Deutschland zu, zugleich kann auch die Zahl der Arbeitnehmer steigen, die bedingt durch eine Krankheit ausfallen. Auch die Häufigkeit der Krankmeldungen spielt dabei eine wichtige Rolle, denn die Arbeitnehmer waren im vergangenen Jahr kränker als in den Jahren zuvor. In früheren Jahren hat sich gezeigt, dass die Zahl der Krankschreibungen immer dann angestiegen ist, wenn die Konjunktur gut war, in Jahren, in denen das nicht der Fall war, stieg die Arbeitslosigkeit an, aber die Zahl der Krankschreibungen ging zurück.

Die Zahl der seelischen Erkrankungen steigt an

Es sind vor allem Probleme mit dem Rücken, die den Deutschen zu schaffen machen, besonders auffällig ist aber der starke Anstieg an physischen Erkrankungen. In einem Zeitraum von nur 16 Jahren sind die Fehlzeiten, denen die Diagnose psychische Störung zugrunde lag, um 90 % nach oben gegangen, schreibt die Techniker Krankenkasse in ihrem neuen Report. Ein möglicher Grund für die vermehrten Krankschreibungen wegen seelischer Erkrankungen ist vor allem die erhöhte Akzeptanz dieser Krankheiten innerhalb der Gesellschaft. Während der Arzt früher zum Beispiel Rückenschmerzen auf der Krankschreibung vermerkt hat, obwohl der Patient offensichtlich unter einer Depression gelitten hat, steht dort heute das Wort Depression.

Wo gibt es die meisten Krankschreibungen?

Die meisten Arbeitnehmer, die im vergangenen Jahr krankgeschrieben wurden, arbeiten im Bereich der öffentlichen Verwaltung. Auf je 100 Versicherte kamen 2015 171 Krankschreibungen. Mit Abstand folgen dann die Betriebe, die Metall erzeugen und die chemischen Betriebe. Am wenigsten wurden die Mitarbeiter der Forst- und Landwirtschaft krankgeschrieben, hier gab es bei 100 Beschäftigen nur 72 Krankschreibungen. Unterdurchschnittlich ist die Zahl auch im Gastgewerbe, in der Kommunikations- und der Informationsbranche. Zugenommen haben die Krankschreibungen außerdem bei denjenigen, die in Schichten arbeiten, ihr Anteil stieg von 15,5 % im Jahr 2014 auf 15,8 % 2015.

Bild: © Depositphotos.com / imtmphoto

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.