Der Mindestlohn gilt nicht für alle

Veröffentlicht: 1. Februar 2017 | 12:53 Uhr
Der Mindestlohn gilt nicht für alle

Eigentlich müssten sich die Unternehmen und Firmen an den gesetzlichen Mindestlohn halten und ihren Angestellten für ihre Arbeit mindestens 8,84 Euro in der Stunde zahlen, aber die Betonung liegt hier auf dem Wort „eigentlich“. Nicht alle halten sich daran und besonders diejenigen, die als sogenannte Minijobber arbeiten, werden sehr oft mit deutlich weniger abgespeist. Mittlerweile ist jeder Fünfte dieser Minijobber betroffen, jeder Zweite bekommt weniger als 8,50 Euro Stundenlohn und manche arbeiten sogar für 5,50 Euro pro Stunde.

Nicht flächendeckend angewendet

Der Mindestlohn gilt bis auf wenige Ausnahmen für alle, aber nicht alle Arbeitgeber können oder wollen ihren Angestellten diesen Lohn auch tatsächlich zahlen. Laut einer aktuellen Studie haben im Jahr 2014 rund 60 % der Minijobber weniger als 8,50 Euro in der Stunde verdient. Zwar ist diese Zahl dann auf 50 % gesunken, aber noch immer werden die Menschen, die in Minijobs arbeiten, um ihren gesetzlichen Lohn betrogen. Bei wie vielen, die eine 450-Euro-Stelle haben, die Lohnuntergrenze unterlaufen wird, steht allerdings nicht fest, aber Experten vermuten, dass es sich um Millionen von Menschen handelt, die zu wenig verdienen. In Deutschland arbeiten 7,4 Menschen in einem Minijob, fünf Millionen müssen dabei von diesem Geld leben, denn der Minijob ist ihre Haupttätigkeit.

Den Arbeitgeber melden

Viele Minijobber lassen sich beim Deutschen Gewerkschaftsbund beraten, wenn sie zu wenig verdienen, aber sie haben Angst, ihre Arbeitgeber zu melden, da sie dann eine Kündigung befürchten müssen. Der DGB rät allen, die zu wenig verdienen, ihre Arbeitszeit genau zu dokumentieren und diese Aufzeichnungen von Kollegen bezeugen zu lassen. Notfalls kann der Mindestlohn vor einem Arbeitsgericht eingeklagt werden und das gilt auch noch rückwirkend für die letzten drei Jahre. Die Gewerkschaften bieten zudem einen kostenlosen Rechtsschutz an, wenn der Arbeitnehmer Mitglied der Gewerkschaft ist. Der DGB verlangt jetzt mehr Kontrollen vor allem bei den Arbeitsverträgen, denn oftmals werden längere Arbeitszeiten vereinbart, die den Verdienst letztendlich unter die Grenze von 8,84 Euro in der Stunde drücken.

Bild: © Depositphotos.com / stadtratte

Das könnte Sie auch interessieren:

MYSKILLS – Neuer Test macht berufliches Wissen sichtbar Nürnberg (ots) - - Bundesagentur und Bertelsmann Stiftung entwickeln neuen Test MYSKILLS zu beruflichem Handlungswissen - Ziel ist, Geflüchtete, Zuwanderer und Arbeitslose ohne Berufsabschluss leichter in Arbeitsmarkt zu integrieren - Arbeitsagenturen und Jobcenter bieten MYSKILLS künftig für 30 Berufe in jeweils sechs Sprachen an Viele Arbeitssuchende in Deutschland waren bereits mehrere Jahre in einem Beruf tätig, ohne zuvor eine Ausbildung abgeschlossen zu haben. Trotz fehlender formaler Qualifikation verfügen sie über berufliches Handlungswissen. Auch Geflüchtete bringen häufig berufliche ...
Anzahl offener Stellen für Fachkräfte im Osten verdoppelt – … Düsseldorf (ots) - Die Nachfrage nach qualifiziertem Personal hat im ersten Quartal 2018 neue Rekordhöhen erreicht. Verglichen mit dem Vorjahr stieg die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen deutschlandweit um 12 Prozent. Der Vergleich mit dem ersten Quartal 2012 zeigt ein beeindruckendes Wachstum von 44 Prozent. Das zeigen Analysen des StepStone Fachkräfteatlas, für den die Online-Jobplattform seit 2012 Stellenausschreibungen auf allen relevanten Online- und Print-Plattformen auswertet. Die meisten Ausschreibungen je 100.000 Einwohner verzeichnen demnach die Stadtstaaten und die südlichen Bunde...
Blau machen am Brückentag? In NRW ist die Hemmschwelle am niedrigsten Villingen-Schwenningen (ots) - Krank feiern am Brückentag? Viele Arbeitnehmer haben damit offenbar kein Problem. Hochburg der Blaumacher ist Nordrhein-Westfalen, wie eine repräsentative Studie der Schwenninger Krankenkasse zeigt. Hier gaben 27 Prozent aller Arbeitnehmer an, innerhalb der letzten zwölf Monate an mindestens einem Tag blau gemacht zu haben. Am pflichtbewusstesten waren Arbeitnehmer dagegen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern: Hier schwänzten im selben Zeitraum nur acht Prozent die Arbeit. "Blau machen ist vor allem bei jüngeren Arbeitnehmern verbreitet", sag...

Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.