Martin Schulz und die „Lohn-Diagnose“ » Finanzen Heute

Martin Schulz und die „Lohn-Diagnose“

Martin Schulz möchte für die SPD Kanzler werden, und schon kurze Zeit nach seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten hat der ehemalige EU-Politiker bereits erkannt, dass es einen „erheblichen Nachholbedarf bei den Einkommen“ in Deutschland gibt. Ihm ist aufgefallen, dass die Gewinne der Unternehmen viel stärker gestiegen sind als die Löhne und die Gehälter und genau das will Martin Schulz jetzt ändern.

Mehr Geld für alle Arbeitnehmer

Nicht nur Martin Schulz fordert bessere Löhne und Gehälter, auch Verdi-Chef Frank Bsirske möchte, dass die Arbeitnehmer mehr verdienen. Aber während der Gewerkschaftsvorsitzende sich vor allem um die Krankenschwestern, die Krankenpfleger, die Erzieher und alle anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst stark macht, hat Martin Schulz alle Arbeitnehmer im Blick. Seiner Meinung nach haben die Arbeitnehmer mehr Geld verdient, denn schließlich sind sie es, die die großen Unternehmensgewinne erst möglich gemacht haben.

Die Daten sagen etwas Anderes

Die Daten, die das Statistische Bundesamt aktuell veröffentlicht hat, zeigen aber, dass die „Lohn-Diagnose“ von Schulz so nicht stimmt. In den letzten zehn Jahren sind die Löhne der Arbeitnehmer sogar noch stärker gestiegen als die Einkommen der Unternehmen. So lag der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen bis zum Jahr 2007 bei 63,8 % und ist dann auf 68,1 % angestiegen. Es waren vor allem die Gewerkschaften, die mit ihren guten Tarifabschlüssen dazu beigetragen haben, dass sich die Einkommenssituation in Deutschland deutlich verbessert hat.

Das sagen die Wirtschaftsweisen

Neben den Gewerkschaften, Martin Schulz und dem Statistischen Bundesamt haben sich auch die fünf Wirtschaftsweisen zu Wort gemeldet und ein neues Gutachten vorgelegt. Nach Ansicht der Wirtschaftsweisen ist in Deutschland der Anteil des produzierenden Gewerbes von 40 % des Bruttoinlandsprodukts in den 1970er Jahren auf aktuell 23 % gesunken. Dafür sind aber die Gehälter zum Beispiel im Maschinenbau oder in der Automobil- und Chemiebranche um einiges höher als in den Dienstleistungsberufen. Martin Schulz und Frank Bsirske werden aber bestimmt dafür sorgen, dass auch diese Berufsgruppe in der Zukunft mehr verdienen wird.

Bild: © Depositphotos.com / zestmarina


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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.