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Hat der Bausparvertrag noch eine Zukunft?

Der Streit zwischen den Bausparkassen und ihren Kunden ist schon seit einigen Jahren ein Thema. Jetzt könnte dieser Streit aber bald ein Ende finden, denn der Bundesgerichtshof entscheidet darüber, ob die Bausparkassen die rentablen Altverträge, die noch hoch verzinst sind, einfach kündigen dürfen. Ganz gleich, wie das Urteil des BGH ausfallen wird, es stellt sich jetzt schon die Frage, wie es mit dem klassischen Bausparvertrag weitergehen wird. Gibt es eine Zukunft für den Vertrag, dem die Deutschen seit so vielen Jahren schon die Treue halten oder wird der Bausparvertrag langsam, aber sicher zu einer Art Auslaufmodell?

Eine lange Geschichte

Georg Kropp war Laienprediger und Publizist, als er in der kleinen Stadt Wüstenrot in Baden-Württemberg die erste Bausparkasse gründete. Das war 1921 und mit dieser Bausparkasse wurde es auch für Familien mit weniger Geld endlich möglich, sich den Traum von einem eigenen Häuschen zu erfüllen. Das Modell machte schnell Karriere und nahm vor allem in den Nachkriegsjahren richtig Fahrt auf, als der Wohnraum sehr knapp war. Ende der 1970er Jahre kommt der Bausparvertrag in die Kritik, er gilt als Inbegriff des Spießertums und alle, die Bausparverträge hatten, galten als Kleinbürger. Erst mit Beginn des neuen Jahrtausends wird der Bausparvertrag wieder salonfähig, als sich immer mehr junge Familien auf diesem Weg den Wunsch nach Wohneigentum erfüllen wollen.

Der Bausparvertrag vor Gericht

Heute fließt jeder fünfte Euro in den privaten Hausbau und 20 Bausparkassen finanzieren den Traum von den eigenen vier Wänden. Noch sind es 20 Bausparkassen, es bleibt die Frage, wie viele es noch sind, wenn der BGH zugunsten der Kunden entscheidet. Auch die erste und wohl auch bekannteste Bausparkasse Wüstenrot steht vor Gericht und sie steht dort auch stellvertretend für alle anderen Kassen. Sollte Wüstenrot im Streit unterliegen, dann wird sich die ohnehin schon sehr angespannte finanzielle Lage der Bausparkassen noch weiter verschärfen und die Kunden werden das schmerzhaft zu spüren bekommen. Der Zeitpunkt für den Konflikt zwischen den Bausparkassen und ihren Kunden ist sehr ungünstig, denn die Kassen hatten sich gerade wieder ein wenig erholt, und konnten ihr schlechtes Image wieder aufpolieren.

Die Zinsen sind gestiegen

In den letzten Monaten sind die Zinsen für Hypotheken wieder angestiegen, aber es wäre etwas verfrüht, jetzt schon von einer Zinswende zu sprechen. Alle, die Gewissheit haben möchten, dass sie in acht oder auch in zehn Jahren ihr Baugeld noch für einen Zinssatz von zwei Prozent bekommen können, haben heute die Gelegenheit, sich dieses aktuelle Niveau durch Bausparverträge zu sichern. Damit käme die eigentliche Idee des Bausparvertrags wieder zum Tragen, denn der Kunde spart einige Jahre und bekommt dann zu einem niedrigen Zinssatz das Geld zum Bauen. Wenn zwischen 40 und 50 % der vereinbarten Summe zusammengekommen sind, dann ist der Kredit reif für die Zuteilung und kann abgerufen werden. Wenn der Bausparvertrag ein echtes Comeback erleben würde, dann wäre er einmal mehr eine gute Option, wenn es um die Finanzierung einer Immobilie geht.

Die Bausparkassen wissen nicht weiter

Mit der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank beginnen auch die Probleme für die Bausparkassen, die kaum noch Möglichkeiten sehen, das Geld ihrer Kunden gewinnbringend anzulegen. Die Zinsen für Kredite sind zudem so niedrig, dass viele, die Wohneigentum bauen oder kaufen wollen, keinen Bausparvertrag mehr abschließen, sondern lieber gleich einen normalen Immobilienkredit aufnehmen. In der Folge haben die Bausparkassen immer mehr Guthaben angehäuft, aber das Volumen der Darlehen, die ausgereicht wurden, sanken drastisch. Um diesen fatalen Kreislauf aufzuhalten, sahen viele Bausparkassen nur noch einen Ausweg, sie mussten die alten und noch sehr hoch verzinsten Verträge mit ihren Kunden kündigen. So wurde dann auch eine viertel Million Kündigungen verschickt, aber das wollten die meisten Kunden nicht auf sich sitzen lassen.

Bild: © Depositphotos.com / ginasanders

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.