Der Euro und die Niederlande – der Musterschüler Europas verliert die Geduld » Finanzen Heute

Der Euro und die Niederlande – der Musterschüler Europas verliert die Geduld

Sehr reich, wettbewerbsfähig, eine niedrige Arbeitslosenquote und ein starkes Wirtschaftswachstum – die Niederlande sind so etwas wie die Musterschüler Europas. Aber jetzt hat es den Anschein, als würde der Musterschüler den Aufstand proben, denn es ist längst nicht alles so mustergültig, wie es scheint. Die Niederländer verlieren langsam aber sicher die Geduld mit Europa, und das zu einem sehr brisanten Zeitpunkt, denn in zwei Wochen wird im kleinen Nachbarland gewählt.

Die Niederlande – ein beneidenswertes Land

Selbst aus deutscher Sicht ist der Nachbar ein beneidenswertes Land. Die Arbeitslosenquote liegt bei minimalen 5,4 %, es gibt ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent und pro Kopf wird doppelt so viel exportiert als in Deutschland. Wenn es nach der Statistik geht, dann sind die Niederländer um acht Prozent reicher als die Deutschen und das alles macht das Land zu einem Vorzeigestaat in Europa. Aber die Niederländer sind unzufrieden mit der Gemeinschaftswährung und das hat das Parlament veranlasst, eine Studie in Auftrag zu geben. Veröffentlicht wird das Ergebnis der Studie zwar erst nach den Wahlen im März, aber Finanzexperten fürchten sich jetzt schon vor dem „Brexit-Effekt“.

Ist Europas Stabilität in Gefahr?

Die Europäische Zentralbank hat kaum noch Freunde und auch die Niederländer gehören zu denjenigen, die mit der zweifelhaften Rettungspolitik der EZB nicht allzu viel anfangen können. Es gibt bereits Abstriche bei den betrieblichen Renten, dabei sind diese Renten anders als in Deutschland, sehr wichtig. In diese Betriebsrenten zahlen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer ein und wenn diese Rente kleiner wird, dann sieht man das in den Niederlanden nicht gerne und macht dieses Thema zu einem Wahlkampfthema. Besonders Geert Wilders und seine Partei, die PVV, wissen das Thema Rente zu nutzen und es könnte der PVV gelingen, nach der Wahl die stärkste Kraft im Parlament zu werden. Die Euro-kritische Haltung der PVV kann dann die Stabilität der Euro-Zone ernsthaft gefährden.

Die Märkte sind sehr nervös

Über viele Jahre waren die Niederlande ein stabiler Partner in Europa, aber das kann sich in zwei Wochen schlagartig ändern. Die Märkte und vor allen Dingen die Investoren sind mittlerweile sehr nervös und sie taxieren die Wahrscheinlichkeit, dass die Niederlande die Euro-Zone verlassen werden, auf 4,25 % ein. Die Niederländer gelten als sehr tolerant und auch als sehr geduldig, aber dass ausgerechnet dieses Volk den Glauben an den Euro und an Europa verliert, das wird als Alarmsignal gewertet. Vieles erinnert an den Brexit im vergangenen Jahr, denn auch die Engländer wollten wieder mehr Souveränität, sie wollen entscheiden, was mit ihrem Geld geschieht und wie viele Flüchtlinge ins Land gelassen werden. Diese beiden Themen, das Geld und die Immigration, sind die beiden Themen, die auch die Niederländer bewegen, sie bestimmen den Wahlkampf und für jeden Dritten sind sie entscheidend für die Zukunft des Landes.

Mehr Kontrolle

Zwar leben zwei von drei Niederländern in einem eigenen Haus, aber es gibt eine sehr hohe Bevölkerungsdichte von 409 Einwohnern auf einem Quadratmeter. Im Vergleich dazu leben in Deutschland auf diesem Raum nur 232 Menschen. Dazu kommt ein sehr hoher Anteil (22 %) an Ausländern und das macht den Menschen in den Niederlanden Sorgen. Sie wollen die Kontrolle behalten, sie wollen keine Wohnungsnot und keine ausufernden Mieten, weil es an Wohnraum fehlt. Genau genommen sind die Niederländer nicht gegen die gemeinschaftliche Währung, sie sind gegen Europa und die aufgezwungene Politik der Europäischen Zentralbank. Finanzexperten, aber auch die Börsen sehen sehr nervös auf die Wahlen im März, denn die Niederlande gelten als einer der Trendsetter, wenn es um Populismus in Europa geht. Sollte Geert Wilders die Wahlen für sich entscheiden können, dann wird sich in der Euro-Zone sehr schnell einiges ändern.

Bild: © Depositphotos.com / MattiaATH

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.