Gebühren fürs Geldabheben – was steckt hinter dem Plan der Banken?

Veröffentlicht: 5. April 2017 | 18:37 Uhr
Gebühren fürs Geldabheben – was steckt hinter dem Plan der Banken?

Die Sparkassen hatten in Deutschland sehr lange einen sehr guten Ruf. Sie waren eine Art sicherer und zuverlässiger Partner in einer Welt aus Großbanken, die anscheinend nichts anders im Kopf hatten, als ihre Kunden mit zahlreichen fiesen Tricks abzuzocken. Jetzt sieht die heile Welt der Sparkassen ein wenig anders aus, denn auf einmal müssen die Kunden Gebühren fürs Geldabheben am Automaten zahlen. Das bezieht sich nicht mehr nur auf die Automaten von anderen Banken, sondern gilt auch für den Automaten der heimischen Sparkassenfiliale vor Ort.

Versprechen gebrochen

Es ist noch kein halbes Jahr her, da versprach Georg Fahrenschon, der Präsident des Sparkassen- und Giroverbands: „Abhebungen an unseren Geldautomaten sind für Sparkassenkunden kostenlos – und das wird auch so bleiben.“ Aber was ist aus diesem Versprechen geworden? Fest steht, Fahrenschon hat sein Wort gebrochen, denn jetzt verlangen 40 Sparkassen Gebühren fürs Geldabheben, und zwar von den eigenen Kunden, die bei der Sparkasse ein Konto haben. Da ist zum Beispiel die Sparkasse in Wittgenstein, die jedem ihrer Kunden ab der fünften Abhebung einen Euro als Gebühr abknüpft. Die Förde-Kasse in Kiel ist nicht so bescheiden, sie verlangt von ihren Kunden schon ab der ersten Abhebung eine Gebühr von 0,25 Euro. Wer die Gebühr fürs Geldabheben nicht bezahlen will, der muss sich nach einer neuen Bank umsehen, aber die Suche wird nicht einfach, denn immer mehr Banken entschließen sich, diesen drastischen Schritt zu gehen.

Diese Banken nehmen keine Gebühr fürs Geldabheben

Noch gibt es ganze sieben Banken, die ihren Kunden den Service anbieten, zum Nulltarif Geld vom Konto abzuheben:

  • Santander
  • Santander Consumer Bank
  • Norisbank
  • Consorsbank
  • DKB
  • ING-DiBa
  • Comdirect Bank

Allerdings gibt es auch hier Einschränkungen, denn diejenigen, die nicht jeden Monat 500,- Euro auf ihr Konto überwiesen bekommen, müssen Gebühren fürs Geldabheben bezahlen. Eine persönliche Beratung gibt es nur in den Filialen von Santander, die anderen sechs Banken sind Online-Banken und hier gibt es die Beratung auf Wunsch nur am Telefon. Nach Ansicht von Wirtschaftsexperten ist das erst der Anfang, denn schon bald werden noch mehr Banken dem Vorbild der Sparkassen folgen und Gebühren fürs Geldabheben verlangen.

Viele Floskeln, nichts dahinter

Direkt auf die neuen Gebühren fürs Geldabheben angesprochen, zieren sich die Sparkassen, das Kind bei seinem Namen zu nennen und sie nehmen das Wörtchen „Gebühr“ nicht so gerne in den Mund. In einer Erklärung heißt es deswegen auch, dass „Bargeldverfügungen an Automaten der Sparkassen auch in Zukunft nicht gesondert bepreist werden“. Jedoch geben die Sparkassen immerhin zu, dass „einzelne Sparkassen ein Kontomodell haben, was Buchungsposten bepreist, die über eine gewisse Zahl von Buchungen hinausgehen“. Vereinfacht ausgedrückt heißt das, einzelne Sparkassen nehmen zwar eine Gebühr fürs Geldabheben, aber dafür ist dann der Grundpreis ein wenig niedriger. Das Problem der Banken ist, dass ihr Tagesgeschäft so gut wie nichts mehr einbringt und dass mit den neuen Gebühren wieder Geld in die leeren Kassen gespült werden soll. Die Kunden sollen also die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ausbaden, während die Vorstände der Banken übermäßig bezahlt werden und mehr als üppige Pensionen bekommen, die nicht mehr in die heutige Zeit passen.

Was steckt wirklich hinter den Gebühren?

Sind es wirklich nur die klammen Kassen, die nach einer neuen Geldquelle, sprich einer Gebühr verlangen, oder steckt vielleicht etwas ganz anderes dahinter? Der Einzelhandel hat einen anderen Verdacht, nämlich dass die Banken ihren Kunden das Bargeld verleiden wollen, denn Bargeld bedeutet für die Banken viel Arbeit. Sie sehen das bare Geld als eine zu starke Belastung und von dieser Belastung wollen sie sich jetzt Schritt für Schritt verabschieden. Die Gebühren fürs Geldabheben am Automaten sind nur ein weiterer dieser Schritte in Richtung bargeldlose Zukunft.

Bild: © Depositphotos.com / kawing921

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Ulrike Dietz

Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.