Kommt bald das Aus für den verkaufsoffenen Sonntag? » Finanzen Heute

Kommt bald das Aus für den verkaufsoffenen Sonntag?

Der verkaufsoffene Sonntag ist schon so etwas wie Tradition in Deutschland. Besonders die Sonntage vor Weihnachten werden von Familien gerne genutzt, um den Bummel über den Weihnachtsmarkt mit einem kleinen Einkauf zu verbinden. Auch abseits des Weihnachtsgeschäfts kommt der verkaufsoffene Sonntag gut an und viele Gemeinden verbinden damit ein Stadtfest oder ein anderes Event. Wenn es nach der Gewerkschaft ver.di und den Kirchen geht, dann ist bald Schluss mit dem Shopping-Erlebnis am Sonntag, denn mit Klagen wird versucht, die offenen Sonntage in den Innenstädten einzudämmen. Der Handel wehrt sich dagegen und spricht von einer Bevormundung der Bürger.

Das Politikum um den verkaufsoffenen Sonntag

Ob die Geschäfte an den Sonntagen öffnen dürfen oder nicht, ist längst zu einem Politikum geworden. Während auf der einen Seite eine breit angelegte Klagewelle gegen den verkaufsoffenen Sonntag rollt, geht auf der anderen Seite der Handel in die Offensive. Dort ist man der Meinung, dass der Kunde, der Händler und seine Mitarbeiter sehr gut auch ohne die Bevormundung des Staates auskommen. In den Nachbarländern, wie zum Beispiel in den Niederlanden, funktioniert es schließlich auch sehr gut und der Vorwurf der Gewerkschaften, dass der verkaufsoffene Sonntag zum Schutz der Mitarbeiter abgeschafft werden soll, sei so nicht haltbar. Die Beschäftigen im Handel haben großes Interesse daran, an einigen Sonntagen im Jahr zu arbeiten, denn sie werden schließlich besser bezahlt als an den normalen Werktagen.

Ideal für Familien

Die deutschen Einzelhändler sehen die Klagen der Gewerkschaft sehr kritisch und verweisen auf die Familien, die besonders gerne an einem verkaufsoffenen Sonntag einkaufen gehen. Unter der Woche ist es zeitlich nicht immer möglich, gemeinsam einzukaufen, am Sonntag jedoch haben die meisten Zeit für einen kleinen Bummel durch die Innenstadt. Das Problem der Händler ist jedoch, dass es ihnen immer weniger gelingt, sich gegen die Allianz von Kirchen und ver.di durchzusetzen. Die Gewerkschaft und die Kirchen haben unterschiedliche Gründe, wenn sie sich gegen den verkaufsoffenen Sonntag auflehnen, unter anderem wird vom Sonntag als einem „unantastbaren Kulturgut“ gesprochen.

Es ist Ländersache

Wie in vielen anderen Dingen, so sind auch die vier bis maximal zehn verkaufsoffenen Sonntage eine Sache der einzelnen Bundesländer. Die Kommunen können den Händlern nicht einfach so erlauben, ihre Geschäfte an einem Sonntag zu öffnen. Es ist aber möglich, die Geschäfte zu öffnen, wenn es zum Beispiel einen Markt, eine Messe oder eine andere Veranstaltung gibt, die im Verhältnis zur Zahl der Einwohner einen großen Strom von Besuchern anzieht. Nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts muss der Anlass für den verkaufsoffenen Sonntag prägend sein. Der Handel hat sich auf eine defensive Haltung festgelegt, und möchte das umzusetzen, was das Gesetz erlaubt. Die Chancen für diese Bitte sind allerdings klein, denn ver.di lässt jetzt nach einem großen Vorstoß gerichtlich prüfen, wie viele Einzelfälle auch ein prägendes Erlebnis haben. 90 Verfahren sind schon in Gang gesetzt worden, um den verkaufsoffenen Sonntag auf Ortsebene zu verbieten.

Die Städte haben Angst

Die großen Städte wie Dortmund und Düsseldorf haben ihre Termine für die verkaufsoffenen Sonntage bereits abgesagt und auch Köln hat sie aus dem Kalender gestrichen. Der Grund ist die Angst vor hohen Prozesskosten, und auch die Unsicherheit bei der Rechtsprechung macht den Stadtkämmerern zu schaffen. Schlimm ist es vor allem für die kleinen Geschäfte und für die Fachhändler, die mit den Online-Shops konkurrieren müssen. Die Stimmung unter den Einzelhändlern ist aktuell sehr gut, die Menschen sind in Kauflaune und der Umsatz in den einzelnen Branchen wird in diesem Jahr voraussichtlich um zwei Prozent auf knapp 500 Milliarden Euro steigen.

Die Klagewelle könnte dazu führen, dass die Gemeinden letztendlich gar keine Verordnungen mehr umsetzen werden und das wäre zum Nachteil der Kunden, der Händler und der Beschäftigten.

Bild: © Depositphotos.com / limbi007

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.