Das Amt kassiert fürs Pflegeheim – so viel müssen Angehörige zahlen

Veröffentlicht: 19. April 2017 | 15:33 Uhr
Das Amt kassiert fürs Pflegeheim – so viel müssen Angehörige zahlen

Wenn die Mutter oder der Vater in ein Alten- oder Pflegeheim müssen, dann ist das nicht nur für die Familie ein einschneidendes Erlebnis, dieser Schritt kann auch die finanziellen Verhältnisse kräftig durcheinander wirbeln. Nicht immer reicht die Rente für den Aufenthalt in einem Seniorenheim aus und daher bitten die Sozialämter die Angehörigen zur Kasse. Aber auf welche Zahlungen müssen sich die Kinder einstellen und gibt es eventuell auch Freibeträge?

Ein teurer Ruhestand im Pflegeheim

Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes leben in Deutschland 783.000 Menschen in einem Pflegeheim und ein solcher Heimplatz kostet für einen alten Menschen mit Pflegestufe III im Schnitt 3200 Euro. Zu dieser Summe kommen aber noch die sogenannten Investitionskosten für den Betreiber des Heimes, der diese nutzt, um zum Beispiel das Haus oder die Einrichtung zu modernisieren. Diese zum Teil sehr hohen Kosten können nicht alleine von den Leistungen der Pflegeversicherung getragen werden. Wenn die Rente also nicht reicht, dann müssen die Ämter das Geld bei den Kindern eintreiben. Kinder sind immer verpflichtet, für den Unterhalt der Eltern aufzukommen, allerdings nur im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten. Ob und wie viel die Kinder zahlen müssen, hängt zum einen von ihrem Einkommen und zum anderem von ihren Vermögen ab.

Zunächst müssen die Pflegebedürftigen zahlen

Bevor das Sozialamt an die Kinder herantritt, werden die Vermögensverhältnisse der Pflegebedürftigen überprüft. Angerechnet werden unter anderem die private und die gesetzliche Rente, die Pflegeversicherung, aber auch das Vermögen. Behalten dürfen die Pflegebedürftigen lediglich einen sogenannten Schonbetrag in Höhe von 2600 Euro, der sozusagen als stille Reserve gilt. Wenn die Eltern einen Anspruch auf Grundsicherung im Alter haben, dann muss dieser beantragt werden, denn die eigenen Einkünfte haben generell Vorrang vor den möglichen Unterhaltszahlungen der Kinder.

Welche Freibeträge gibt es?

Wenn die Eltern in ein Pflegeheim müssen, dann gilt für die Kinder eine Faustregel zum Thema Unterhaltszahlungen: Alle, die alleinstehend sind, dürfen selbst 1800 Euro pro Monat behalten, dieser Betrag kann nicht vom Unterhaltsgeld für die Eltern abgezogen werden. Handelt es sich um eine Familie, dann liegt der Freibetrag bei 3240 Euro im Monat. Gibt es ein Kind, für das Unterhalt bezahlt wird, dann kann die Familie 50 % ihres Einkommen behalten. Auch für Vermögen gibt es eine Schongrenze, und dazu gehört auch eine selbst genutzte Immobilie. Zudem dürfen Rücklagen zum Beispiel für Reparaturen oder Geld für das neue Auto sowie Geld für den Urlaub der Kinder nicht angetastet werden. Das Gleiche gilt auch für ein Vermögen, das nachweislich zur Altersvorsorge dient.

Wie wird der Elternunterhalt berechnet?

Sollten Vater und Mutter in ein Pflegeheim kommen, dann wollen die Kinder natürlich wissen, wie hoch der Unterhalt ist, den sie zahlen müssen. Arbeitnehmer addieren dazu die zwölf Monatsgehälter und rechnen dann das durchschnittliche Gehalt aus. Bei Selbstständigen und Freiberuflern werden die durchschnittlichen Einkünfte aus den vergangenen drei bis fünf Jahren für die Berechnung herangezogen. Vom Nettoeinkommen werden nach Steuern noch folgende Kosten abgezogen:

  • Kosten für die Krankenversicherung
  • Die Beiträge für die private Altersvorsorge
  • Aufwendungen aus dem beruflichen Bereich, wie beispielsweise Fahrtkosten
  • Die Aufwendungen für die regelmäßigen Besuche bei den Eltern im Pflegeheim
  • Verbindlichkeiten aus Krediten, wie zum Beispiel einem Immobilienkredit

Paare, die ohne Trauschein zusammenleben, können von dem höheren Selbstbehalt leider nicht profitieren.

Vorher mit dem Sozialamt reden

Es ist immer eine gute Idee, mit dem Sozialamt zu reden, wenn der Vater oder die Mutter in ein Pflegeheim müssen, denn es gibt mögliche Alternativen. Zu diesen Alternativen gehört unter anderem die Hilfe zur Pflege, die die Kosten für eine Tagespflegeeinrichtung zum Teil übernimmt. So lässt sich ein teurer Umzug in ein Heim vermeiden. Von dieser Lösung profitieren sowohl der Pflegebedürftige, der in seinem Zuhause bleiben kann, das Sozialamt und die Kinder, die erheblich weniger zahlen müssen.

Bild: © Depositphotos.com / stokkete

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Ulrike Dietz

Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.