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Wie die Commerzbank auf Kundenfang geht

Die Banken haben es heute nicht eben leicht. Die Europäische Zentralbank macht ihnen mit der dauerhaften Niedrigzinspolitik das Kreditgeschäft kaputt und die Kunden laufen in Scharen weg, weil sie die zum Teil sehr hohen Gebühren nicht mehr bezahlen wollen. Um wieder mehr Kunden anzulocken, müssen sich die Bankhäuser etwas einfallen lassen. Besonders kreativ ist die Commerzbank, wenn es darum geht, neue Kunden zu werben. Es ist der Kampf um Wachstum, der die Bank antreibt, aber die Köderversuche könnten sich schon sehr bald rächen.

Willkommen bei der Commerzbank

Jeder Kunde ist bei der Commerzbank willkommen und für alle, die vielleicht noch Zweifel haben, gibt es eine Art Entscheidungshilfe in Form von 150,- Euro. Begrüßungsgeld nennt das die Bank und eine kostenlose Kreditkarte gibt es als kleinen Willkommensgruß noch dazu. Der zukünftige Kunde muss sich lediglich beim Online-Bezahlverfahren Paydirekt anmelden und dafür sorgen, dass es fünf Buchungen im Monat gibt, mehr Anforderungen stellt die Commerzbank nicht. Vor noch nicht allzu langer Zeit war ein monatlicher Mindesteingang auf dem Konto notwendig, um in den Genuss von Extras zu kommen, jetzt läuft die Bank mit Sitz in Frankfurt Gefahr, durch ihre Werbeaktionen eine Menge Karteileichen zu produzieren und das zu einem sehr hohen Preis.

Kunden sammeln

Die Bank hat sich ein Ziel gesetzt und das heißt: Bis 2020 sollen zwei Millionen neue Kunden gewonnen werden und um das zu erreichen, ist der Bank offenbar jedes Mittel recht. Das ist allerdings nicht der erste Versuch, den die Frankfurter unternehmen, sie haben in den vergangenen Jahren immer mal wieder versucht, die Konkurrenz mit einem recht aggressiven Wachstumskurs an die Wand zu drücken. Andere Banken gaben ihre Kunden schließlich entnervt auf, wenn die Commerzbank mal wieder mit einem üppigen Willkommensgruß lockte, bis zu 200,- Euro waren bei der Neueröffnung eines Kontos drin. Aber diese Taktik scheint nicht mehr den gewünschten Effekt zu erzielen, denn Ende 2016 schaffte die Bank den monatlichen Mindesteingang ab. Es waren nur noch fünf Buchungen zu je 25,- Euro nötig.

Der Erfolg war groß

Der Erfolg der Kampagne konnte sich sehen lassen, denn 2016 gewann die Commerzbank 280.000 neue Kunden hinzu, allerdings bleibt der wirtschaftliche Nutzen bis heute umstritten. Diese Art von Werbekampagnen sind für eine Bank sehr teuer und nur, wenn die Bank es schafft, über die Eröffnung des Girokontos hinaus mit den Kunden ins Geschäft zu kommen, dann zahlt sich die Beziehung für die Bank auch tatsächlich aus. Die Frankfurter Bank wird nicht müde zu betonen, wie sehr sich das aggressive Wachstum auszahlt und das man ganz sicher ist, auch auf lange Sicht an den neuen Kunden zu verdienen. Der Mindesteingang auf dem Konto wurde inzwischen übrigens wieder eingeführt, wenn der Kunde das Konto als Gehaltskonto nutzt.

Das Interesse gilt dem Begrüßungsgeld

Es ist fraglich, wie lange die Bank ihren Kunden das Begrüßungsgeld noch zahlen will oder kann, denn es droht die Gefahr, dass viele ein Konto nur eröffnen, um in den Genuss des Willkommensgeldes zu kommen, aber anschließend das Konto kaum noch nutzen. Das Geschäftsmodell spricht auch Menschen mit einem eher geringen Einkommen an, mit denen die Bank jedoch keine lukrativen Geschäfte machen kann. Eine Sprecherin der Bank stritt diesen Verdacht ab und vertritt nach wie vor die Meinung, dass ein kostenloses Girokonto mit einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis für alle gleichermaßen attraktiv ist. Mit ihren Kampagnen widersetzt sich die Bank aus Frankfurt dem allgemeinen Trend der Branche, die durch die niedrigen Zinsen keinen anderen Weg mehr sieht, als ständig neue Gebühren zu verlangen. Die Zeiten, in denen die Kunden alles kostenlos bekommen haben, die sind vorbei. So lautet das Credo der Bankenbranche, und wer Kosten verursacht, der muss letztendlich auch dafür bezahlen.

Bild: © Depositphotos.com / franky242


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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.