Flucht aus der Lira – die Türken wollen Euro und Dollar

Veröffentlicht: 28. April 2017 | 22:00 Uhr
Flucht aus der Lira – die Türken wollen Euro und Dollar

Die türkische Regierung entfernt sich immer weiter vom Westen, viele türkische Bürger machen genau das Gegenteil, denn sie tauschen die Landeswährung Lira in Devisen. Euro und Dollar sind gefragt, vor allem Privatleute und kleine Unternehmen wollen ihr Geld nicht mehr in der Landeswährung, sondern lieber in sicheren starken Währungen anlegen. Wenn dieser Trend anhält, dann könnte das die Regierung und den Präsidenten Erdogan langfristig in sehr große Schwierigkeiten bringen.

Kein Vertrauen in die Zukunft

Ein kluger Mann hat einmal gesagt: Wenn man wissen will, wie Menschen wirklich ticken, muss man nur auf ihr Konto schauen. An der Art und Weise, wie sie ihr Geld investieren und verschieben, kann man leicht erkennen, was sie über die Zukunft ihres Landes denken. Wenn man sich in diesen Tagen die privaten Geldbewegungen in der Türkei anschaut, dann wird sehr schnell klar, dass viele Türken kein großes Vertrauen in die Zukunft haben. In den ersten Tagen nach dem umstrittenen Referendum haben kleine Unternehmen, aber auch viele Privatleute damit begonnen, türkische Lira in Massen in Devisen wie Dollar und Euro umzutauschen. Alleine in der letzten Woche, so haben Banker berichtet, gab es Umschichtungen von umgerechnet 157 Milliarden Dollar.

Die Reaktion der Finanzmärkte

Das Verhalten der Menschen in der Türkei steht in einem sehr starken Kontrast zu der Stimmung an den globalen Finanzmärkten. An den Märkten machen sich aktuell große Geldhäuser wie die Credit Suisse und die Deutsche Bank für die türkische Lira stark, denn nach dem Referendum werde die Stabilität in die Türkei zurückkehren, so die Meinung der Banker. Dazu kommt, dass die türkische Landeswährung mit einer Verzinsung von zwölf Prozent eine sehr attraktive Rendite bietet, vor allem für Spekulanten und Investoren. Die Türken haben allerdings große Zweifel an einem Comeback ihrer Währung, sie verzichten auf die Verzinsung im zweistelligen Bereich und legen ihr Geld lieber in Euro und Dollar an, obwohl es hier keine ordentliche Rendite gibt.

Eine weiche Währung

Dass die Türken der eigenen Währung nicht trauen, ist nicht erst seit dem Referendum eine Tatsache. Es ist seit langer Zeit üblich, einen großen Teil der Ersparnisse in harten Devisen anzulegen, und das hat auch etwas mit der Geschichte der Lira zu tun. Die Währung hat im eigenen Land keinen guten Ruf und wird als sogenannte Weichwährung verspottet. Selbst als es 2005 zu einem Image-Wechsel kam, änderte sich nichts an der Ablehnung. Vor zwölf Jahren wurden einfach sechs Stellen gestrichen, um das Geld auch im alltäglichen Gebrauch einfacher handhabbar zu machen, die Preise in Millionen und sogar Milliarden waren zu unübersichtlich geworden. Nach dieser Währungsreform konnte sich die türkische Lira zwar stabilisieren, aber seit 2011 geht es mit dem Kurs wieder rapide abwärts. Inzwischen hat die Lira im Vergleich zum US-Dollar mehr als 60 % ihres Wertes verloren.

Ein starker Präsident für die Türkei

Die Türkei hat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Es gibt eine hohe Arbeitslosenquote, eine hohe Inflation und jetzt flüchten die Bürger auch noch in starke Währungen, weil sie um ihre Ersparnisse fürchten. Die Regierung muss handeln, denn Erdogan weiß, dass er nur mit einer starken Währung auf Dauer auch ein starker Präsident der Türkei sein kann. Es wird ihn schmerzen, dass seine Landsleute kein Vertrauen haben und lieber ihr Geld in sichere Devisen anlegen und sich damit quasi auch in Richtung Westen orientieren, während das Land wohl seine Zukunft nicht unbedingt in der Europäischen Union sieht. Mittlerweile wird sehr offen über einen Abbruch der Beitrittsgespräche gesprochen, vor allem deshalb, weil Präsident Erdogan offenbar die Todesstrafe wieder einführen möchte. Kommt es zum endgültigen Bruch zwischen der EU und der Türkei, dann wird das die Flucht in Dollar und Euro noch verstärken.

Bild: © Depositphotos.com / eabff

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.