Zwei Banken pleite – italienische Steuerzahler zahlen die Zeche

Veröffentlicht: 26. Juni 2017 | 12:42 Uhr
Zwei Banken pleite – italienische Steuerzahler zahlen die Zeche

Ein schwerer Schlag für die Eurozone nennen es Experten, für die Europäische Zentralbank ist es ein nüchterner Prozess, wenn zwei italienische Banken nach dem nationalen Insolvenzrecht abgewickelt werden, wie es so schön heißt. Die Veneto Banca und die Banca Popolare di Vicenza standen schon etwas länger auf der Kippe, jetzt ist die Pleite perfekt, aber während die sogenannten vorrangigen Gläubiger von den Verlusten vollständig verschont bleiben, müssen die italienischen Steuerzahler die Rechnung begleichen.

Keine Zukunft mehr

Wochenlang hatte die EZB verhandelt, aber jetzt sieht sie für die beiden italienischen Banken keine Zukunft mehr. Es gab keine Möglichkeit mehr, die Banken zu retten, denn es fehlt an Eigenkapital, wie die EZB am Freitag mitteilen ließ. Die EZB hatte den Banken ausreichend Zeit gegeben, um einen Rettungsplan auszuarbeiten, aber glaubwürdige Lösungen hat es offenbar nicht gegeben. In Abstimmung mit der EZB hatte die europäische Bankenabwicklungsbehörde SRB dann entschieden, dass die beiden Banken nicht mehr überlebensfähig sind und sie in den Abgrund gestoßen.

Die großen Banken stärken

Die neusten Entwicklungen lassen darauf schließen, dass die Regierungen die Pleiten der kleinen regionalen Banken dazu nutzen werden, um die großen Banken zu stärken. Dieser Eindruck entsteht vor allem, wenn man bedenkt, dass die großen Banken die Übernahme von kleinen Häusern versüßt wird. Das führt paradoxerweise dann dazu, dass die Fähigkeit der Abwicklung von anderen Banken deutlich gesenkt wird. So hat sich schon die zweitgrößte Bank Italiens, die Intesa Sanpaolo bereit erklärt, die bessere der beiden kleinen Banken unter Umständen zu übernehmen. Wenn dieses Vorhaben gelingt, dann müssen die faulen Kredite in einer „Bad Bank“ ausgelagert werden, die wiederum zum Teil von der Regierung und damit von Steuergeldern finanziert wird.

Die EZB muss zustimmen

Wenn dieser Plan in die Realität umgesetzt werden soll, dann müssen die EZB und auch die EU zustimmen. Die EU-Kommission erklärte aber bereits, dass sie mit Italien im Gespräch ist. Unter den Kunden der beiden insolventen Banken, die jetzt um ihre Ersparnisse fürchten, macht sich Unruhe breit, aber der italienische Ministerpräsident versucht, zu beruhigen. Er kann bestätigen, dass es eine Garantie für alle Konten und alle Spareinlagen gibt, sagte Paolo Gentiloni gegenüber dem italienischen Rundfunk. Auf den italienischen Staat werden durch die Bankenpleite wohl Kosten zwischen acht und neun Milliarden Euro zukommen.

Bild: © Depositphotos.com / Studioclover

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.