Ex-LAGeSo-Chef Muschter: „Viele Behörden verstehen sich als …

Veröffentlicht: 13. Januar 2018 | 12:47 Uhr

Berlin (ots) – Grund für das Verwaltungschaos um die Aufnahme und Registrierung von Geflüchteten in Berlin war fehlende vorausschauende Planung. Das sagte Sebastian Muschter der in Berlin erscheinenden Tageszeitung „neues deutschland“ (Samstagausgabe). Muschter hatte das Landesamt für Gesundheit (LAGeSo), das damals noch für Geflüchtete zuständig war, ab Januar 2016 ein Jahr lang geleitet. Im Buch „Gestalten statt verwalten“ beschreibt er seine Erfahrungen, berichtet, was aus seiner Sicht in der Behörde falsch gelaufen ist und welche Bedingungen es braucht, damit Verwaltungen besser mit Krisen umgehen können. „Viele Behörden verstehen sich als Abarbeitungsmaschine für das Geschäft, das heute definiert ist. Sie ist nicht gleichzeitig eine Organisation, die über ihre eigene Zukunft nachdenkt. Das ist für mich das Kernproblem.“

Ideen, die er für das im August 2016 gegründete Landesamt für Flüchtlingsangelegenheit (LAF) entwickelt habe, seien nur zum Teil umgesetzt worden. „Wir hatten im Flüchtlingsbereich 60, 70 Projekte angeschoben.“ Mitarbeiter habe er dafür vom Tagesgeschäft entbunden. „Nach der Abspaltung des LAF ist das Tagesgeschäft wieder stärker in den Fokus gerückt. Es gab wieder andere Prioritäten, teilweise wurde auch wieder stärker zentralisiert und kontrolliert.“ Eine „kulturelle Veränderung“ der Arbeit in der Behörde sei ihm nicht gelungen.

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales machte 2015 und 2016 wegen chaotischer und teils menschenunwürdiger Zustände etwa bei der Terminvergabe für Flüchtlinge bundesweit Negativschlagzeilen. Behördenchef Franz Allert bot im Dezember 2015 seinen Rücktritt an. An seine Stelle rückte ab Januar als kommissarischer Leiter Sebastian Muschter, der zuvor bei McKinsey gearbeitet hatte. Muschter arbeitet heute für die Bertelsmann-Stiftung.

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