Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW zu ETF-Anlage

Veröffentlicht: 25. Januar 2018 | 12:31 Uhr
Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW zu ETF-Anlage

Düsseldorf (ots) – Sogenannte ETF gelten unter Anlage-Experten als besonders kostengünstige Empfehlung. Doch eine Stichprobe der Verbraucherzentrale bei zwölf Banken zeigt: Wer die Aktien-Fonds ins falsche Bank-Depot legt, riskiert dramatischen Kapitalverlust.

„Stecken Sie Ihr Geld in Aktien. Dazu kaufen Sie sich eine große Dosis Schlaftabletten. Nach vielen Jahren wachen Sie als reicher Mann auf.“ Getreu dieser Devise des legendären Börsengurus Andre Kostolany gedachte die Verbraucherzentrale NRW ihre Stichprobe zu planen.

Zwar ohne Pillen, dafür aber mit als besonders „kostengünstig“ gepriesenen sogenannten ETFs (Exchange Traded Funds). Das sind breit gestreute Aktienfonds, die es meist ohne Ausgabeaufschlag gibt. Die fondsinternen Verwaltungsgebühren sind niedrig, da keine Aktien aktiv ausgewählt werden, sondern lediglich ein Index wie der DAX oder der Euro Stoxx abgebildet wird. Obendrein sollten die ETFs gleich zehn Jahre im Depot von zwölf Banken ruhen.

Aufgewacht sind die Verbraucherschützer allerdings schon frühzeitig und mussten sich erstaunt die Augen reiben. Denn schnell war erkennbar: Statt Reichtum gab´s oftmals nur eins ganz sicher: fetten Verlust.

Der Grund: Wer in ETFs investieren will, braucht ein Wertpapierdepot und muss die Fondsanteile über die Börse kaufen. Durchgerechnet wurden im Verbraucherzentralen-Check zwei Szenarien bei zwölf Banken: Die Gesamtkosten für Anleger, die jeweils 1000 oder 10.000 Euro investieren und nach zehn Jahren ihre ETF-Anteile wieder verkaufen. Standen mehrere Depotvarianten bei einem Institut zur Auswahl, zählten die günstigeren Entgelte für die Online-Depotführung. Hochgerechnet wurden die aktuellen Order- und Depotgebühren auf zehn Jahre unter der Annahme, dass die Kostensätze nicht geändert werden.

Das Ergebnis: Preiswertester Anbieter in der 1.000-Euro-Kategorie war die Onvista-Bank. Fünf Euro Fixgebühr pro Order und kostenlose Depotführung ließen den Gebührenzähler beim Verkauf der Anteile nach zehn Jahren bei exakt zehn Euro stehen bleiben. Kundenfreundlich agierten auch die Deutsche-Bank-Tochter Maxblue mit 17,80 Euro sowie ING-DiBa mit 19,80 Euro.

Den Gebührenhammer schwang dagegen der S-Broker; das ist der vermeintlich kostengünstige Online-Ableger der Sparkassen. Hier wurde Anlegern, die das Prinzip „Kaufen und Halten“ befolgen, die Depotgebühr zum Verhängnis.

Denn wer nicht mindestens eine Transaktion pro Quartal durchführte oder ein Anlagevolumen von 10.000 Euro verwaltete, musste beim S-Broker alle drei Monate 11,97 Euro als Depotgebühr berappen. Das ließ bei neun Jahren und drei Quartalen ohne Transaktion die Gesamtkosten auf horrende 484,81 Euro steigen. Damit fraßen die Gebühren fast die Hälfte des Kapitals von 1.000 Euro auf.

Immerhin: Besser lief`s für S-Broker-Kunden bei der 10.000-Euro-Anlage, für die insgesamt lediglich 59,98 Euro fällig wurde. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Wert der ETF-Anteile konstant über der kritischen Marke von 10.000 Euro blieb.

Vorne lag beim größeren Depot erneut die Onvista-Bank mit ihrem einfachen Preismodell, das die Nebenkosten bei lediglich zehn Euro beließ. Mit jeweils 50 Euro belegten Maxblue und ING-DiBa gemeinsam den dritten Rang.

Mau sah es bei den Filialbanken aus, die durchweg mit hohe Kosten daher kamen. Über 14 mal teurer gegenüber Onvista war das 1000-Euro-Depot bei den zwei günstigsten: der Sparkasse Gelsenkirchen (143,10 Euro) und der Dortmunder Volksbank (147 Euro). Beim 10.000-Euro-Depot wiederum führten die Postbank (228 Euro) und die Commerzbank (248,85 Euro) das Feld der Filialbanken an.

Kurios: Bei der Commerzbank fielen beim DirektDepot geringere Kosten an als bei ihrer Direktbanktochter Comdirect. Und beim 1000-Euro-Investment waren die Stadtsparkassen Düsseldorf und Gelsenkirchen um weit mehr als die Hälfte billiger als der verbundeigene S-Broker.

Tipp der Verbraucherzentrale: Wer langfristig anlegt, sollte tunlichst auf die jährlichen Depotgebühren achten – denn die können sich vor allem bei kleineren Anlagesummen nicht nur als Renditekiller erweisen, sondern sogar als Kapitalvernichter. Kostenlose Depotführung ohne Haken und Ösen hatten in der Stichprobe ING-DiBa, Maxblue und Onvista-Bank zu bieten.

Quellenangaben

Textquelle:Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V., übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/121716/3849584
Newsroom:Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V.
Pressekontakt:Georg Tryba
0211/3809-108
georg.tryba@verbraucherzentrale.nrw

Das könnte Sie auch interessieren:

KfW Research: Mittelstand schöpft Digitalisierungspotential nicht aus Frankfurt am Main (ots) - - Gesamtes Investment bei lediglich 14 Mrd. EUR jährlich - Nur jede vierte Firma mit abgeschlossenen Digitalisierungsprojekten - Kleine Unternehmen sind besonders zaghaft - Wissensbasierte Dienstleister und FuE-intensives Verarbeitendes Gewerbe sind Vorreiter Der Anteil der 3,71 Millionen Mittelständler in Deutschland, der in den zurückliegenden drei Jahren (2014-2016) erfolgreich Digitalisierungsprojekte abgeschlossen hat, ist überschaubar: Nur jedes vierte kleine und mittlere Unternehmen (26 %) hat nach einer aktuellen Analyse von KfW Research in den Einsatz neue...
Lidl „Select & Go“ – erweiterter To-go-Bereich mit neuer Platzierung … Neckarsulm (ots) - Bessere Orientierung und Sichtbarkeit: Gebündelter To-go-Bereich im Kühlregal - Lidl-Versprechen auch bei verzehrfertigen Produkten: Frische, Qualität, Vielfalt und ein attraktives Angebot - zu gewohnt günstigen Preisen - Erweitertes Sortiment: Bis zu 20 neue To-go-Produkte, insgesamt rund 60 Produkte Unkompliziert zwischendurch genießen: To-go-Produkte liegen im Trend und sind bei Verbrauchern nicht nur in Großstädten beliebt. Lidl Deutschland greift diesen Kundenwunsch auf und erweitert seinen To-go-Bereich: Ab April präsentiert der Lebensmittelhändler das neue Angebot geb...
Frauen und Finanzen: forsa-Studie lässt sie beim Thema Geld glänzen Frankfurt am Main (ots) - Frauen haben ein besseres "Händchen fürs Finanzielle" als Männer. Allerdings kommen sie bei Geldverhandlungen eher ins Schwitzen. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage von forsa im Auftrag von RaboDirect. Gibt es einen Unterschied zwischen Mann und Frau, wenn es darum geht, wer besser mit Geld haushalten kann? Für knapp die Hälfte der Deutschen (45 %) steht die Antwort fest: Ja, sicher! Und fast zwei Drittel von ihnen (64 %) sieht die Frauen klar vorn. Nur ein Drittel (36 %) hält die Männer hier für fähiger. Laut der repräsentativen forsa-Studie, für die run...

Über den Autor presseportal.de

Die große Online-Datenbank für Presseinformationen in Text, Bild, Audio und Video. Ein Service von news aktuell aus der dpa-Firmengruppe.

0 votes, average: 0,00 out of 50 votes, average: 0,00 out of 50 votes, average: 0,00 out of 50 votes, average: 0,00 out of 50 votes, average: 0,00 out of 5