Die Deutschen und ihre seltsame Angst vor der Altersvorsorge

Veröffentlicht: 12. April 2018 | 9:54 Uhr
Die Deutschen und ihre seltsame Angst vor der Altersvorsorge

Die Mehrzahl der Deutschen hat keine Angst vor dem Alter, aber Angst vor einer vernünftigen Altersvorsorge. Zwar ist es den meisten Deutschen bewusst, dass die aktuelle Rente für ein Leben im Alter nicht reicht, aber sie legen entweder nur sehr wenig oder gar nichts auf die hohe Kante. Das Problem der Deutschen, die Angst vor der Altersvorsorge existiert schon etwas länger. Nach wie vor scheuen die meisten Bürger in finanziellen Dingen das Risiko oder sie setzen beim Sparen auf Möglichkeiten, die nur eine minimale Rendite bringen.

Richtig erkannt und falsch umgesetzt

Das Max-Planck-Institut in Berlin hat im Auftrag der Ergo-Versicherung das Sparverhalten der Deutschen untersucht und dabei Erstaunliches erfahren: Die Deutschen wissen sehr genau, was sie beim Sparen für das Alter alles falsch machen, aber sie sind nicht bereit, ihre Angewohnheiten zu ändern. Sie sparen vielmehr weiterhin auf die klassische Art und Weise, sehr konservativ und daher auch nur mit einer winzigen Rendite. Das Wissen um die nicht vorhandenen Zinsen für das Geld auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto ist da, aber auch die Angst vor anderen Geldanlagemöglichkeiten für die Altersvorsorge. Dass der Dax in den vergangenen Tagen einen ordentlichen Rutsch nach unten gemacht hat, scheint das Misstrauen und die Angst der deutschen Sparer noch weiter erhöht zu haben.

Kein Risiko eingehen

Die Entwicklung an den Börsen sehen die meisten Deutschen, die für ihr Leben im Alter vorsorgen wollen, mit großer Skepsis. Sie haben laut Max-Planck-Institut große Angst vor einem erneuten Crash der Banken und noch größere Angst, dann ihr Geld zu verlieren. Diese Angst ist um einiges größer als die Angst vor der Armut im Alter. Zudem misstrauen die meisten Deutschen den Banken zutiefst und sie sind daher auch nicht bereit, den Banken ihr Geld anzuvertrauen. Bankberater haben einen denkbar schlechten Ruf und stehen bei vielen auf einer Stufe mit Betrügern und Dieben. Jeder sechste Deutsche sorgt aus diesem Grund überhaupt nicht für sein Alter vor, denn es überwiegt die Angst, von der Bank betrogen zu werden.

Es muss viel gespart werden

Von den Jahrgängen, die jetzt oder in zwei, drei Jahren in Rente gehen, können viele noch von der gesetzlichen Rente leben. Das wird sich allerdings sehr bald ändern, und zwar, wenn die sogenannten Babyboomer, also die geburtenstarken Jahrgänge im rentenfähigen Alter sind. Dann wird es eng für diejenigen, die sich nicht um die private Altersvorsorge gekümmert haben. Viele, die heute 30 Jahre alt sind, müssten jetzt damit beginnen, jeden Monat mindestens 334,- Euro auf die hohe Kante zu legen. Nur wenn diese Summe bis zum Eintritt ins Rentenalter gespart wird, dann kann die Rente um eine Summe zwischen 1000 und 1500 Euro erhöht werden. Sollte jedoch die Rendite des Ersparten bis auf zwei Prozent über der Inflationsrate liegen, dann sinkt die Sparrate auf nur noch 185,- Euro im Monat. Daher ist es sehr wichtig, das passende Sparprodukt für die Altersvorsorge zu finden.

Die milliardenschweren und gefährlichen Pläne der GroKo

Noch steht die neue Bundesregierung nicht, aber eines steht jetzt schon fest: Die Beschlüsse der GroKo bedeuten eine milliardenschwere Belastung für alle, die Rentenbeiträge und Steuern zahlen. Bis 2025 soll das Rentenniveau bei mindestens 48 Prozent gehalten werden, aber der Beitragssatz soll dabei nicht über 20 Prozent steigen. Das ist kaum möglich, denn wenn das so realisiert wird, dann muss der Bund spätestens 2026 die vom Bund gezahlte gesetzliche Rente mit weiteren 3,8 Milliarden unterstützen. In den darauf folgenden Jahren klettern dann die staatlichen Zuschüsse immer weiter an. 2030 sind es bereits knapp 30 Milliarden an Steuergeldern, die zusätzlich in die Rente fließen. Zusätzliche Kosten wie zum Beispiel die Mütterrente sind in dieser Rechnung noch gar nicht berücksichtigt. Die Schieflage ist da und lässt sich auch nicht mehr schönreden. Viele, die heute jung sind und sich keine Sorgen um das Leben im Alter machen, sollten sich mit den Rentenplänen der Regierung befassen. Dann ist sehr schnell klar, wie dringend notwendig eine gute private Altersvorsorge ist.

Noch ist das Vertrauen da

Selbst wenn bekannt ist, wie wenig sich die aktuelle Regierung um die gesetzliche Rente kümmert, die Deutschen haben das Vertrauen in den Staat (noch) nicht verloren. Viele wünschen sich jedoch schärfere Gesetze, zum Beispiel im Hinblick auf die vielfach dubiosen Geschäfte der Banken. Die staatliche Vorsorge könnte ebenfalls größer sein und was in diesem Zusammenhang verwundert, auch der Ruf nach mehr Polizei ist laut. Die überwiegende Mehrzahl der Deutschen hat den Wunsch, dass die staatliche Altersvorsorge endlich gelingt. Aber sie wissen gleichzeitig auch, dass die Rente im Alter nie ausreichen wird. Trotzdem landet das Geld, was übrig ist, nach wie vor auf dem Sparbuch oder auf dem Tagesgeldkonto, wohl wissend, dass die Zinsen nach dem Willen der Europäischen Zentralbank nicht mehr existieren.

Wenig Vertrauen und keine Ahnung

Dass die Deutschen wenig Vertrauen in die Banken haben, ist vielleicht noch verständlich im Hinblick auf die negativen Schlagzeilen, die die Banken ständig produzieren. Was allerdings weniger verständlich ist, ist die Tatsache, dass kaum jemand bereit ist, sich über die diversen Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge zu informieren. Wie funktioniert der Handel mit Aktien und was bringt es zum Beispiel, in Bundesschatzbriefe zu investieren? Es gibt sehr viele attraktive Sparideen, aber das Interesse daran ist in Deutschland nicht sonderlich ausgeprägt. Selbst dann, wenn das Vertrauen in den Bankberater vorhanden ist, ein Aktiendepot zu eröffnen, kommt nur für sehr wenige Deutsche infrage. Sie verlassen sich lieber weiterhin auf das klassische Sparbuch und auf das Tagesgeldkonto, bekommen keine Zinsen und sind trotzdem zufrieden.

Fazit

Es sind nur wenige Deutsche, die ohne Sorgen in die Zukunft sehen, wenn es um die Rente geht. Sehr viele Deutsche müssen sich Sorgen machen, denn ihre Rente wird nicht reichen, um ein unbeschwertes Leben zu führen. Wer heute clever ist und das Geld, das zum Sparen gedacht ist, als Altersvorsorge richtig anlegt, der wird im Rentenalter nicht zum Sozialfall. Die Angst vor der Geldanlage ist vielfach unbegründet, trotzdem ist es ratsam, eine gewisse Vorsicht walten zu lassen. Die klassischen Geldanlagen sind vielleicht sicher, aber sie tragen nichts mehr dazu bei, das Geld zu vermehren.

Bild: @ depositphotos.com / Marcus_Hofmann

Ulrike Dietz

Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.