Fünf Jahre nach Rana Plaza: Unternehmen müssen neuem Abkommen für …

Veröffentlicht: 23. April 2018 | 11:17 Uhr
Fünf Jahre nach Rana Plaza: Unternehmen müssen neuem Abkommen für …

Berlin (ots) – Morgen jährt sich der Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudekomplexes in Bangladesch mit 1.138 Toten und über 2.000 Verletzten zum fünften Mal. Das Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch (ACCORD) läuft aus. Das entwicklungspolitische INKOTA-netzwerk fordert mit der Clean Clothes Campaign (CCC) und den Gewerkschaften aus diesem Anlass die weiterführende Verlängerung des Abkommens. Außerdem solle die Bundesregierung ihre gesetzgeberischen Möglichkeiten ausschöpfen, um Unternehmen zur menschenrechtlichen Sorgfalt und Haftung zu verpflichten. Auch eine gesetzliche Unfallversicherung in Ländern wie Bangladesch und ein funktionierendes und schnelles Entschädigungsverfahren für Opfer müssten etabliert werden.

„Der Bangladesh Accord von 2013 hat mit gründlichen Inspektionen, technischen Verbesserungen und Trainings der Arbeiterinnen und Arbeiter die Textilfabriken in Bangladesch um einiges sicherer gemacht“, erklärt Berndt Hinzmann, CCC-Fachreferent bei INKOTA. Schon deshalb sei eine Verlängerung des Abkommens sinnvoll und notwendig. „Perspektivisch darf es aber nicht allein der Freiwilligkeit überlassen bleiben, ob ein wirkungsvolles Abkommen weitergeführt wird oder nicht“, so Hinzmann weiter. „Die Politik und somit die Bundesregierung müssen dringend verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen. Wir erinnern uns gerne: Neben dem öffentlichen Protest waren es klare politische Positionen der Europäischen Kommission, die das verbindliche Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch auf den Weg gebracht haben. Politik kann und muss die Rahmenbedingungen zugunsten der Menschenrechte bei der Arbeit gestalten.“

Im Folgeabkommen des ACCORDs werden weitere wichtige Themen aufgenommen. Dazu gehören die bessere Einbeziehung der Gewerkschaften, ein verbessertes Beschwerdesystem sowie die Etablierung von Sicherheitskomitees und Trainings in allen Fabriken. „Dies sind zentrale Elemente, wenn es um strukturelle Verbesserungen innerhalb globaler Lieferketten geht und entspricht dem Ansatz der Risikovermeidung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“, so Hinzmann. Außerdem solle eine nationale, öffentliche Institution für Gebäudesicherheit und eine gesetzliche betriebliche Unfallversicherung für Beschäftigte etabliert werden. Nicht nur in Bangladesch sondern auch in anderen Ländern sind solche Sicherungssysteme dringend notwendig, um Opfern schnell helfen zu können.

Mit dem ACCORD, den Entschädigungszahlungen und dem Bündnis für nachhaltige Textilien wurden laut Hinzmann wichtige Schritte unternommen, um auf die Katastrophe und die Missstände zu reagieren. Doch weiterhin mangele es an angemessenen Lösungen, um schnell und wirksam handeln zu können, wenn Menschen- und Arbeitsrechte verletzt werden. Die Bundesregierung müsse dazu beitragen, dass Sorgfalts- und Haftungspflichten global gelten und angewendet werden.

„Die Opfer von Rana Plaza, Ali Enterprises,Tazreen und den vielen weniger bekannten Fällen sollten uns eine Mahnung sein: Erst kommt das Leben, dann das Geschäft! Auch bei der Weiterentwicklung des Nationalen Aktionsplans für Menschenrechte der Bundesregierung, die derzeit stattfindet, muss deshalb menschenrechtliche Verpflichtung besser definiert und Fehlverhalten sanktioniert werden.“

Quellenangaben

Textquelle:INKOTA-netzwerk e.V., übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/70663/3923971
Newsroom:INKOTA-netzwerk e.V.
Pressekontakt:Berndt Hinzmann
INKOTA-netzwerk
Mobil: 0160-94 69 87 70
E-Mail:
hinzmann@inkota.de

Das könnte Sie auch interessieren:

Weltkakaokonferenz: Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert Debatte … Berlin (ots) - Obwohl Schokoladenunternehmen seit Jahren mehr Nachhaltigkeit versprechen, sind Armut und Kinderarbeit im Kakaoanbau noch immer an der Tagesordnung. Dies kritisiert ein zivilgesellschaftliches Bündnis bei einer Protest-Demonstration mit über 100 Kindern, AktivistInnen und einer menschengroßen Schokoladentafel anlässlich der 4. Weltkakaokonferenz. Das Bündnis fordert einen Paradigmenwechsel in der Kakaopolitik. Um die Armut der Bauern und Bäuerinnen zu beenden und Kinderarbeit zu stoppen, müssen Politik und Unternehmen auch höhere Preise für Kakao garantieren. Laut neuem Kakaobar...
Arbeitslosenversicherung stärken: Paritätischer begrüßt Pläne von … Berlin (ots) - Als wichtigen Schritt, die Arbeitslosenversicherung wieder funktionsfähig zu machen und den heutigen Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt anzupassen, begrüßt der Paritätische Wohlfahrtsverband die Reformpläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Durch die angekündigte Verlängerung der Rahmenfrist sowie die Absenkung der Mindestversicherungszeit würden insbesondere Beschäftigte an den prekären Rändern des Arbeitsmarkts vor dem sofortigen Sturz in Hartz IV bewahrt. Neben der Stärkung der Arbeitslosenversicherung sei jedoch eine grundlegende Neuausrichtung der Grundsicherung für ...
Kolumbien: Friedensaktivistin spurlos verschwunden Freiburg (ots) - Caritas international und Deutsche Botschaft in großer Sorge um Projektpartnerin - Appell an kolumbianische Politik und Justiz Die Serie von Verbrechen gegen Friedensaktivistinnen und -aktivisten in Kolumbien hält an: Eine Teilnehmerin eines gemeinsamen Projektes von Deutscher Botschaft, Europäischer Union und Caritas international im Südwesten Kolumbiens ist spurlos verschwunden. Die 36-Jährige aus der Provinz Putumayo, die sich in einem Verein für Gewaltopfer engagierte, war zuletzt von einer paramilitärischen Gruppierung bedroht worden, weshalb von einem Kapitalverbrechen a...

Über den Autor presseportal.de

Die große Online-Datenbank für Presseinformationen in Text, Bild, Audio und Video. Ein Service von news aktuell aus der dpa-Firmengruppe.