Wohnraummangel birgt Sprengstoff – Leitartikel zu Wohnungsnot

Veröffentlicht: 7. Mai 2018 | 21:21 Uhr
Wohnraummangel birgt Sprengstoff – Leitartikel zu Wohnungsnot

Ravensburg (ots) – In Stuttgart gibt es wieder Hausbesetzer, zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt sind dort Ende April nach einer Demonstration gegen hohe Mietpreise zwei leer stehende Wohnungen okkupiert worden. In Freiburg ist der langjährige Oberbürgermeister von einem Nobody aus dem Amt verdrängt worden, der Herausforderer hat die Schaffung von sozialem Wohnraum zu einem seiner Kernthemen im Wahlkampf gemacht. Und landauf, landab suchen Kommunen händeringend Wohnraum für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen, was angesichts der Wohnraumknappheit die Gefahr mit sich bringt, dass die Neuankömmlinge und alteingesessene Bürger von interessierten Kreisen gegeneinander ausgespielt werden.

Keine Frage, der Wohnraummangel birgt Sprengstoff. Auch, weil die Politik sich jahrelang aus dem sozialen Wohnungsbau zurückgezogen, Immobilien an private Investoren verkauft und sich so selbst des Einflusses beraubt hat. Das war ein Fehler, diese Erkenntnis hat sich mittlerweile durchgesetzt. Die Spitzen der gerade erst geschmiedeten Koalition nehmen die im Koalitionsvertrag getroffenen Vereinbarungen nun schnell auf die Tagesordnung, und das ist gut so.

Dabei ist jede Maßnahme für mehr bezahlbaren Wohnraum willkommen – wenn sie denn wirkt. Beim Baukindergeld ist die Koalition aber noch eine Antwort auf die Frage schuldig, wie sie verhindern will, dass das Geld letztlich bei den Bauunternehmen hängen bleibt, die die Preise entsprechend erhöhen. Studien zufolge könnte das Baukindergeld die Nachfrage nach Bauplätzen weiter in ländlichere und bislang günstigere Regionen verlagern. In Regionen wie in Oberschwaben und dem Allgäu wäre ein Haus auf dem Land für die jungen Familien, die von dem Baukindergeld profitieren, wohl tatsächlich ein Schritt hin zu einer soliden Altersvorsorge – und das ist ja auch ein Ziel dieser Förderung. In weniger wohlsituierten Regionen, etwa in Teilen Ostdeutschlands, wo Immobilienpreise langfristig allenfalls stagnieren, geht diese Rechnung aber nicht in gleicher Weise auf.

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