Warum EU-Abgeordnete Edeka und Rewe verbieten möchten

Veröffentlicht: 15. Oktober 2018 | 20:26 Uhr
Warum EU-Abgeordnete Edeka und Rewe verbieten möchten

Wenn die Mitglieder es EU-Parlaments in Brüssel anfangen, zu überlegen, kommt dabei selten etwas Verbraucherfreundliches heraus. So auch beim Versuch, die Bauern in Europa besser zu schützen. Damit das geschieht, haben die Parlamentarier gleich eine ganze Liste von Vorschlägen vorgelegt. Eine dieser Ideen sorgt jetzt für sehr große Unruhe im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland. Diese Idee bedeutet das Ende von Edeka und Rewe.

Zu viel des Guten

Nicht alles, was gut gemeint ist, das ist auch gut gemacht. Diese Erfahrung musste jetzt sogar das EU-Parlament machen. Mit dem Vorschlag, die Bauern besser schützen zu wollen, sind die Abgeordneten weit über das Ziel hinausgeschossen. In der Richtlinienvorlage ist ein Verbot des Zusammenschlusses von Groß- und Einzelhandel in sogenannten Einkaufsgemeinschaften vorgesehen. Edeka und Rewe müssten dann alle ihre Filialen schließen, auch die vielen genossenschaftlich organisierten Bäckereien müssten ihre Türen schließen. Sie alle sind dann vom Verbot der EU betroffen. Das, was ursprünglich als Schutz für die Bauern gedacht war, verbietet den von den Genossenschaften organisierten Handel mit Lebensmitteln.

Die Kaufleute haben den Schaden

Die Supermärkte treten zwar unter dem jeweiligen Dachverband Rewe und Edeka auf, sie stehen jedoch nicht unter einer zentralen Führung. Jede Filiale wird von einem Kaufmann geführt, der das Sortiment bestimmt und mit den Lieferanten aus der Umgebung verhandelt. Die Zentrale liefert lediglich die Standardartikel und die Waren der Eigenmarken. Für die Preise ist in diesem Fall die Zentrale zuständig. Wenn die EU die Genossenschaften tatsächlich verbietet, bleibt den Kaufleuten in den Filialen nichts anderes übrig, als alles mit den Lieferanten auszuhandeln. Das Ergebnis sind in dem Fall hohe Preise, da die Händler den Lieferanten nur kleine Mengen abnehmen können.

Der Handel ist entsetzt

Die Idee, die Bauern in Europa auf Kosten der genossenschaftlichen Händler zu schützen, kam vom bayrischen Abgeordneten Albert Deß von der CSU sowie den CDU Abgeordneten Peter Jahr, Norbert Lins und Jens Gieseke. Sie möchten, dass die kleinen Bauern in Europa besser vor den großen Handelskonzernen geschützt sind. So soll es unter anderem auch die Möglichkeit einer Last-Minute-Stornierung bei schnell verderbenden Lebensmitteln nicht mehr geben. Ebenfalls auf der Liste der Dinge, die die Abgeordneten verbieten möchten, sind deutlich verspätete Zahlungen zu finden, die nicht mehr erlaubt sind. Der Handel in Deutschland reagiert entsetzt auf die Vorschläge aus Brüssel. Der Präsident des Handelsverbandes Deutschland HDE sieht in diesem Vorschlag einen „Generalangriff auf den mittelständischen Lebensmittelhandel“.

Noch besteht Hoffnung für Rewe und Edeka, denn die Richtlinie ist noch nicht verabschiedet. Sie dient zunächst der Europäischen Kommission, dem EU-Parlament und dem Rat der Europäischen Union als eine Art Diskussionsgrundlage. Wenn aber im Plenum des Europaparlaments nicht gleich mehrere Abgeordnete dem Entwurf widersprechen, kommt es tatsächlich zu Verhandlungen mit den einzelnen EU-Staaten. Wie die endgültige Version des Gesetzes letztendlich aussieht, müssen dann die Länder aushandeln. Das Büro des Abgeordneten Deß rudert hingegen schon wieder zurück. Er ließ ausrichten, ihm ginge es nur um die internationalen Zusammenschlüsse wie „AgeCore“, eine Gemeinschaft, der neben Edeka auch Coop in der Schweiz und „Intermarché“ aus Frankreich angehören. Dieses Bündnis macht immer wieder durch Handelskriege unter anderem gegen Nestlé von sich reden.

Bild: @ depositphotos.com / huettenhoelscher

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.
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