Erreicht der Mietwahnsinn jetzt auch die Provinz?

Veröffentlicht: 29. Oktober 2018 | 9:16 Uhr
Erreicht der Mietwahnsinn jetzt auch die Provinz?

In den großen Städten ist es für Normalverdiener aktuell kaum noch möglich, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Ein Paar, das zusammen 1300 Euro verdient und 700,- Euro für die Miete bezahlt, hat zum Leben weniger Geld zur Verfügung, als ein Hartz-IV-Empfänger. Immer mehr Menschen suchen sich daher eine Wohnung im Umland der deutschen Metropolen. Jetzt gibt es eine neue interessante Studie, die zeigt, dass in absehbarer Zeit die günstigen Wohnungen auch auf dem Land langsam knapp werden.

Die Mieten steigen deutlich an

Da das Wohnen in großen Städten wie Hamburg, München, Frankfurt oder Köln für immer mehr Menschen teurer wird, ziehen vor allem Familien die Konsequenzen. Sie suchen sich in den kleinen Städten abseits der Ballungsräume eine Wohnung oder ein Haus zur Miete. Dort zeigt sich jetzt, wie sehr die Nachfrage den Preis bestimmt, denn je mehr Nachfrage es gibt, umso schneller steigen die Mieten. Eine Statistik des Immobilienverbands macht deutlich, wie sehr die Preise steigen. Vor allem in den kleineren Orten mit weniger als 50.000 Einwohnern stiegen die Mieten im dritten Quartal des Jahres 2017 sprunghaft in die Höhe. In Städten, die zwischen 20.000 und 50.000 Einwohner haben, gab es einen Anstieg der Mieten um sieben Prozent. In den kleinen Gemeinden mit einer Einwohnerzahl zwischen 10.000 und 20.000 sind die Mieten sogar um mehr als zehn Prozent gestiegen.

Luxus kann sich kaum noch jemand leisten

Luxuswohnungen und Wohnungen in einem gehobenen Preissegment kann sich in den großen Städten kaum noch jemand leisten. Deshalb weichen viele Gutverdienende bei Wohnungen auf das mittlere Preissegment aus. Zunehmend beliebt sind auch die Kleinstädte rund um die großen Städte. Teure Wohnungen gibt es mittlerweile mehr als genug, was aber fehlt, sind bezahlbare Wohnungen. Diese gibt es zwar noch, aber es dauert nicht mehr allzu lange und dann werden auch diese Wohnungen knapp. Ziehen diejenigen, die gut verdienen, mehr und mehr in die kleinen Städte, bestimmen sie auch dort die Preise, die schon jetzt steigen.

Die Politik ist gefragt

Mehr Land als Bauland ausweisen und schnellere Planungsprozesse – die Politik ist gefordert, diese Forderungen so schnell wie möglich in die Tat umzusetzen. Handlungsbedarf besteht außerdem bei den bebaubaren Flächen vor allem in den großen Städten. Viele der Grundstücke sind durch Altlasten vergiftet oder haben zum Teil kontaminierte Böden. Besonders in den Hafenstädten wie Hamburg oder Bremen sind frühere Industriegrundstücke oder Brachland zu finden, die seit der Nachkriegszeit nicht angetastet wurden. Geschätzt gibt es 260.000 dieser Grundstücke in ganz Deutschland. Um daraus Bauland zu machen, braucht jedes Grundstück eine komplette Sanierung, die jedoch viel Geld kostet.

Förderprogramme, um aus Problemgrundstücken Bauland zu machen, ein schnelleres Vorgehen bei der Bauplanung und die Spekulanten daran hindern, mit Grundstücken viel Geld zu verdienen. Das alles ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Maßnahmenkatalog, mit dem die Politik in Bund und Ländern arbeiten muss. Mit der sinnlosen Mietpreisbremse ist es leider nicht getan. Diese Maßnahme hilft niemandem, eine bezahlbare Wohnung zu finden, sie sorgt höchstens dafür, dass sich noch mehr Menschen Sorgen machen, ob sie morgen ihre Wohnung überhaupt noch bezahlen können.

Bild: @ depositphotos.com / AndreyPopov

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.
Ulrike Dietz
1 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 5