Finnland und das Grundeinkommen – eine große Enttäuschung

Veröffentlicht: 11. Februar 2019 | 9:03 Uhr
Finnland und das Grundeinkommen – eine große Enttäuschung

Vor zwei Jahren startete in Finnland ein ganz besonderes Experiment: Die Finnen führten das bedingungslose Grundeinkommen ein. Das Land wollte testen, was passiert, wenn man die Bürger nicht mehr zwingt, einer Arbeit nachzugehen, stattdessen sollten sie ein Grundeinkommen erhalten. Das Experiment ist nun beendet und die ersten Ergebnisse liegen vor. Eine Bilanz lässt sich aber jetzt schon ziehen und diese ist mehr als ernüchternd, sie ist über alle Maßen enttäuschend.

Eine politische Diskussion

Als die Finnen sich für das Experiment Grundeinkommen entschieden, sorgte das weltweit für Gesprächsstoff. Auch im Land selbst kam es zu einer teils hitzigen politischen Diskussion. Von Anfang an gab es immer wieder einen Wechsel bei der Strategie, viele Rückschläge und nicht zuletzt auch große Enttäuschungen. Das mag daran gelegen haben, dass zwischen der genauen Ausarbeitung der ursprünglichen Pläne und dem Start des Grundeinkommens ein Regierungswechsel lag. Die aktuelle Regierung hat das Projekt kräftig gekürztund stark verändert. Trotzdem fanden es die Menschen in Finnland faszinierend, mitzuerleben, was mit einer Gesellschaft passiert, in der jeder bedingungslos Geld bekommt. Niemand muss mehr arbeiten, wenn er nicht möchte und jeder kann sich Wünsche erfüllen, ohne sich zu rechtfertigen. Die neue liberal-konservative Regierung veränderte die eigentlichen Ziele des Projekts: Grundeinkommen ja, aber keine gesellschaftlichen Utopien. Die Regierung wollte genau das Gegenteil.

Das Los der Arbeitslosen

Mit der Hilfe von Wissenschaftlern wollte die finnische Regierung jetzt herausfinden, wie es gelingen kann, Arbeitslose dazu zu bringen, auch Jobs anzunehmen, die schlecht bezahlt sind. Mit diesen schlecht bezahlten Teilzeitstellen sollten die arbeitslosen Bürger die Chance bekommen, ihre Sozialleistungen aufzustocken. Die Teilnehmer an dem Sozialprojekt wurden per Los ermittelt, infrage kamen diejenigen, die seit 2016 in Finnland arbeitslos gemeldet waren. Erste Zweifel kamen auf, denn von einem bedingungslosen Grundeinkommen konnte keine Rede mehr sein. Trotzdem handelte es sich um ein Ausnahmeprojekt, denn 2000 Arbeitslosen zahlte der Staat zwei Jahre lang 560,- Euro. So hoch ist in Finnland der Sozialhilfesatz. Der Unterschied zu regulären Sozialhilfeempfängern bestand darin, dass der Staat die 560,- Euro nicht anrechnete, wenn die Teilnehmer einen Job fanden.

Die Zeit war zu kurz

Nachdem die neue Regierung das Sozialexperiment bis zur Unkenntlichkeit verändert hatte, dauerte es kein Jahr und die Sozialverwaltung erklärte für alle überraschend, das Aus des Projekts. Der Chef der Behörde zeigte sich sehr enttäuscht. Wenn das Experiment wie geplant durchgeführt worden wäre, hätte es für die Gesellschaft einen großen Mehrwert gehabt. Die Daten, die die Finnen jetzt vorlegten, sind mehr als er ernüchternd. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich nicht verändert und es ist für die Menschen noch genauso schwer, einen Job zu finden, wie bei Beginn des Projekts. Wie die Zahlen genau aussehen, bleibt abzuwarten, denn die Zeit war einfach zu kurz.

Weltweit ist das Experiment des bedingungslosen Grundeinkommens in Finnland sehr interessiert aufgenommen worden. Die einzige positive Veränderung, die beim Projekt Grundeinkommen zu verzeichnen ist: Die Bezieher des Einkommens hatten ein hohes Vertrauen in die Politik, ihre Mitmenschen und die Gesellschaft. Fest steht jedoch, dass die Finnen ihr Experiment rund um das bedingungslose Grundeinkommen nicht wiederholen oder ausdehnen möchten.

Bild: @ depositphotos.com / alexeynovikov

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.
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