Sollzins und Effektivzins

Veröffentlicht: 8. Juli 2015 | 18:56 Uhr
Sollzins und Effektivzins

Sollzins und Effektivzins – welcher ist bei einem Kredit aussagekräftiger?

Wer sich zur Finanzierung seines Traumhauses oder des neuen Autos einen Kredit nimmt, der ist bei den Angaben mit den Begriffen Sollzins und Effektivzins konfrontiert. Doch was bedeuten diese eigentlich und welcher der beiden ist der aussagekräftigere? Welcher macht einen Kredit günstig oder teuer? Diesen Fragen wurde im folgenden Text nachgegangen.

 

Der Sollzins bezeichnet die reine Darlehensverzinsung

In Deutschland ist es in den Kreditinstituten mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben, bei Darlehensangeboten neben dem Sollzins auch den Effektivzins anzugeben. Dieser wird oft auch als effektiver Jahreszins oder als Jahreseffektivzinssatz bezeichnet. Im Rahmen der Novellierung der Verbraucherkreditrichtlinien im Juni 2010 wurde der Begriff Nominalzins durch Sollzins ersetzt. Dieser steht für die reine Darlehensverzinsung, zu der keine weiteren Faktoren wie Vermittlungsprovision oder Kosten für einige Zahlungsweisen kommen. Ausschlaggebend ist der Sollzins damit für die exakte Berechung der einzelnen Kreditraten, die vom Darlehensgeber an den Darlehensnehmer verrechnet werden. Wie hoch der Sollzins ausfällt, hängt von individuellen Faktoren ab. Eine Orientierukng liefert der Leitzins der Nationalbanken bzw. der Europäischen Zentralbank. Steigt dieser, so berechnen die Kreditinstitute meist auch höhere Sollzinsen für Finanzierungen. Die Höhe kann aber auch vom Verwendungszweck des Kredites bzw. von der Bonität des Kreditnehmers abhängig sein. Bleibt der Zinssatz über die gesamte Laufzeit des Kredites gleich, spricht man von einem gebundenen Sollzins.

 

Der Effektivzins bezeichnet die Gesamtkosten des Darlehens

Ist vom Effektivzins die Rede, meint ein Finanzinstitut damit die jährlichen Gesamtkosten, die auf den Kreditnehmer bei Inanspruchnahme eines Darlehens zukommen. Wie dieser Zinssatz exakt berechnet wird, ist in den Verbraucherkreditlinien der EU genau festgelegt. Damit der Verbraucher eine exakte Übersicht und eine Vergleichbarkeit der einzelnen Kredite zur Verfügung hat, wurde die verpflichtende Angabe des Effektivzinssatzes eingeführt. Nur so hat man nämlich den genauen Überblick, wie hoch die tatsächlichen Kreditkosten nämlich sind. Der Effektivzins enthält neben dem Sollzins weitere Kostenfaktoren wie etwa Vermittlungskosten der Bank oder individuelle Bearbeitungsgebühren.

Wer ein Darlehen in Anspruch nimmt, bei dessen Abschluss die endgültigen Konditionen für die gesamte Laufzeit noch nicht festgelegt sind, spricht man von einem anfänglichen Effektivzinssatz. Dieser kann sich im Verlauf der Jahre – zum Beispiel durch variable Zinssätze – noch entsprechend ändern. Wichtig zu wissen ist, dass auch der Effektivzins nicht alle Kosten eines Kredites umfasst. Weitere Faktoren sind noch die Kosten für eine Restschuldversicherung oder aber individuelle Kontoführungsgebühren und eventuelle Kosten für eine gestattete Sondertilgung. Auch Schätzkosten und Bereitstellungszinsen werden meist in die Berechnung des Effektzinssatzes nicht includiert. Bei einer Baufinanzierung können noch Bereitstellungs- und Bauzeitzinsen anfallen, während bei einem Ratenkredit dem Konsumenten oft noch eine Restschuldversicherung empfohlen und verkauft wird.

Wie hoch der Effektivzinssatz im Endeffekt ausfällt, hängt unter anderem vom Sollzins ab. Auch durch die Höhe der Tilgung, der Zinsfestschreibungsdauer sowie dem Auszahlungskurs wird dieser Bestandteil einer Zinsberechnung in letzter Konsequenz genau definiert. Letztgenannter beeinflusst etwa einen Disagio, der beim Zinssatz in Anspruch genommen wurde.

Auf die Zinsfestschreibungsdauer achten

Grundsätzlich soll der effektive Jahreszins gewährleisten, dass unterschiedliche Kreditangebote hinsichtlich der anfallenden Gesamtkosten ohne weiteres miteinander verglichen werden können. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn die Angebote auch immer mit der gleichen Zinsfestschreibungsdauer ausgestattet sind. Variiert diese, besteht keine objektive Vergleichsmöglichkeit mehr, da sich die Kosten einzelner Kredite ja durch die Zinserhöhungen im Nachhinein noch entsprechend ändern können.

Fazit zum Thema Sollzins und Effektivzins

Verbraucher, egal ob sie sich für eine Baufinanzierung oder einen Kredit für die Waschmaschine oder den nächsten Urlaub interessieren, sollten die beiden Zinsarten unterscheiden können. Denn der Sollzins alleine gilt als unverlässliche Vergleichsoption, um mehrere Angebote unterschiedlicher Banken miteinander vergleichen zu können. Dazu ist die Höhe des Effektivzinssatzes entscheiden, der vor allem auch deswegen in Deutschland eingeführt wurde. Auch wenn dieser nicht alle in Zusammenhang mit einem Darlehen anfallenden Kosten enthält, gilt er als solides Fundament für Vergleiche.

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Über den Autor Maik Justus

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