News: US-Justiz verliert die Geduld mit VW » Finanzen Heute

<span class=ns>News:</span> US-Justiz verliert die Geduld mit VW

Hätte heute vor einem Jahr jemand behauptet, dass eines der weltweit bestrenommierten Unternehmen durch kriminelle Machenschaften in die Schlagzeilen geraten würde, er wäre ausgelacht worden. Aber genau das ist VW passiert, denn im Frühherbst 2015 wurde bekannt, dass einer der weltgrößten Autohersteller getrickst und betrogen hat, um auch in den USA noch mehr Autos zu verkaufen. Jetzt verliert die Justiz in den USA langsam aber sicher die Geduld, denn Volkswagen verweigert schon zu lange die Herausgabe von wichtigen Dokumenten.

VW mangelt es an Kooperation

Die Abgasaffäre hat den Autobauer aus Niedersachsen nicht nur zum Gespött der Branche gemacht, jetzt werden die Töne der amerikanischen Justiz deutlich schärfer. Den Wolfsburgern fehle es am Willen zur Kooperation, sagen die Generalstaatsanwälte aus den Bundesstaaten New York und Connecticut. Volkswagen weigert sich, relevante Mails und Dokumente herauszugeben und beruft sich immer wieder auf die strengen Datenschutzmaßnahmen. Für Matthias Müller, den Nachfolger von Martin Winterkorn in der Chefetage des Konzerns, wird seine geplante Reise in die USA damit nicht unbedingt zu einer Vergnügungsreise.

Mit der Geduld am Ende

Wir sind mit unserer Geduld am Ende, so wird der Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman in US-Medien zitiert. Seiner Meinung nach will VW den ganzen Umfang der Abgasaffäre einfach nicht wahrhaben und er fordert die Verantwortlichen bei Volkswagen auf, endlich „die Kultur der Täuschung hinter sich zu lassen“. Volkswagen zögert die Herausgabe von Dokumenten immer wieder heraus und nennt die nur schleppend vorangehende interne Untersuchung als einen der Gründe. Zudem pocht das Unternehmen, so Schneiderman, auf die deutschen Datenschutzbestimmungen und verweigert der US-Justiz die Mails, die zwischen den Managern des Unternehmens geschrieben wurden.

Es ist frustrierend

Frustriert ist auch George Jepsen, der Generalstaatsanwalt des Bundesstaats Connecticut. Volkswagen widersetzt sich auch hier der Zusammenarbeit und beruft sich auf das deutsche Recht. Auch Jepsen ist mit seiner Geduld langsam am Ende und ist bereit, jedes Mittel einzusetzen, das ihm zur Verfügung steht, um eine gründliche Untersuchung bei VW voranzutreiben. Bei Volkswagen geht man auf die Details der Anschuldigungen aus den USA nicht ein, der Sprecher des Unternehmens wird nicht müde zu beteuern, dass die Zusammenarbeit mit den USA sehr eng ist. Da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt, will man in Wolfsburg keine Stellung beziehen.

VW schadet sich selbst

Nach Ansicht des amerikanischen Automobilexperten Eric Lyman schadet VW sich massiv selbst. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass es falsch für ein Unternehmen ist, sich bei einem Skandal mit den Behörden und vor allem auch mit der Öffentlichkeit anzulegen. Durch die Verzögerungstaktik, mit der Volkswagen arbeitet, verliert der Konzern immer mehr an Vertrauen und der eigentliche Skandal wird so für eine lange Zeit im Gedächtnis der Menschen bleiben. Alleine in den USA gibt es mittlerweile 650 Sammelklagen gegen Volkswagen.

Bild: © Depositphotos.com / josekube

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.