Ein Testament verfassen – was sollte beachtet werden? » Finanzen Heute

Ein Testament verfassen – was sollte beachtet werden?

Erben kann schwierig werden, wenn das Testament nicht richtig verfasst wird. Nicht selten kommt es zu erbitterten Streitigkeiten innerhalb der Familie, Rechtsanwälte werden bemüht und eine Familie, die sich bis dato gut verstanden hat, trifft sich vor Gericht wieder. Wer etwas zu vererben hat, der sollte auf jeden Fall ein Testament verfassen, aber wie wird ein Testament richtig aufgesetzt? Was muss beachtet werden, welchen Inhalt sollte ein Testament haben und muss zwingend ein Notar im Spiel sein?

Muss man ein Testament verfassen?

Es bleibt jedem selbst überlassen, wie er seinen Nachlass regelt. Wird kein Testament verfasst, dann gilt grundsätzlich die gesetzliche Erbfolge, die das Erbe des Verstorbenen unter den Hinterbliebenen aufteilt. Wer aber ein Familienmitglied besonders bedenken will, einen Teil des Geldes einer gemeinnützigen Organisation oder der Kirche spenden möchte, der ist gut beraten, ein Testament zu verfassen. Immer dann, wenn die Familiengeschichte oder die Vermögensverhältnisse schwierig sind, dann soll man ein Testament verfassen, denn sonst kommt es zu Problemen unter den Erben. So sollte zum Beispiel jeder, der ein Haus besitzt, ein Testament verfassen, denn wenn ein Kind das Haus erben soll, dann muss das andere Kind einen Geldbetrag erben, der dem Wert des Hauses entspricht.

Was bedeutet testierfähig?

Wenn ein Testament angefochten wird, dann spielt oftmals die sogenannte Testierfähigkeit eine entscheidende Rolle. Gemeint ist damit, ob derjenige, der das Testament aufgesetzt hat, auch rechtlich dazu in der Lage war. Der Erblasser muss sich immer der Tragweite seiner Entscheidung bewusst sein, was zum Beispiel bei einem Menschen, der unter Demenz leidet, nicht der Fall ist. Wer ein Testament anfechten will, der muss nachweisen können, dass der Erblasser nicht mehr in der Lage war, seinen freien Willen zu äußern, und vor Gericht gilt immer: Im Zweifel für den Testamentsverfasser. Alle, die auf Nummer sicher gehen wollen, sollten daher einen Neurologen aufsuchen, bevor sie ihr Testament verfassen und sich die Testierfähigkeit bescheinigen lassen. Eine Altersgrenze gibt es übrigens nicht, denn jeder, der 16 Jahre alt ist, kann ein Testament von einem Notar erstellen lassen, jeder der volljährig ist, kann selbst ein Testament verfassen.

Wie muss im Testament stehen?

Ein Testament sollte mit der Hand geschrieben werden. Wird es am Computer oder mit der Schreibmaschine verfasst, dann kann es später leichter angefochten werden. Bei einem handgeschriebenen Testament bleiben hingegen keine Zweifel, wer das Testament verfasst hat. Wichtig ist eine korrekte Überschrift, die einfach nur „Testament“, aber auch „Mein letzter Wille“ lauten kann, denn an der Überschrift ist unmissverständlich zu erkennen, dass es sich um ein Testament handelt. Bei der Formulierung des Testaments hat jeder freie Hand, es sollte aber klar und für jeden gut verständlich sein. Wichtig sind auch das Datum, der Ort und die Unterschrift, denn sie machen das Testament erst komplett.

Kann jeder vererben, was er möchte?

Wer als Erbe eingesetzt wird, das bleibt dem Verfasser selbst überlassen, allerdings gibt es einige Einschränkungen. Ehepartner, Partner aus eingetragenen Lebensgemeinschaften, Kinder und Enkel müssen ihren Pflichtteil bekommen, der Erblasser kann sie also nicht komplett übergehen. Ein Testament ist auch dann nicht gültig, wenn an das Erbe eine sittenwidrige Bedingung geknüpft wird.

Wo sollte ein Testament aufbewahrt werden?

Ein Testament verfassen ist eine Sache, es richtig aufzubewahren eine andere. Die Schublade im Schreibtisch, die man nicht abschließen kann, ist ein denkbar ungeeigneter Ort, denn so wird es dem Zufall überlassen, ob das Testament von einem Familienglied gefunden und dann vielleicht sogar vernichtet wird. Wer keinen Notar bemühen möchte, der kann sein Testament auch beim Nachlassgericht hinterlegen oder es einem Freund anvertrauen, der vom Erbe nicht profitieren kann. Auf diese Weise kann man immer sicher sein, dass der letzte Wille auch tatsächlich erfüllt wird.

Bild: © Depositphotos.com / ginasanders

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.