Krankenversicherungsmodelle in der Schweiz » Finanzen Heute

Krankenversicherungsmodelle in der Schweiz

Die Schweiz ist für viele Deutsche ein beliebtes Land, wenn es ums Auswandern geht. Die Schweiz gilt als besonders demokratisch, sie bietet die höhere Lebensqualität und auch die Infrastruktur ist in vielen Bereichen besser als in Deutschland. Das gilt auch für die Krankenversicherung, mit der in Deutschland nicht mehr alle ganz zufrieden sind. Besonders die gesetzlich Krankenversicherten sind mit den Leistungen nicht mehr zufrieden, zum Beispiel wenn es um Termine beim Facharzt geht, auf die die Mitglieder der GKV nicht selten mehrere Monate warten müssen. Aber wie sieht die Krankenversicherung im Nachbarland Schweiz aus? Ist dort wirklich alles besser als in Deutschland?

Gesetzliche und freiwillige Krankenversicherungen

Wer in der Schweiz leben will, der muss sich spätestens drei Monate nach seiner Ankunft gesetzlich krankenversichern. Das Bundesgesetz über die Krankenversicherung, kurz KVG, ist für die Krankenpflegeversicherung zuständig, die Leistungen bei Krankheit ebenso gewährleistet, wie auch bei Unfällen, falls der Betroffene keine Unfallversicherung hat, die alle Kosten trägt. Die Mutterschaft ist ebenso versichert, sowie alle Behandlungen bei einem Arzt. Anders als in Deutschland sind die Leistungen der Schweizer Krankenversicherung deutlich umfangreicher, denn auch die Kosten für alternative Heilmethoden werden übernommen, wie Behandlungen nach der traditionellen chinesischen Medizin, der klassischen Homöopathie und der anthroposophischen Medizin. Von der Krankenversicherung werden außerdem die Kosten für Medikamente und wichtige Impfungen wie gegen Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Masern, Röteln und gegen Zeckenenzephalitis übernommen.

Das HMO Modell

Neben der Krankenpflegeversicherung bietet die Schweiz auch alternative Versicherungsmodelle an. Dazu gehört unter anderem das HMO Versicherungsmodell, das sich in der Schweiz großer Beliebtheit erfreut. HMO ist die Abkürzung für Health Maintenance Organization, und dabei handelt es sich um ein medizinisches Versorgungsnetz, das überall in der Schweiz angeboten wird. In diesen Netzwerken arbeiten Hausärzte, Fachärzte und Therapeuten eng miteinander, was es für den Patienten einfacher macht, immer den richtigen Ansprechpartner zu finden. Einer der Ärzte im HMO Netzwerk ist der sogenannte Gatekeeper oder Aufseher, den die Patienten im Krankheitsfall in einem der Gesundheitszentren überall in der Schweiz aufsuchen müssen. Auch bei Unfällen oder wenn ein Notfall vorliegt, dann wird der Gatekeeper aufgesucht, der dann über eine weitere Behandlung bei einem Facharzt oder einem Therapeuten entscheidet.

Das Hausarzt Modell

Das Hausarzt Modell funktioniert ähnlich wie das HMO Modell, denn auch hier müssen die Patienten zuerst ihren Hausarzt aufsuchen, der sie dann zu einem Spezialisten überweist. Jeder Patient kann den Hausarzt selbst auswählen und er ist auch bei Notfällen und Unfällen der erste Ansprechpartner. Wenn die Entfernung zum Hausarzt zu groß ist, dann werden die Patienten von einem Notarzt versorgt, für die weitere Behandlung ist dann aber wieder der Hausarzt zuständig. Durch dieses Modell werden Doppeluntersuchungen vermieden und es wird viel Geld eingespart.

Das Telmed Modell

Auch in Deutschland gibt es seit einiger Zeit die Möglichkeit, die Krankenkassen telefonisch zu kontaktieren, wenn es um einen Termin bei einem Facharzt geht. In der Schweiz gibt es die sogenannte Telemedizin kurz Telmed schon etwas länger. Vor einem Arztbesuch müssen die Versicherten eine medizinische Leitstelle anrufen, wo sie dann von medizinischem Fachpersonal kompetent beraten werden. Diese Mitarbeiter in der Leitstelle können die Patienten aber auch an einen Facharzt, an ein Krankenhaus oder an einem Therapeuten weiterleiten. Auf diese Weise werden die Kosten für eine erste Beratung bei einem Arzt eingespart. Für Notfälle, aber auch für Kontroll- und Vorsorgeuntersuchungen ist Telmed allerdings nicht zuständig.

Die PPO Modelle

Wer sich in der Schweiz für eines der PPO Modelle (Preferred Provider Organization) entscheidet, der hat die freie Auswahl, wenn es um den Arztbesuch oder den Aufenthalt im Krankenhaus geht. Wichtig dabei ist aber, dass der Patient sich an den Vorschriften der Krankenkasse orientiert.

Bild: © Depositphotos.com / Studioclover

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.