Arbeitslosenquote Deutschland – wie werden Zahlen berechnet?

Arbeitslosenquote Deutschland – wie werden Zahlen berechnet?

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Immer wenn die Bundesagentur für Arbeit die Zahlen der Arbeitslosenquote Deutschland veröffentlicht, dann kann die Bundesregierung stolz verkünden: Die Zahlen sinken und das soll heißen, in Deutschland haben immer mehr Menschen eine Arbeit. Leider stimmen die Zahlen für die Arbeitslosenquote Deutschland nicht so genau, denn die Bundesregierung kann schlechte Zahlen und auch schlechte Nachrichten nicht gebrauchen. Um die Zahlen ein wenig schöner erscheinen zu lassen, wird schon seit einigen Jahren mit Tricks gearbeitet, um die Zahlen positiver aussehen zu lassen.

Die offizielle Arbeitslosenquote Deutschland

Offiziell waren 2.920.421 Menschen im Januar 2016 in Deutschland ohne Arbeit, das ist ein guter Wert, nur leider entspricht er nicht ganz der Realität. So wurden zum Beispiel 161.070 Deutsche, die älter als 58 Jahre sind und entweder Arbeitslosengeld I oder II beziehen, nicht in der Arbeitslosenquote Deutschland erfasst. Das Gleiche gilt für die 65.889 Menschen, die in einem sogenannten Ein-Euro-Job arbeiten und auch die Förderung von Arbeitsverhältnissen, die immerhin 7.734 Deutsche betrifft, wurde nicht berücksichtigt. 160.916 Menschen machen eine berufliche Weiterbildung und tauchen bei den Arbeitslosenzahlen nicht auf und auch die 107.779 Menschen, die eine Fremdfördermaßnahme in Anspruch nehmen, werden nicht erfasst. Dann gibt es noch die 76.912 kranken Arbeitslosen, die in der Arbeitslosenstatistik nicht auftauchen und ebenso spielen die 3.290 schwer vermittelbaren Arbeitslosen in der Arbeitslosenquote Deutschland keine Rolle. Alles in allem müsste die Zahl der tatsächlichen Arbeitslosen in Deutschland bei 3.653.317 liegen.

Wo gibt es besonders viele Arbeitslose?

Wer sich die Arbeitslosenquote Deutschland einmal genauer ansieht, der wird schnell feststellen, dass die Zahl der Arbeitslosen nicht überall gleich hoch oder niedrig ist. In Baden-Württemberg liegt die Quote bei guten vier Prozent, in Bayern sogar noch darüber. Im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen steht die Arbeitslosenquote bei 8,1 % und in Bremen sind es 11,1 %. Ebenso hoch ist die Zahl der Arbeitslosen in den neuen Bundesländern. Mecklenburg-Vorpommern ist mit einer Quote von 11,5 % der Spitzenreiter, aber auch Sachsen-Anhalt mit 10,8 % und Berlin mit 10,6 % sind vorne mit dabei, wenn es um die Arbeitslosenquote Deutschland geht.

Die Definition arbeitslos

Im Grunde ist es ganz einfach, wer keine Arbeit hat, ist arbeitslos, aber in Deutschland sieht das ein wenig anders aus. In der Bundesrepublik sind alle, die eine Arbeit suchen, arbeitslos und wer keine Arbeit sucht, der ist auch nicht arbeitslos. Das klingt vielleicht ein wenig seltsam, ist aber die Realität bei der Bundesagentur für Arbeit, die ihre Quoten genau nach diesen Richtlinien erstellt. Wer als Arbeitsloser registriert ist, der muss laut Arbeitsagentur „durch Eigenbemühungen und Verfügbarkeit für die Arbeitsvermittlung“ ständig auf der Suche nach einer Tätigkeit sein. Allerdings dürfen Arbeitslose auch arbeiten, zwar nur in Maßen, aber immerhin bis zu 15 Stunden in der Woche. Werden es mehr als 15 Stunden wöchentlich, dann ist der Arbeitslose kein Arbeitsloser mehr und fliegt aus der Statistik.

Sind die Arbeitslosenzahlen geschönt?

Der Bundesagentur für Arbeit wird immer wieder vorgeworfen, dass sie die Statistik der Arbeitslosen nach Belieben auslegt, aber das stimmt so auch wieder nicht, denn wer als arbeitslos gilt und wer nicht, das ist eine Frage der Definition. Offiziell sind die Kriterien per Gesetz festgelegt und jede Änderung würde sich auf die Statistik auswirken. Es sind die Politiker, die die Kriterien immer wieder anders formulieren und das hat zur Folge, dass die Arbeitslosenzahlen in den vergangenen Jahren kontinuierlich sanken. In nur wenigen Fällen haben die gesetzlichen Änderungen zu einer amtlich korrekten Statistik geführt, in der die Arbeitslosenzahlen angestiegen sind. Ein Beispiel ist die Hartz-IV-Reform, als 2005 alle Sozialhilfeempfänger, die erwerbstätig waren, in der Statistik berücksichtigt wurden. Durch den Effekt, den Hartz IV ausgelöst hat, gab es im Jahr 2005 rund 380.000 Arbeitslose mehr.

Bild: © Depositphotos.com / gustavofrazao

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.