Ist ein Entrepreneur der bessere Unternehmer? » Finanzen Heute

Ist ein Entrepreneur der bessere Unternehmer?

Die Manager großer Unternehmen stehen spätestens seit dem Streit um die Bonuszahlungen der VW-Manager einmal mehr in der Kritik, denn kaum jemand versteht, warum diese Manager Millionen kassieren. Wie wohltuend ist da der Entrepreneur, quasi eine Lichtgestalt in der verdorbenen Welt der Wirtschaft und der Finanzen, denn diese Manager sind die Verfechter des langfristigen Denkens und die Träger von Verantwortung und Vernunft. Aber was verbirgt sich wirklich hinter diesen vermeintlichen Wohltätern und warum spielen Entrepreneure in der heutigen Wirtschaft eine so wichtige Rolle?

Ein Unter-Nehmer

Wörtlich übersetzt ist ein Entrepreneur jemand, der etwas unter-nimmt, also ein Unternehmer. Aber das ist lediglich die wörtliche Übersetzung, hinter dieser Berufsbezeichnung steckt jedoch etwas anderes. Der Ire Richard Cantillon hat den Begriff populär gemacht, er bezeichnete mit dem französischen Wort, das sich aus entre und prendre zusammensetzt, einen Geschäftsmann, der sein Geschäft auf eigene Rechnung führt und damit auch das Risiko über Gewinn und Verlust alleine trägt. In Großbritannien wurde die Berufsbezeichnung im 19. Jahrhundert bekannt, dort bezog sie sich aber in der Hauptsache auf die Unternehmer in der Glücksspiel- und Musikindustrie. Nicht jeder, der ein Unternehmen hat, ist auch ein Entrepreneur, denn dazu braucht man eine bestimmte Geisteshaltung.

Geschickte Manager

Entrepreneure werden heute händeringend gesucht, denn sie verkörpern das gute Gewissen in einer immer härter werdenden Geschäftswelt. Sie gelten als besonders verantwortungsbewusst und haben das Geschick, mit Unsicherheiten, die ein Unternehmen praktisch ständig umgeben, sehr gut umgehen zu können. Echte Entrepreneure haben eine eiserne Disziplin, den festen Willen und die Macht, für ein Unternehmen weitreichende Entscheidungen zu treffen. Dieses Handlungs- und Denkprinzip, nach denen ein Entrepreneur arbeitet, wird heute sogar an renommierten Business Schools gelehrt.

Was treibt einen Entrepreneur an?

Es sind drei Dinge, die ihn antreiben und ihn auszeichnen. Entrepreneure haben den Traum und auch den Willen, innerhalb eines Unternehmens ihr eigenes, sehr privates Reich zu gründen. Wirtschaftliches Handeln wird immer als eine Art Sport betrachtet, diese Unternehmer haben großen Spaß am Kampf mit der Konkurrenz. Ein weiteres Motiv, das Entrepreneure antreibt, ist ihr stark ausgeprägter Egoismus und auch ihre Rücksichtslosigkeit. Sie legen weder auf Traditionen noch auf Beziehungen allzu großen Wert und sie sind jederzeit bereit, alte Brücken hinter sich abzubrechen.

Große Freude am Gestalten

Entrepreneure sind Gestalter, sie suchen immer nach neuen Herausforderungen und sind ständig bereit, die wirtschaftliche Struktur eines Unternehmens zu revolutionieren. Die Freude am Gestalten kann durchaus zerstörerisch sein, aber in diesem Fall ist es eine schöpferische Zerstörung, denn es wird wieder etwas Neues und Besseres geschaffen. Ein Entrepreneur hasst alte und verkrustete Strukturen, er will etwas anderes schaffen und ist immer fest davon überzeugt, dass dies auch gelingt.

Warum Entrepreneure für die Wirtschaft so wichtig sind

Entrepreneure werden gerne als Heilsbringer und als Gutmenschen beschrieben, aber das stimmt nur zum Teil, denn sie sind auch rücksichtslose Egomanen, die ihren Willen um jeden Preis durchsetzen wollen. Was diese besonderen Unternehmer so interessant und auch so wichtig macht, das ist die Mischung aus Egoismus, starkem Willen und Weitsichtigkeit. Ein gutes Beispiel, wie ein Entrepreneur tickt, ist José López, der ehemalige Manager von VW und General Motors. López galt in den 1990er Jahren als der Macher schlechthin, der kränkelnde Konzerne wieder an die Spitze brachte und das mit zum Teil sehr rüden Methoden. López verordnete seinen Mitarbeitern Diäten und zwang sie dazu, wie er, mit der linken Hand zu arbeiten und zu schreiben. Diese skurrilen Methoden kamen nicht bei allen gut an, der Spanier galt als unbequem, aber als erfolgreich. Der „Krieger“ und „Kostenkiller“ wie der Mann aus dem Baskenland genannt wurde, war eine Ikone in der Welt der Manager, auch wenn ihn seine Haltung letztendlich den Job kostete.

Bild: © Depositphotos.com / VIPDesignUSA

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.