Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – das sollten Arbeitnehmer wissen

Veröffentlicht: 20. April 2016 | 9:39 Uhr
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – das sollten Arbeitnehmer wissen

Ein Arbeitsvertrag ist wie jeder andere Vertrag, bei dem sich die beiden Vertragspartner verpflichten, eine Leistung zu erbringen. Erbringt einer der Vertragspartner die vereinbarte Leistung nicht, dann wird der Vertrag ungültig. Auf den Arbeitsvertrag übertragen heißt das, wenn der Arbeitnehmer nicht zur Arbeit erscheint, dann hat der Arbeitgeber das Recht, den Vertrag zu kündigen. Aber es gibt eine Ausnahme: Wenn der Arbeitnehmer bedingt durch eine Krankheit nicht seiner Tätigkeit nachgehen kann, dann kommt es zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Das Entgeltfortzahlungsgesetz

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wird durch den Paragrafen 3 im sogenannten Entgeltfortzahlungsgesetz geregelt. Nach diesem Gesetz hat der Arbeitnehmer, wenn er unverschuldet arbeitsunfähig ist, einen Anspruch auf die Fortzahlung seines Lohns hat, und zwar für einen Zeitraum bis zu sechs Wochen. Das Gesetz sagt auch, dass der Arbeitnehmer, wenn er länger als drei Tage krankheitsbedingt nicht zur Arbeit kommen kann, eine Bescheinigung seines Arztes vorlegen muss. Allerdings lässt diese Regelung gewisse Spielräume, denn der Arbeitgeber kann schon am ersten Tag ein Attest verlangen. Liegt der „gelbe Schein“ nicht vor, dann hat der Arbeitgeber das Recht, die Lohnzahlung zu verweigern, und zwar so lange, bis das Attest da ist. Wird die Krankschreibung dann nachgereicht, hat der Arbeitnehmer rückwirkend Anspruch auf seinen Lohn oder sein Gehalt.

Wann endet die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?

Eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall endet nach sechs Wochen. Sollte der Arbeitnehmer nach diesen sechs Wochen noch nicht wieder in der Lage sein, seiner Arbeit nachzugehen, dann zahlt ihm die Krankenkasse ein Krankengeld. Wie hoch dieses Krankengeld ist, das richtet sich nach dem jeweiligen Einkommen, mindestens werden jedoch 70 % des Bruttoeinkommens gezahlt, es können aber auch 90 % sein. Diese 90 % sind aber nur dann möglich, wenn es sich um eine erstmalige Arbeitsunfähigkeit handelt.

Wie wird Arbeitsunfähigkeit definiert?

Der Begriff Arbeitsunfähigkeit ist vom Gesetzgeber klar definiert. Ein Arbeitnehmer ist immer dann arbeitsunfähig, wenn der Arzt der Ansicht ist, dass durch die Arbeit die Heilung verzögert oder sogar verhindert wird. Krank ist aber nicht gleich krank, denn es kommt immer darauf an, welche Anforderungen an den Arbeitnehmer gestellt werden oder welche Aufgaben er im Betrieb erledigen muss. Überspitzt gesagt kann eine Verkäuferin mit einem gebrochenen Fuß nicht mehr arbeiten, eine Büroangestellte, die den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, hingegen schon. Wenn der Arbeitsvertrag vorsieht, dass ein Mitarbeiter ohne Einschränkungen auch an einem anderen Arbeitsplatz arbeiten kann, dann entfällt die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, denn der Arbeitnehmer bekommt ja seinen Lohn oder sein Gehalt.

Was gilt bei Krankheit im Urlaub?

Im Urlaub krank zu werden, ist immer ärgerlich, aber auch in dieser Situation gilt die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Jeder Urlaubstag, der durch Krankheit verloren geht, zählt als Arbeitstag und wird auch entsprechend vergütet. Außerdem können sich die Arbeitnehmer freuen, denn wer in den Ferien krank wird, der bekommt diese Tage auf dem Urlaubskonto gutgeschrieben und kann dann nach der Genesung noch einmal Urlaub nehmen.

Selbstverschuldete Unfälle

Was passiert eigentlich, wenn der Arbeitnehmer an seiner Arbeitsunfähigkeit selbst schuld ist? Gilt dann auch die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall? Wenn es nach dem Gesetz geht, dann ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, den Lohn weiterzuzahlen, es gibt jedoch Maßstäbe, an denen sich der Arbeitgeber orientieren muss. Der Mitarbeiter muss schon sehr leichtsinnig, vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt haben, damit der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern kann. Es ist aber nicht so einfach, dem Mitarbeiter nachzuweisen, dass er sich bewusst in eine Gefahr begeben hat, die Beweispflicht liegt hier grundsätzlich beim Arbeitgeber. Für Diskussionen sorgen immer Sportunfälle, die in der Freizeit passieren. Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass die Sportart besonders gefährlich ist, aber leider hat das Bundesarbeitsgericht noch keine Sportart als zu gefährlich eingestuft.

Bild: © Depositphotos.com / lenyvavsha

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Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.