Die Wall Street – eine Straße mit Geschichte » Finanzen Heute

Die Wall Street – eine Straße mit Geschichte

Überall auf der Welt gibt es Straßen, die einen klangvollen Namen haben. Der Kurfürstendamm in Berlin ist wie die Königsallee in Düsseldorf eine Flaniermeile, in der Downing Street in London ist der englische Premierminister zu Hause und im Weißen Haus an der Pennsylvania Avenue 1600 der US-Präsident. Wenn es aber ums große Geld geht, dann gibt es nur eine wichtige Adresse und das ist die Wall Street, eine Straße mitten im brodelnden Manhattan.

Eine Straße als Schutzwall

Übersetzt heißt Wall Street Wallstraße und zu diesem Zweck wurde sie im Jahre 1652 angelegt. Es war Peter Stuyvesant, der die Straße als Schutzwall gegen die Ureinwohner bauen ließ, erst 1792 wurde daraus ein Finanzplatz. 24 Finanzhändler unterzeichneten damals das sogenannte Buttonwood-Abkommen, in dem festgelegt wurde, dass jedem Kunden mindestens eine Kommission von einem viertel Prozent berechnet werden musste. Damit wurde ein einfacher Handelsplatz mit einheitlichen Regeln für Händler und Kunden geschaffen. Bei der Gründung des Finanzplatzes gab es allerdings nur fünf verschiedene Wertpapiere, die gehandelt werden konnten, aber das sollte sich sehr schnell ändern.

Die Krisen der Wall Street

Kaum eine andere Straße auf dieser Welt hat so viele Krisen und Katastrophen erlebt wie die Wall Street. 1837 kam es zur ersten schwerwiegenden Krise, als eine riesige Spekulationsblase platzte. Nur 20 Jahre später kam es zum nächsten großen Crash, als die „Ohio Life Insurance & Trust Company“ zusammenbrach. Kaum hatte sich die Wall Street von dieser Krise erholt, kam es mit dem „Schwarzen Freitag“ am 24. September 1869 zu einer Bewährungsprobe, als der komplette Goldmarkt durch gewagte Spekulationen einbrach. Dem „Schwarzen Freitag“ folgte 1929 der „Schwarze Donnerstag“, ein Tag, der wie kein anderer in die Geschichte der Straße einging. Die wirtschaftliche Lage war sehr angespannt, als unter den Anlegern plötzlich eine Panik ausbrach. In der Folge kam es zu einem Börsenkrach und damit zur weltweiten Wirtschaftskrise.

2008 – ein Schicksalsjahr

Die quirlige Straße mitten im Herzen von New York hatte es nach der Weltwirtschaftskrise 1929 nicht leicht, wieder auf die Beine zu kommen. Es gab einen sehr großen Wertverlust an der New Yorker Börse und es dauerte lange, bis die Kurse endlich wieder an das Niveau vor dem „Schwarzen Donnerstag“ heranreichten. 1987 kam es dann wieder zu einem schwarzen Tag, diesmal war es ein Montag, denn am 19. Oktober fiel der amerikanische Leitindex, der Dow Jones auf einen historischen Tiefstwert von 22,6 %. Dann kam das Jahr 2008 und der Beginn der nächsten Wirtschaftskrise. Die Wall Street kam in arge Turbulenzen, immer mehr Banken gerieten in enorme Schwierigkeiten. Als dann die Lehman Bank zusammenbrach, verloren sehr viele Banker, Broker und Börsenmakler ihre Arbeit und die Finanzwelt stand am Abgrund.

Das Zentrum des Kapitalismus

Die Wall Street ist eine mehr als geschäftige Straße, in der Börsenmakler, die großen Banken und die größte Börse der Welt ihren Sitz haben. Die 1100 m lange Straße ist vielmehr auch ein Symbol des „American Way of Life“, in der der amerikanische Traum und der soziale Absturz sehr eng beieinander liegen. Hier kann man sehr, sehr reich werden, aber man kann genauso schnell alles wieder verlieren. „Gier ist gut. Gier ist richtig. Gier ist gesund. Sie hat Amerika groß gemacht und wird unsere Rettung sein“ – dieser Satz von Gordon Gecko, alias Michael Douglas, ist zu einer Art Motto für die Wall Street geworden. Der gleichnamige Film aus dem Jahr 1987 ist ein Kult-Film für alle Börsenmakler, auch wenn der Streifen die negativen Seiten des Finanzzentrums in erschreckender Deutlichkeit zeigt. Noch immer gibt es schwarze Schafe unter den Börsenmaklern, die wie ihr zweifelhaftes Vorbild Gordon Gecko, auch vor riskanten Insidergeschäften nicht zurückschrecken, wenn sie damit ihr Vermögen vermehren können.

Bild: © Depositphotos.com / stu99

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.