Die Europäische Zentralbank – Europas umstrittene Bank » Finanzen Heute

Die Europäische Zentralbank – Europas umstrittene Bank

Als der Traum von einer Europäischen Union in den 1990er Jahren mehr und mehr Gestalt annahm, wurde auch die Gründung einer zentralen Bank beschlossen. Über die Einrichtung einer Europäischen Zentralbank wurde schon bei der Gründung der Währungs- und Wirtschaftsunion 1992 gesprochen, sechs Jahre später war dann klar, die Bank geht an den Start und ihr Sitz wird in Frankfurt am Main sein. Seitdem ist die EZB die zentrale Bank für alle Staaten, die Mitglied in der Europäischen Währungsunion sind und besonders in der heutigen Zeit ist sie ein sehr umstrittenes Geldinstitut.

Die Aufgaben der EZB

Die Europäische Zentralbank ist vollkommen unabhängig in ihren Entscheidungen, sie arbeitet frei von politischen Weisungen und sie ist durch völkerrechtlich verbindliche Verträge abgesichert.

Die EZB

  • Verwaltet die Währungsreserven der EU-Mitgliedsstaaten
  • Führt die Devisengeschäfte
  • Gibt Banknoten aus
  • Fördert die Zahlungssysteme
  • Bestimmt das Volumen der Euromünzen

Europäische Zentralbank darf keine Kredite an die Mitgliedsstaaten vergeben, aber sie darf Leitlinien und Weisungen an die nationalen Zentralbanken aussprechen, wie zum Beispiel die Deutsche Bundesbank. Eine der Hauptaufgaben der EZB besteht aber darin, den Euro stabil zu halten und darauf zu achten, dass er gegenüber anderen Währungen wie dem US-Dollar oder dem britischen Pfund nicht an Wert verliert.

Wie finanziert sich die Europäische Zentralbank?

Das Kapital, das der EZB zur Verfügung steht, stammt von den Mitgliedsstaaten der EU. Wie viel jedes einzelne Land in den Topf der Europäischen Zentralbank zahlen muss, das richtet sich immer nach dem Bruttoinlandsprodukt und der Zahl der Einwohner. Den höchsten Beitrag muss Deutschland mit 1.948.208.997,34 Euro zahlen, dicht gefolgt von Frankreich und Italien. Den niedrigsten Beitrag zahlt Malta, die kleine Insel im Mittelmeer, sie zahlt 7.014.604,58 Euro an die EZB. Allerdings zahlen auch Staaten an die EZB, in denen der Euro kein Zahlungsmittel ist. Spitzenreiter ist dabei Großbritannien mit 55.509.147,81 Euro, dann folgen Polen und Rumänien. Die Länder, die nicht zur Eurozone gehören, haben keinen Anspruch auf Gewinne der EZB, aber sie müssen auch nicht für mögliche Verluste aufkommen.

Die EZB und die Zinsen

Das Ziel der EZB ist es, das Preisniveau in den einzelnen Staaten der EU immer stabil zu halten, um so eine drohende Inflation oder eine Rezession zu verhindern. Das ist aber nur dann möglich, wenn die Entwicklung der Preise und die Konjunktur beobachtet werden. Die Europäische Zentralbank hat zudem die Möglichkeit, die Zinsen zwischen ihr und den Geschäftsbanken in der Eurozone zu beeinflussen, und dieser Einfluss wirkt sich dann auf die Wirtschaft aus. Wenn die EZB die Zinsen erhöht, dann müssen die Banken diese Erhöhung an ihre Kunden weitergeben, damit werden die Kredite teurer. Sollte die Inflation ansteigen, dann erhöht die Europäische Zentralbank den Leitzins, an dem sich alle anderen Banken in den EU-Staaten orientieren müssen. Aktuell ist Europa in einer wirtschaftlichen schlechten Verfassung und die EZB hat deshalb den Leitzins weit nach unten korrigiert, um mehr Geld in Umlauf zu bringen.

Die Null-Zins-Politik

Aktuell ist die Europäische Zentralbank durch ihre Null-Zins-Politik stark in der Kritik. Die EZB möchte mit dieser Taktik erreichen, dass die Menschen in der Eurozone mehr Geld in Umlauf bringen und mehr konsumieren, um auf diese Weise die Wirtschaft des jeweiligen Landes zu stärken. Ob dieser Plan allerdings aufgeht, ist fraglich, denn viele Menschen wollen ihr Geld lieber sparen, um unter anderem eine Rücklage für das Alter zu haben. Die Null-Zins-Politik soll aber auch den Staaten der EU helfen, die wirtschaftlich nicht so gut dastehen, wie das zum Beispiel bei Griechenland der Fall ist. Länder wie Griechenland oder auch Zypern können sich zu einem niedrigen Zinssatz leichter Geld bei anderen Banken der EU leihen und so effektiver daran arbeiten, den Schuldenberg nach und nach abzutragen.

Bild: © Depositphotos.com / ewastudio

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.