Warum eine Holding ein Steuersparmodell ist

Veröffentlicht: 15. Mai 2016 | 20:30 Uhr
Warum eine Holding ein Steuersparmodell ist

Die meisten Menschen stellen sich unter einer Holding ein großes internationales Unternehmen vor, das global vernetzt und sehr erfolgreich ist. Aber das ist nicht immer der Fall, die Holding ist auch für kleine Unternehmensgründungen eine sehr beliebte Form, denn dieses Geschäftsmodell bietet unter anderem eine Absicherung im Haftungsfall, eine Steuerersparnis und wenn man es möchte, auch Anonymität. Eine Holding-Struktur hat viele Vorzüge und ist deshalb besonders bei jungen Start-up-Unternehmen sehr gefragt.

Die verschiedenen Varianten

Bei einer Holding handelt es sich streng genommen nicht um eine Rechtsform, wie das bei einer GmbH oder einer Aktiengesellschaft der Fall ist, hier handelt es sich vielmehr um eine Organisationsform, die aus mindestens zwei Unternehmen besteht, nämlich einer Mutter- und einer Tochtergesellschaft. Die eigentliche Holding ist dabei immer die Mutter- oder Dachgesellschaft, die wiederum Anteile an der Tochtergesellschaft hält. Je nach Zweck kann diese Form des Unternehmens ganz unterschiedlich aufgebaut werden, denn es gibt fünf verschiedene Varianten:

  • Die Finanzholding

Sie dient einem Unternehmen als Verwalter für das Vermögen oder agiert als konzerneigene Bank.

  • Operative Holding

In diesem Fall ist die Mutter- oder Dachgesellschaft operativ tätig und sie führt die jeweiligen Tochtergesellschaften in Form von Niederlassungen und Zweigstellen.

  • Strukturholding

Wenn sich ein Unternehmen oder ein Konzern in mehrere Sparten teilt, dann spricht man von einer Strukturholding.

  • Die Management-Holding

Bei dieser Variante liegen alle Entscheidungen und auch alle Kontrollfunktionen bei der Muttergesellschaft. Sie kann zum Beispiel den Sitz des Unternehmens ändern und in ein Land verlegen, das günstige Steuerregelungen anbietet.

  • Die Beteiligungs-Holding

Unternehmen, die den Aufwand in der Verwaltung und damit auch die Kosten reduzieren wollen, entscheiden sich gerne für diese Form, bei der die Holding nur als Gesellschafter tätig ist und die operativen Dinge der Tochtergesellschaft überlässt.

Welche Vorteile gibt es?

Die meisten gründen eine Holding, weil sie effektiv Steuern sparen wollen, denn innerhalb einer Holdingstruktur können die Gewinne aus Verkäufen der Tochtergesellschaft, an die Muttergesellschaft zu steuerlich sehr günstigen Konditionen übertragen werden. 95 % dieser Gewinne sind von der Steuer befreit, die restlichen fünf Prozent werden wie üblich versteuert, nämlich mit 15 % Körperschaftssteuer, 5,5 % Soli und 15 % Gewerbesteuer. Die Steuerabgabe reduziert sich dann auf 1,5 % bis maximal zwei Prozent der gesamten Summe. Auch der Schutz im Haftungsfall ist ein Vorteil, denn sollte es zu einem Haftungsfall kommen, dann wird das Vermögen des Unternehmens von der Holdingstruktur geschützt. Allerdings muss das Vermögen auf die Muttergesellschaft übertragen werden, die nicht für die Tochtergesellschaften haften muss. Auch die Anonymität ist vorteilhaft, weil nicht unbedingt jeder wissen muss, wer oder was sich hinter einem Unternehmen verbirgt. So wissen außer dem Finanzamt, weder die Lieferanten noch die Geschäftspartner, wer das Unternehmen tatsächlich führt.

Wie wird eine Holding gegründet?

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, eine Holding zu gründen. Entweder werden zwei neue Unternehmen zu einem zusammengeschlossen, oder ein bereits bestehendes Unternehmen fusioniert mit einem anderen zu einer Holdinggesellschaft. Die eigentliche Gründung verläuft ähnlich wie bei einer UG oder GmbH, mit dem Unterschied, dass die Mutterholding die Anteile der Tochtergesellschaften übernimmt. Beliebt ist die Unternehmensform bei jungen Unternehmern, die sich bereits mit einer UG selbstständig gemacht haben. Da eine UG schon mit einem Euro Startkapital gegründet werden kann, kommen auch kleine Unternehmen mit wenig Betriebskapital in den Genuss einer Unternehmensform, die viele Vorteile bietet.

In Deutschland ist die Holding ein noch relativ unbekanntes Geschäftsmodell, obwohl sie besonders für kleine und mittelständische Unternehmen viele Vorzüge bietet. Zwar gibt es durch Mutter- und Tochtergesellschaft neben einem ziemlich großen Aufwand auch Mehrkosten, was bei einer GmbH oder einer UG nicht der Fall ist, dennoch überwiegen die Vorteile, und daher lohnt sich die Gründung dieser besonderen Unternehmensform auf jeden Fall.

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.