Was versteht man unter einem Agio?

Was versteht man unter einem Agio? – finanzen-heute.com

Seit es Banken gibt, gibt es auch den Agio, trotzdem wissen viele Anleger nichts mit diesem Begriff anzufangen. Zwar taucht das Wort in schöner Regelmäßigkeit auf den Fondsabrechnungen auf, aber was es bedeutet, wissen nur die wenigsten privaten Anleger. Dabei ist es ganz einfach, denn Agio ist ein sogenanntes Aufgeld, ein einmaliger Aufschlag, der in ganz unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz kommt. Handelt es sich dabei um Fonds, dann ist es eine Art Gebühr für den Vertrieb, aber auch beim Handel mit Aktien und Anleihen wird dieser Aufschlag verlangt. In welcher Höhe dieser Aufschlag jedoch veranschlagt wird, das liegt immer bei den jeweiligen Händlern.

Eine italienische Erfindung

Wie vieles aus dem Bankwesen, so stammt das Agio aus Italien, einem Land, das als Wiege des modernen Bankwesens gilt. Schon im 11. Jahrhundert gingen in Italien die Geldwechsler ihrem Geschäft nach, und da sie das bevorzugt auf Bänken taten, geht die Bezeichnung Bank auf diese Geschäftspraktik zurück. In Italien wurde zuerst mit Buchgeld gearbeitet und die noch heute gültigen Begriffe wie Prokura, Konto, Giro und eben auch Agio stammen aus dem Mittelalter, als Italien noch der Nabel der Finanzwelt in Europa war. Wörtlich übersetzt bedeutet Agio entweder Bequemlichkeit oder Spielraum, gemeint ist aber eben dieser Aufschlag auf einen Kaufpreis, den ein Finanzhändler oder ein Broker von seinen Kunden verlangen kann.

Wo wird ein Agio verlangt?

Vor allem bei der Neuausgabe von Aktien wird ein Abgabeaufschlag verlangt. Immer wenn bei einer Neuemission der Wert einer Aktie an der Börse höher als das ausgewiesene Eigenkapital ist, dann wird dieser Unterschied über den Aufschlag abgewickelt, denn das Aufgeld wird nicht als Kapital verzeichnet, es ist vielmehr eine Kapitalrücklage. Auch bei den Fonds spielt der Aufschlag eine Rolle, denn die meisten Fondsgesellschaften verlangen beim Kauf von Anteilen ein Aufgeld, damit die Betriebskosten gedeckt werden können. Bei Rentenfonds können das bis zu vier Prozent sein, bei Aktienfonds sogar bis zu sechs Prozent und beim Kauf von offenen Immobilienfonds dürfen zwischen fünf und 5,5 % verlangt werden. Ebenfalls üblich ist der Aufschlag bei der Vergabe von Krediten, wo er die Differenz zwischen der Nettokreditsumme und der Summe darstellt, die der Kreditnehmer zurückzahlen muss.

Was ist ein Disagio?

Ob und in welcher Höhe ein Aufschlag verlangt wird, das entscheidet allein der Anbieter. Wenn er aber einen Aufschlag berechnet, dann muss dieser für den Kunden erkennbar sein und in einem Vertrag auch schriftlich festgehalten werden. Zum Agio gibt es ein Gegenstück, den sogenannten Disagio, allerdings handelt es sich hier um ein Abgeld. Während beim Aktienkauf ein Aufschlag durchaus möglich ist, ist ein Disagio verboten. Ein Disagio kann einen Kredit um ein vielfaches teurer machen und auch im Kreditkartenwesen und beim Handel mit Devisen wird der Disagio eingesetzt, oftmals ohne dass Kunde davon etwas merkt. Bei einem Darlehen wird die Bedeutung des Disagio sehr deutlich. In diesem Fall behält der Kreditnehmer, also die Bank, einen Teil der Kreditsumme als eine Art Vorab-Zins ein. Wenn zum Beispiel die Kreditsumme 10.000 Euro beträgt und es einen Disagio von fünf Prozent gibt, dann erhält der Kreditnehmer nur eine Summe von 9500 Euro.

Welche Faktoren bestimmen das Aufgeld?

Wie bereits erwähnt, hängt die Höhe des Aufgelds vom jeweiligen Händler ab, aber es gibt noch mehr Faktoren. Geht es um Aktien, dann setzen Unternehmen gerne ein Aufgeld an, das die Differenz zwischen dem Wert der Aktien und dem eigenen Kapital ausgleicht. Beim Handel mit Optionen ergibt sich die Höhe des Aufschlags immer aus der Volatilität und dem Zinswert. Wenn sich die Laufzeit einer Option dem Ende entgegen neigt, dann wird auch das Aufgeld kleiner, ein Szenario, das man aktuell auch bei Niedrigzinskrediten beobachten kann.

Bild: © Depositphotos.com /

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.