Die Börse – ein internationaler Marktplatz

Veröffentlicht: 1. Juni 2016 | 21:52 Uhr
Die Börse – ein internationaler Marktplatz

Die Börse ist im Grunde nichts anderes als ein Marktplatz, aber statt mit Obst, Gemüse und Eiern, wird auf diesem Marktplatz mit Aktien, Wertpapieren und vielen anderen Finanzprodukten gehandelt. Unternehmen sammeln an den Börsen das Geld der Anleger ein, indem sie Aktien zum Kauf anbieten, und die Anleger werden damit zu Miteigentümern der Unternehmen. Aber wie funktioniert eine Börse und was macht den besonderen Reiz dieser Marktplätze aus, an denen es nicht selten sehr hektisch und sehr laut zugeht?

Die Börse und ihre lange Geschichte

Im frühen Mittelalter waren die italienischen Städte Florenz, Genua und die Lagunenstadt Venedig die wichtigsten Handelsplätze in der damals bekannten Welt. Das änderte sich im 15. Jahrhundert, als die belgischen und niederländischen Städte wie Antwerpen, Amsterdam und Brügge die Vorherrschaft über den Geldhandel erlangten. Sie wurden zu den führenden Handelszentren im Herzen von Europa und verkauften die ersten Aktien der Welt. Ein börsenähnlicher Handel war schon im 12. Jahrhundert bekannt, allerdings wurden damals keine Anteile an Unternehmen gehandelt, das war das erste Mal mit der VOC, der Vereenigde Oost-Indische Compagnie möglich.

Geschäfte mit Übersee

Die niederländische Handelsgesellschaft verkaufte im Jahre 1602 die ersten Aktien und die Anleger konnten sich durch den Kauf dieser Aktien an den Geschäften der Compagnie beteiligen. Die Aktien waren begehrt, denn die Niederländer hatten das Geschäft mit dem Handel in Übersee für sich entdeckt, der hohe Gewinne versprach. Die Börse wurde der zentrale Handelsplatz, gehandelt wurde mit sogenannten Sorten, aber auch mit Schuldurkunden, Wechseln und mit Königs- und Hofbriefen. Begehrt waren vor allem Rohstoffe aus der Neuen Welt, wie exotische Gewürze, Getreide und Zucker.

Börsen und Spekulanten

Während die Börse in ihren Anfängen ein Handelsplatz für Waren und Finanzprodukte aller Art war, unterscheiden sich die Börsen von heute in Wertpapier-, Devisen- und Warenbörsen. Die Wertpapierbörsen wurden um 1750 interessant und gewannen im Zeitalter der Industrialisierung immer mehr an Bedeutung. Nur durch die Anleger wurde es möglich, große Projekte zu realisieren, auch die Zahl der Warenterminbörsen nahm langsam Fahrt auf. Mit den Warenbörsen kamen auch die Spekulanten, die versuchten, den Wert eines Produktes abzuschätzen, um dann durch gezielte An- und Verkäufe den Kurs einer Aktie zu beeinflussen. Schon im 19. Jahrhundert haben Spekulanten manipuliert, Geld veruntreut und Scheinfirmen gegründet, in den Niederlanden wurden diese unsauberen Geschäfte mit dem Begriff „Perpetuum Mobiles“ zusammengefasst, eine Art Konstruktion, die ständig in Bewegung war. Erst 1896 wurde diesem Treiben mit dem Börsengesetz des Deutschen Reiches ein Riegel vorgeschoben, denn für bestimmte Warengruppen wie zum Beispiel für Getreide, wurde der Terminhandel verboten.

Nicht nur von der Konjunktur abhängig

An den Börsen dieser Welt, wie der Frankfurter Börse oder der New Yorker Börse in der Wall Street, wird ständig gehandelt, denn die Kurse schwanken immer. Kommt es zu einem Aufschwung in nur einer Branche oder auf dem kompletten Markt, dann wird das im Jargon der Börse „Hausse“ genannt und durch den Stier dargestellt. Verzeichnet die Börse einen Abschwung, dann sprechen die Börsianer von „Baisse“, und stellen das durch einen Bären dar. Die Börse ist nicht von der Konjunktur abhängig, sie folgt ihren eigenen Gesetzen. Oftmals reichen schon Gerüchte, um einen Kurs von Aktien steigen oder sinken zu lassen, und wenn bekannte international agierende Unternehmen Gewinne oder Verluste nur ankündigen, dann geraten die Kurse an den großen Börsen dieser Welt in Bewegung.

Hysterie und Panik

An den Börsen geht es mitunter turbulent zu, wie zum Beispiel 1999, als am sogenannten Neuen Markt, der deutschen Technologiebörse in Frankfurt, eine regelrechte Verkaufshysterie ausbrach. Anleger zeichneten oder orderten Aktien von Firmen, die sie nicht einmal kannten. Panik brach hingegen 1929 am berühmten „Schwarzen Freitag“ aus, als Aktien verkauft wurden und die Wirtschaft weltweit zusammenbrach.

Bild: © Depositphotos.com / luislouro

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.