Was passiert, wenn eine Immobilienblase platzt? » Finanzen Heute

Was passiert, wenn eine Immobilienblase platzt?

Die Immobilienpreise steigen und die Zinsen sind so niedrig wie lange nicht mehr – diese beiden Tatsachen bilden eine Konstellation, die vor allem Investoren gefällt. Sie können mit der Hilfe von billigen Krediten nicht nur Häuser und Grundstücke, sondern auch Eigentumswohnungen kaufen, um sie dann für sehr viel Geld wieder zu verkaufen. Auch viele Familien nutzen die günstigen Zinsen, um sich den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen. Das, was wie ein regelrechter Boom aussieht, kann nach Ansicht von Finanzexperten zu einer gefährlichen Immobilienblase werden.

Was ist eine Immobilienblase?

Eine Immobilienblase funktioniert vereinfacht gesagt wie eine Kaugummiblase, die plötzlich platzt und in sich zusammenfällt, wenn sie zu lange aufgeblasen wird. Auf dem Immobilienmarkt ist das immer dann der Fall, wenn es zu einer sogenannten Überbewertung kommt, und wenn die Preise für Häuser, Wohnungen und Grundstücke in einem sehr kurzen Zeitraum sehr stark ansteigen, dann einen Höhepunkt erreichen, um danach wieder zu fallen. Tritt diese Situation ein, dann müssen die Investoren um ihre Anlageprodukte fürchten, sie versuchen dann die Häuser und Wohnungen so schnell wie eben möglich, wieder zu verkaufen, möglichst bevor die Blase platzt. Zuletzt ist das 2007 in den USA der Fall gewesen, und als die Immobilienblase dann platzte, war die ganze Weltwirtschaft davon betroffen, es kam zu einer internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise.

Wie hoch ist die Gefahr für Deutschland?

Finanzminister Wolfgang Schäuble spricht von einer „gefährlichen Entwicklung“ angesichts der Immobilienpreise, die sich in einigen Regionen fast verdoppelt haben. Viele Experten sehen allerdings keine Gefahr, denn die Banken in Deutschland würden anders als viele Banken in den USA, die Bonität ihrer Kunden deutlich strenger und gewissenhafter bewerten. Zur Immobilienblase in den USA kam es, weil es zu lasche Kreditauflagen und zu schnell steigende Immobilienpreise gab, die zum Teil sehr deutlich über dem eigentlichen Wert der jeweiligen Immobilien lag. In der Folge platzte dann die Immobilienblase, denn die Hauseigentümer konnten die stetig steigenden Kreditzinsen nicht mehr zahlen, und über die Banken brach eine wahre Flut von Immobilien herein, deren Wert jedoch weit unter dem ursprünglich gezahlten Kaufpreis lagen.

Die Banken sind vorsichtig

Wer in Deutschland einen Kredit für den Bau oder den Kauf eines Hauses aufnehmen will, der muss eine bestimmte Summe Eigenkapital mitbringen, damit die Bank grünes Licht gibt. Auf diese Weise fällt ein eventueller Werteverlust zu Lasten des Eigentümers und nicht zu Lasten der Bank. Dazu kommt, dass in Deutschland im Gegensatz zu den USA der Anteil derer, die in einen eigenen Haus wohnen und denen, die zur Miete wohnen, beinahe gleich groß ist. Wenn es zu einer Immobilienblase kommen sollte, dann sind weitaus weniger Menschen davon betroffen. Gefährlicher wird es in anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel Italien, wo die Zahl der Hauseigentümer bei fast 90 % liegt. Der Grund, warum es in Deutschland zu einem Gleichgewicht kommt, liegt vor allem daran, dass in Deutschland, gemessen am internationalen Vergleich, eher geringe Mieten gezahlt werden.

Eine sichere Geldanlage

Da deutsche Immobilien im Ausland einen sehr sicheren und zuverlässigen Ruf haben, werden sie für Anleger und Investoren immer interessanter. Die Investoren spekulieren mittlerweile darauf, dass die heute noch günstigen Mieten trotz der gesetzlichen Mietpreisbremse weiter ansteigen werden. Diese gar nicht so günstige Entwicklung bereitet Sorgen. Vor allem in den großen Städten wie Hamburg, München, Köln oder Berlin liegen die Preise schon heute um ein Viertel über ihrem eigentlichen Wert. Sollte es zu einer deutschen Immobilienblase kommen und wenn diese Blase dann platzt, wird der Schaden nicht ganz so gravierend sein, wie das 2007 der Fall war, aber einige Eigentümer von Wohnungen und Häusern würden gut ein Viertel ihres Geldes verlieren, was sie in Immobilien investiert haben.

Bild: © Depositphotos.com / klublub

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.