Wie gefährlich ist die Wirtschaftsmacht China?

Wie gefährlich ist die Wirtschaftsmacht China?

Die Wirtschaftsmacht China macht vielen Angst, aber ebenso viele profitieren auch von ihr. China hat sich im Laufe der letzten 15 Jahre als ein sicherer Partner für deutsche Firmen erwiesen, und auch die EU war voll des Lobes, wenn es darum ging, China als soliden Handelspartner darzustellen. Jetzt hat der Wind offenbar gedreht, denn die Wirtschaftsmacht China ist in der EU gar nicht mehr so beliebt und auch deutsche Unternehmen üben sich mehr und mehr in Zurückhaltung. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel war das offensichtlich ein Zeichen, wieder nach China zu reisen und für Deutschland als Handelspartner zu werben.

Ein unfairer Wettbewerb

Die Kanzlerin wurde auf ihrer Reise nach China von einer Delegation hochrangiger Wirtschaftsbosse begleitet, die hofften, dass Angela Merkel endlich ein Machtwort spricht, denn viele Unternehmer wollen nicht mehr mit China zusammenarbeiten. Die Klagen reichen unter anderem von unsicheren Rechtslagen im Reich der Mitte über willkürliche Regulierungsmaßnahmen bis zum Schutz von geistigem Eigentum und auch zur Korruption, die vielen deutschen Firmen schwer zu schaffen macht. Noch nie war die Stimmung zwischen den europäischen Firmen und der Wirtschaftsmacht China so frostig und so pessimistisch, wie das aktuell der Fall ist. Immer wieder geht es um Diebstahl von geistigem Eigentum, beispielsweise bei bestimmten Designs. Die Firmen fühlen sich von der Politik alleingelassen und kaum ein Unternehmen wagt noch zu hoffen, dass Merkel Klartext redet.

China investiert

Die Wirtschaftsmacht China sorgt immer wieder dafür, dass Unternehmen aus Europa es schwer haben, Geschäfte abzuschließen. Es gibt unsinnige Behördenauflagen, die weitverbreitete Korruption und vieles klappt nur noch durch Beziehungen. Auf der anderen Seite stehen den Investoren aus China in Europa alle Türen sperrangelweit offen. Sie investieren und kauften zum Beispiel den italienischen Traditionsverein Inter Mailand oder den Flughafen Frankfurt-Hahn. Die EU zeigt sich „besorgt“, aber die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Alleine 2015 hat die Wirtschaftsmacht China in Europa für 20 Milliarden Euro investiert, das sind 44 % mehr als 2014. Die EU hat in China im vergangenen Jahr hingegen nur für 9,3 Milliarden investiert, das sind knapp zehn Prozent weniger als noch 2014.

Die USA wollen Reformen

Nicht nur Europa hat Probleme mit der Wirtschaftsmacht China, auch in den USA regt sich immer mehr Unwillen. Anders als Angela Merkel hat der amerikanische Finanzminister Jack Lew sich nicht auf diplomatische Floskeln beschränkt, sondern tatsächlich Klartext gesprochen. Nach Ansicht der USA steht die Wirtschaftsmacht China bei den Marktreformen in der Bringschuld und die Chinesen müssen die Branchen, die Überkapazitäten haben, endlich unter Kontrolle bringen. Besonders deutlich wird die schlechte Situation in der Aluminium- und Stahlbranche, wo der Wettbewerb mittlerweile stark verzerrt ist, was wiederum einen nahezu zerstörenden Charakter auf den Welthandel hat.

Die Chinesen reagieren

Der Druck von Seiten der USA und der EU steigt langsam, aber sicher an und die Chinesen können die anhaltende Kritik nicht mehr länger ignorieren. So will der chinesische Vizepremierminister Wang Yang eine Negativliste veröffentlichen, auf der nur sehr wenige Bereiche aus der Wirtschaft genannt werden, zu denen Investoren aus dem Ausland keinen Zugang haben. Das würden die Handelspartner in Europa und den Vereinigten Staaten sehr begrüßen, aber sie wollen noch mehr. So verlangen sie von den Chinesen wirtschaftliche Reformen, denn nur auf diese Weise würde verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewonnen werden. Gefordert werden wahre Meilensteine und vor allen Dingen auch konkrete und verbindliche Zeitpläne für die Umsetzung der Reformen.

Ob es gelingt, das zunehmend schlechte Verhältnis zwischen der Volksrepublik China und den Partnern aus den USA und Europa wieder zu kitten, das muss sich in den nächsten Monaten zeigen. Sollte dies jedoch nicht gelingen, dann wird das für alle einen negativen Effekt haben.

Bild: © Depositphotos.com / digitalstorm


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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.