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Wie teuer wird der Brexit für die Briten?

Heute es so weit, die Briten dürfen darüber abstimmen, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht. Die Insel ist gespalten, die einen wollen den Brexit, weil sie einfach keine Lust mehr haben, nach der Pfeife der Europäischen Union tanzen, die anderen fürchten den Brexit, weil sie Angst haben, dass es für Großbritannien wirtschaftliche Verluste geben wird. Aktuell haben die Befürworter des EU-Austritts einen knappen Vorsprung, vielleicht auch deshalb, weil sie der Ansicht sind, dass eine weitere Mitgliedschaft in der EU für die Briten viel zu teuer wird.

Mit dem Brexit raus aus dem Verein

Der ehemalige Bürgermeister von London, Boris Johnson, vergleicht die EU gerne mit einem Verein, für den sich die Mitgliedsbeiträge nicht mehr lohnen. Die Briten zahlen 25 Milliarden Euro pro Jahr, so Johnson, nur um die Kontrolle über ihre Grenzen zu verlieren? Viele denken wie er, sie sehen keine Vorteile mehr in der Mitgliedschaft und sprechen von einem schlechten Deal. Wie viele Krankenhäuser könnten in Großbritannien gebaut werden, wenn da nicht die riesigen Summen wären, die an die EU gezahlt werden müssen? Auch das ist ein Argument, was die Brexit-Befürworter gerne verwenden, und auf der Webseite der „I´am OUT“ Fraktion steigen im Sekundentakt die Kosten, die die Mitgliedschaft in der EU verursacht.

Einer der größten Zahler

Rund ein Zehntel der Einnahmen für die EU stammen aus Großbritannien, nur Deutschland und Frankreich zahlen noch mehr in die europäische Gemeinschaftskasse ein. Das Königreich überweist mittlerweile mehr Geld als es von der EU bekommt, und das ist das wohl stärkste Argument für diejenigen, die den Brexit wollen. Die Zahlen sehen jedoch etwas anders aus, wenn sie an der Größe der Bevölkerung gemessen werden. Dann sind die Mitgliedsbeiträge nicht mehr ganz so hoch, da jeder Brite rund 76,- Euro an die EU zahlen muss, in Deutschland sind es pro Kopf 152,- Euro, Niederländer und Schweden zahlen sogar noch mehr. Die Briten haben es Margret Thatcher zu verdanken, dass sie relativ wenig zahlen, denn 1984 hatte die „Eiserne Lady“ den sogenannten „Briten Rabatt“ ausgehandelt, weil die Briten weniger Landwirtschaft betreiben als die anderen Mitgliedsstaaten. Wer wenig Landwirtschaft betreibt, der bekommt, so die damalige Premierministerin, auch weniger Subventionen von der EU.

Ein schlechter Deal

Als die EU sich auf den Deal mit Maggie Thatcher einließ, hat sie den übrigen Mitglieder einen sehr schlechten Dienst erwiesen. Deutschland, Frankreich, Italien und auch Spanien mussten die Ausgaben übernehmen, die die Briten nicht mehr wollten und hatten fast alleine die Last zu tragen. Großbritannien zahlt jedes Jahr sehr viel Geld in den Gemeinschaftstopf der EU ein, aber relativ gesehen ist diese Summe, für die Inselbewohner aufkommen müssen, immer noch gering. Länder wie Polen oder Ungarn profitieren am meisten von den Zahlungen der Europäischen Gemeinschaft und beide Länder sind ausgesprochen EU-kritisch eingestellt. Trotzdem kommt in diesen Ländern keiner auf die Idee, aus der EU auszutreten. Viele Briten wollen den Brexit auch aus diesem Grund, denn sie fühlen sich gegenüber Staaten wie Polen und Ungarn ungerecht behandelt.

Nicht alle wollen raus

Nicht alle Briten wollen einen Brexit, die Waliser, die Schotten und auch die Nordiren möchten gerne in der EU bleiben. Kein Wunder, denn zwischen 2014 und 2020 wird alleine Wales zwei Milliarden von der EU bekommen, Nordirland bekommt 500 Millionen und die Schotten, die für ihre Sparsamkeit bekannt sind, können sich über 900 Millionen Euro von der EU freuen. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Einwohner der Insel Angst vor einem Brexit haben, die Schotten wollen sogar umgehend eine neue Abstimmung ins Leben rufen, wenn es zum Austritt kommen sollte und sich dann für unabhängig erklären.

Bild: © Depositphotos.com / Gutzemberg

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.