Bargeld abschaffen – kommt bald die digitale Zahlung? » Finanzen Heute

Bargeld abschaffen – kommt bald die digitale Zahlung?

Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank träumt von einer Welt ohne Bargeld, die Deutschen wollen diesen Traum allerdings nicht teilen, denn mehr als 90 % der Bundesbürger wollen weiter ihre Münzen und Scheine in der Geldbörse haben. Auch Jens Weidmann, der Präsident der Bundesbank plädiert für das bare Geld, betrachtet die Pläne der EZB aber mit großer Sorge. Die Deutschen davon zu überzeugen, statt mit Bargeld mit dem Smartphone oder der Computeruhr zu bezahlen, wird sehr schwer werden, denn im internationalen Vergleich liegen die Deutschen, was das Bargeld angeht, einsam an der Spitze.

Noch nicht aktuell

Das Bargeld abschaffen – das steht in Deutschland noch nicht zur Diskussion, denn der Verbraucher hat lieber die Münzen als das Smartphone in der Hand, wenn es ums Bezahlen geht. Wie sehr die Deutschen sich dagegen wehren, das zeigt auch eine neue Statistik, die besagt, dass knapp 80 % aller Transaktionen mit Bargeld durchgeführt werden. Auch wenn es ums Einkaufen geht, sind die Deutschen eher konservativ, denn 53 % bezahlen ihre Einkäufe in bar. Auch die Verbraucherschützer haben ihre Zweifel, ob es eine gute Entscheidung ist, wenn die EZB das Bargeld abschafft, denn die Deutschen sind noch sehr weit davon entfernt, im Alltag auf das bare Geld zu verzichten.

Das Bargeld abschaffen – die Nachteile

Das Bargeld abschaffen bringt nach Ansicht der Mehrzahl der Deutschen nur Nachteile. So fürchten sich viele davor, dass mobile Bezahlverfahren gehackt und ihre sensiblen Daten dann zu kriminellen Zwecken missbraucht werden. Die Deutschen macht außerdem nervös, dass die Anonymität verloren geht, denn nur wenn bar bezahlt wird, dann bleiben keine Datenspuren zurück. Das Bargeld abschaffen will aber auch John Cryan, der Chef der Deutschen Bank, er ist sich sicher, dass in spätestens zehn Jahren Münzen und Scheine endgültig der Vergangenheit angehören werden. Der Brite ist der Meinung, dass Cash Zahlungen auf Dauer zu teuer und zu ineffizient sind. Wer gerne auf dem Flohmarkt einkauft oder viel Taxi fährt, der wird sehr wahrscheinlich anders denken, denn in diesen Situationen des täglichen Lebens sind die Münzen und Scheine nicht zu ersetzen.

Eine aufwendige Sache

Diejenigen, die das Bargeld abschaffen wollen, haben treffende Argumente. So wird eine Abschaffung immer wieder gerne damit begründet, dass die Versorgung mit barem Geld sehr aufwendig ist. Im vergangenen Jahr hat die Bundesbank Banknoten im Wert von knapp 500 Milliarden Euro und Münzen im Wert von knapp vier Milliarden Euro herausgegeben. Aufwendig ist auch das Prüfungsverfahren, um festzustellen, ob die Scheine auch wirklich echt sind, was bis zu elf Mal im Jahr geschieht. Geld kosten zudem die Scheine, die aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie zu beschädigt sind. 2015 wurden Scheine im Wert von 15 Milliarden Euro bearbeitet, rund eine Milliarde davon musste vernichtet werden.

Ist der 500,- Euro Schein schon der Ausstieg?

Keiner wird entmündigt, nur weil die EZB das Bargeld abschaffen will, aber viele fühlen sich schon jetzt genau so, denn der 500,- Euro Schein gehört bald der Vergangenheit an. Im Mai hatte die Europäische Zentralbank die Abschaffung des größten der sieben Euroscheine beschlossen, um so die Finanzierung des Terrors und auch die Schwarzarbeit deutlich zu erschweren. Die großen Scheine bleiben aber weiter im Umlauf und können nach wie vor unbegrenzt umgetauscht werden. Offensichtlich wollen viele Deutsche den 500,- Euro Schein nicht, denn sie beginnen schon damit, den großen Geldschein gegen kleinere Scheine einzutauschen. Mario Draghi versichert, dass die Entscheidung, den größten Euroschein aus dem Verkehr zu ziehen, nichts damit zu tun habe, das Bargeld komplett abzuschaffen. So soll auch die nächste Generation der Euroscheine, die jetzt mit neuen Sicherheitsmerkmalen versehen wird, wieder sowohl den 100er als auch den 200er Schein enthalten.

Bild: © Depositphotos.com / Gajus-Images

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.