Rente mit 73 – IW Prognose sorgt für Aufregung

Veröffentlicht: 18. Juli 2016 | 10:37 Uhr
Rente mit 73 – IW Prognose sorgt für Aufregung

Der Satz „Die Rente ist sicher“ vom damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm liest sich heute wie ein schlechter Witz. Heute sind weder die Rente noch das Renteneintrittsalter sicher und wenn es nach dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln geht, dann werden in 25 Jahren die Deutschen erst die Rente mit 73 Jahren genießen. Zurzeit ist es Arbeitnehmern möglich, mit 65 in Rente zu gehen und wer 40 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, der kann auf Wunsch auch mit 63 aufhören zu arbeiten, und zwar ohne Abschläge, aber diese Zeiten werden wohl sehr bald vorbei sein.

Die Unterschiede sind zu groß

Das IW hat ausgerechnet, dass es in Zukunft immer weniger Arbeitnehmer und damit auch Beitragszahler für die Rentenkasse auf der einen Seite und immer mehr Rentner auf der anderen Seite geben wird. Gleichzeitig werden die Rentenzahlungen des Staates steigen und das bringt das komplette Rentensystem vollkommen aus dem Gleichgewicht. Das IW hat zudem untersucht, wie sich sehr drastische Kürzungen der Renten oder ein vollständiges Rentendesaster vermeiden lassen. Die Experten sind zu der Erkenntnis gekommen, dass das heutige Verhältnis von drei Arbeitnehmern, die einen Rentner finanzieren, nach Möglichkeit stabil bleiben muss.

Kann die Zuwanderung helfen?

Die Politik versucht immer wieder, die Deutschen davon zu überzeugen, dass die steigende Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden dabei helfen kann, die Renten zu stabilisieren, in Wirklichkeit ist leider das Gegenteil der Fall. Eine zu niedrige Geburtenrate, das Altern der geburtenstarken Jahrgänge und die stetig steigende Lebenserwartung werden dazu führen, dass der Anteil der Deutschen, die 67 Jahre oder älter sind, bis 2030 um ein Drittel zunehmen wird. Diese Entwicklung kann nicht einmal eine starke Zuwanderung kompensieren. Dazu kommt, dass auch viele der heutigen Flüchtlinge in den nächsten Jahren ins Rentenalter kommen, eine Rente bekommen und genau das kann die Rente dann endgültig zum Kollabieren bringen.

Das Rentenalter steigt

In der nahen Zukunft werden immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren. Um diese Arbeitnehmer aber nicht über Gebühr zu belasten, hat die Politik bereits reagiert und mit dem sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenanpassungsformel sowie dem Anheben des Rentenalters praktisch die Notbremse gezogen. Das führt dazu, dass das Rentenniveau auf lange Sicht gesehen sinkt, da immer mehr Rentner einer Zahl von Beitragszahlern gegenüber stehen, die ständig abnimmt. Wenn die Rente mit 73 kommt, dann würde das dieser Entwicklung entgegen wirken. Die Rente mit 73 kann dann dabei helfen, dass das Größenverhältnis konstant bleibt, und zwar zwischen der Generation, die arbeitet und der Generation, die in Rente geht.

Rente mit 73 schon ab 2041

Wenn sich das Größenverhältnis zwischen den heutigen Arbeitnehmern und den Rentnern nicht mehr verändert, dann könnte das Rentenniveau gehalten oder vielleicht sogar verbessert werden. Eine Voraussetzung wäre aber, dass sowohl die wirtschaftlichen Bedingungen als auch die Entwicklung der Löhne weiter günstig sind. Da das aber kaum vorher zu sagen ist, muss das Renteneintrittsalter weiter steigen, und zwar von jetzt 65 auf 69 im Jahr 2030, auf 71 im Jahre 2035 und 2040 gibt es dann die Rente mit 73.

Kaum Handlungsspielraum

Das IW kommt zu einer düsteren Prognose, denn die weitere demografische Entwicklung lässt so gut wie keinen Spielraum mehr. Das Rentenniveau bei einer gleichbleibenden Beitragsbelastung kann nur dann verwirklicht werden, wenn das Regelrentenalter stark angehoben wird. Die Rente mit 73 wird die heute junge Generation treffen. Wenn das zur Realität wird, was das IW prognostiziert, dann kann ein Arbeitnehmer, der heute 40 Jahre alt ist und eine Lebenserwartung von knapp 80 Jahren hat, seine zukünftige Rente nur sieben Jahre genießen. Frauen haben hingegen eine höhere Lebenserwartung und somit etwas mehr Zeit, sich an der Rente zu erfreuen.

Bild: © Depositphotos.com / DepositNovic

Das könnte Sie auch interessieren:

Betriebliche Altersversorgung: Nur wenige „Totalverweigerer“ Mülheim a.d. Ruhr (ots) - Die Bedeutung von Betriebsrenten ist auch bei Klein- und Mittelbetrieben wesentlich größer als es oft den Anschein hat. Das hat jetzt eine repräsentative Studie des Beratungsunternehmens Aon Hewitt ergeben. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber schätzen die betriebliche Altersversorgung als Sozialleistung. Bei beiden Gruppen stimmte die Hälfte der Befragten einem solchen Statement zu. Hingegen sind diejenigen, die lieber stattdessen mehr Lohn/Gehalt hätten (19,1 %) bzw. als Arbeitgeber alles bar auszahlen würden (3,8 %) ganz klar in der Minderheit. Mangelnde Inform...
Weltverbrauchertag: Deutsche Rentenversicherung informiert und berät auf … Berlin (ots) - Ob persönlich, telefonisch oder elektronisch - das neutrale Informationsangebot der Deutschen Rentenversicherung in Sachen "Rente, Rehabilitation und Altersvorsorge" ist vielfältig und steht kostenlos zur Verfügung. Hierauf weist die Deutsche Rentenversicherung Bund in Berlin anlässlich des morgigen Weltverbrauchertages hin. Wer persönliche Beratung oder Hilfe bei der Antragstellung sucht, kann sich an eine der 163 Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung wenden. Von der Möglichkeit, sich dort von einem der über 1.700 Mitarbeiter informieren und beraten z...
Digitale Barrierefreiheit Berlin (ots) - Bis September 2018 muss Deutschland die EU-Richtlinie für barrierefreie Webseiten und Apps öffentlicher Stellen umsetzen. Der Deutsche Behindertenrat (DBR) sieht darin Chancen und fordert, die Potenziale der Richtlinie voll auszuschöpfen. Doch nun drohen aufgrund des deutschen Umsetzungsgesetzes sogar Verschlechterungen. Der DBR warnt. "Das Umsetzungsgesetz ermöglicht den öffentlichen Stellen des Bundes weite Ausnahmeoptionen bei der Pflicht zur Barrierefreiheit. So besteht die Gefahr, hinter bereits erreichte Standards zurückzufallen. Und das war sicher nicht das Ziel der EU-Ri...

Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.