Ist Italien der Auslöser einer neuen Finanzkrise? » Finanzen Heute

Ist Italien der Auslöser einer neuen Finanzkrise?

Die Italiener befinden sich mitten in einer Bankenkrise, aber bis der Internationale Währungsfonds Alarm schlug, nahm das irgendwie keiner so richtig wahr. Jetzt wird klar, Italien ist weitaus schlimmer als Griechenland und stellt aktuell das wohl größte Risiko für Europa dar. Die italienischen Banken stehen unter einem enorm großen Druck, denn sie haben einige faule Kredite in ihren Geschäftsbüchern und diese Kredite sind milliardenschwer. Italiens Regierung würde den Banken gerne helfen, aber das würde gegen die Regeln der EU verstoßen.

Der IWF und die neue Finanzkrise

Die Aufgabe des Internationalen Währungsfonds IWF ist es, der Finanzwelt die nötige Stabilität zu verleihen. Jetzt, vor der drohenden Finanzkrise in Italien, hat es aber den Anschein, als würde der IWF die Krise noch schüren. Erst kurz bevor die Briten über den Verbleib in der EU abgestimmt haben, wurde vom IWF ein mehr als dramatischer Bericht veröffentlicht, der die Briten davon abhalten sollte, sich gegen Europa zu entscheiden. Die Bürger in Großbritannien haben sich aber nicht vom IWF Report einschüchtern lassen und für den Austritt gestimmt, jetzt sorgt der Horrorbericht bei erfahrenen Ökonomen für eine tiefe Unsicherheit.

Ein falsches Timing

Der Brexit war schon schlimm genug, aber was der IWF jetzt macht, ist bestenfalls falsches Timing, denn mitten in der neuen Finanzkrise veröffentlicht der Internationale Währungsfonds eine Beurteilung Italiens, und dieses Dokument könnte dafür sorgen, dass die EU von einer neuen, weitaus schlimmeren Krise geschüttelt wird. Der IWF ist der Meinung, dass Italien eine sehr große Gefahr für Europa darstellt und es handelt sich hierbei nicht nur einfach um eine erneute Finanzkrise, sondern vielmehr um „monumentale Herausforderungen“, so der IWF. Gelöst werden kann diese Finanzkrise nur durch eine Regelverletzung der erst kürzlich eingeführten neuen Bankenrichtlinie für Europa. Das ist aber noch nicht alles, denn diese Maßnahme allein wird Italien nicht retten können, das Land im Süden von Europa ist auf die anderen Partner in der Gemeinschaft angewiesen.

Was ist in Italien passiert?

Neben Frankreich und Deutschland galt Italien in den vergangenen zwei Jahrzehnten als ein verlässlicher Partner innerhalb der EU, aber der Eindruck täuscht. Während die Partner in diesem Zeitraum kontinuierlich um bis zu 25 % gewachsen sind, konnte Italien nur ein eher geringes Wachstum aufweisen, und als dann noch wackelige Bilanzen dazu kamen, wurde das Land zu einer Quelle für Unsicherheiten auf dem Finanzsektor. Dazu kommt eine sehr hohe Staatsverschuldung von 135 %, die nicht unbedingt für ein Vertrauen steht, und auch die Banken des Landes sind zu einem immer größeren Problem geworden. Es gibt einige problematische Kredite, die sich mittlerweile auf eine Summe von 360 Milliarden Euro belaufen, und das verschafft Italien eine so miese Quote, die nur von Griechenland übertrumpft wird.

Das Spargeld ist in Gefahr

Italien muss seine Banken rekapitalisieren, aber das stellt große Schwierigkeiten dar, da die gültigen Bankenrichtlinien diese Form von finanzieller Hilfe nicht erlauben. Zuerst werden die privaten Gläubiger und Eigentümer in die Pflicht genommen, die für acht Prozent des Schadens aufkommen müssen. Damit soll verhindert werden, dass wieder alles nur auf die Steuerzahler abgewälzt wird, die einmal mehr die Banken retten sollen. In diesem Moment erreicht die italienische Finanzkrise auch die kleinen Sparer, denn viele haben aufgrund der geringen Zinsen ihr Geld vom Girokonto abgehoben und in Bankanleihen umgetauscht. Knapp 40 % der Bankanleihen werden von den kleinen Sparer gehalten und sie werden, dank der Regeln aus Brüssel, als Erste zur Kasse gebeten. Wenn es so weit kommt, dann würden die kleinen Geldanleger in Italien rund 31 Milliarden Euro verlieren, und das wiederum würde den politischen Frieden des Landes empfindlich stören, befürchten Beobachter. Jetzt gilt es, eine solidarische Lösung für die italienischen Probleme zu finden und das möglichst schnell.

Bild: © Depositphotos.com / Ruletkka

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.