Dessous aus Frankreich – immer mehr Hersteller geraten unter Druck

Veröffentlicht: 3. August 2016 | 20:00 Uhr
Dessous aus Frankreich – immer mehr Hersteller geraten unter Druck

Nirgendwo in Europa geben Frauen und auch Männer so viel Geld für schöne Unterwäsche aus wie in Frankreich. Unser Nachbar ist so etwas wie das Mutterland der raffinierten Wäsche, und wenn es qualitativ hochwertige Wäsche sein soll, dann kommen nur Dessous aus Frankreich infrage. Aber die Dessous-Industrie in Frankreich steht vor massiven Problemen, denn immer mehr Hersteller gehen in Konkurs oder stehen vor der drohenden Insolvenz. Viele Wirtschaftsexperten sind sich sicher, dass der Exodus bereits begonnen hat.

Französische Dessous – raffiniert und sexy

Es gibt sie in sündigem Rot, in verführerischem Schwarz, verziert mit kostbaren Spitzen, mit Polstern an den strategisch wichtigen Stellen, aus Seide oder Satin – Dessous aus Frankreich sind der Inbegriff für schöne Unterwäsche und das schon seit mehr als 100 Jahren. In diesem Jahr wird der 70. Geburtstag des Bikinis gefeiert, der von Louis Réard erfunden wurde und der heute nicht mehr wegzudenken ist. Unterwäsche und Bademode aus Frankreich haben weltweit einen hervorragenden Ruf und Lingerie-Marken wie La Perla, Etam oder Princesse Tam-Tam werden überall auf der Welt gerne getragen, denn sie stehen für höchste Qualität. Jetzt muss eine ganze Branche aber ums Überleben kämpfen, denn die Chinesen sind auf dem Vormarsch.

Die Gefahr der Billigmarken

Schon seit einigen Jahren gehen die Umsätze der bekannten Dessous-Hersteller in Frankreich mehr und mehr zurück. Immer stärker drängen Billigmarken aus China nach Europa, der Markt wird immer mehr zum Kriegsschauplatz. Die Hersteller der exquisiten Dessous aus Frankreich sind einem extremen Druck ausgesetzt, dem viele einfach nicht mehr standhalten können. So mussten bereits Standorte geschlossen werden, Traditionsunternehmen mussten Konkurs anmelden und viele sind von der Pleite bedroht. Ein trauriges Beispiel ist Huit, ein Unternehmen für Dessous und Bademoden aus dem bretonischen Rennes. Die Firma gibt es bereits seit 1968 und sie musste in diesem Frühjahr ein Insolvenzverfahren einleiten. Das ist nicht das erste Mal, dass Huit in Bedrängnis ist, denn schon 2010 stand das Unternehmen vor dem Ruin. Damals konnte die Pleite noch abgewendet werden, jetzt wird das aber nicht mehr gelingen.

Auch die Zulieferer sind betroffen

Es sind nicht nur die Hersteller der Dessous aus Frankreich, die zu kämpfen haben, auch die Zulieferindustrie ist von der Konkurrenz aus China betroffen. Besonders in der Umgebung von Calais befinden sich viele Betriebe, die unter anderem die feinen Spitzen für die Dessous aus Frankreich liefern. So stand der Zulieferbetrieb Desseilles, der unter anderem auch für La Perla arbeitet, schon kurz vor dem Zusammenbruch und wurde letztendlich an ein Unternehmen aus China verkauft. Auch Condentel, ebenfalls ein Unternehmen, das hauchzarte Spitzen für Victoria´s Secret und den berühmten Designer Christian Lacroix produziert, konnte nur durch einen Verkauf gerettet werden.

Wissen geht verloren

Es sind nicht nur die sinkenden Umsatzzahlen, die den Dessous-Herstellern in Frankreich Sorgen bereiten, es ist auch die Sorge, dass Handwerkskunst, die es seit Jahrhunderten gibt, in Vergessenheit geraten könnte. Vor allem in Calais und Caudrey gehört das Klöppeln von zarten Spitzen zu den traditionellen Handwerksberufen und vielfach wird die Kunst des Klöppelns seit sehr langer Zeit von Generation zu Generation weitergegeben. Damit diese Kunst, die die Dessous aus Frankreich erst ausmacht, gerettet werden kann, gibt es jetzt ein neues Geschäftsmodell, bei dem sich die großen Modehäuser an den Handwerksbetrieben finanziell beteiligen. Diesen Weg ist zum Beispiel Chanel gegangen, denn dort ist man sehr daran interessiert, dass das historische Handwerk für die Herstellung von Spitzen erhalten bleibt. Chanel hat sich zu einer Beteiligung des bekannten Herstellers Sophie Hallette entschlossen. Auch Luxusunternehmen wie Hermès und LVMH, ein Konzern, zu dem unter anderem auch Louis Vuitton gehört, investieren in kleine Ateliers, die Spitzen für die Dessous aus Frankreich herstellen.

Bild: © Depositphotos.com / amuzica

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Ulrike Dietz

Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.