Ist die Zeit der Bausparverträge endgültig vorbei? » Finanzen Heute

Ist die Zeit der Bausparverträge endgültig vorbei?

Totgesagte leben bekanntlich länger, aber das gilt offensichtlich nicht für die knapp 30 Millionen Bausparverträge, die es in Deutschland gibt. Die Idee, die hinter dem Modell Bausparen steht, verliert immer mehr ihren Reiz und schuld an diesem Niedergang sind einmal mehr die extrem niedrigen Zinsen. Bausparen ist unattraktiv geworden und das zwingt die Anbieter von Bausparverträgen dazu, die Notbremse zu ziehen und vielen Bausparern die Verträge zu kündigen. Betroffen sind davon vor allem die Bausparverträge, die zehn Jahre und älter sind, denn sie wurden zu deutlich besseren Konditionen abgeschlossen und kosten die Anbieter heute zu viel Geld.

Eine Geldanlage für Spießer

Bausparen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg modern, denn damals war Wohnraum sehr knapp und den Menschen sollte mit einem Bausparvertrag die Möglichkeit gegeben werden, Besitzer eines eigenen Heims zu werden. Einen Boom erlebte das klassische Bausparen in den 1960er Jahren, 20 Jahre später galt das Traditionsmodell hingegen als angestaubt, spießig und wenig effektiv. Selbst wenn den Bausparkassen vor rund 30 Jahren die Kunden verloren gingen, so dramatisch wie die Lage momentan ist, war sie damals nicht. Die Anbieter von Bausparverträgen werden durch die Zinspolitik der EZB gleich doppelt bestraft, denn auf der einen Seite müssen sie gezwungenermaßen an den hohen Zinsen der Altverträge festhalten, auf der anderen Seite schließen immer weniger Menschen einen Bausparvertrag ab, weil sie sich dank der niedrigen Zinsen auch bei der Bank Geld leihen können.

Kein Interesse mehr

Vorbei sind die Zeiten, in denen junge Leute zur Volljährigkeit einen Bausparvertrag geschenkt bekommen haben, heute sucht sich die Jugend einen anderen Weg, wenn sie Kapital anlegen möchte. Mit nur wenig eigenem Kapital und den günstigen Zinsen ist es auch der jungen Generation heute möglich, ein eigenes Haus zu bauen oder zu kaufen. Kaum jemand will noch einen Bausparvertrag unterschreiben und dann jahrelang auf die Zuteilung warten, billiges Geld gibt es mittlerweile bei jeder Bank. Das stellt die Bausparkassen vor weitere Probleme, denn sie müssten einen Anreiz für ihr Angebot bieten, aber das gelingt nicht mehr. Das Versprechen der Bausparkassen ist seit Jahrzehnten die Aussicht auf günstige Zinsen bei der Immobilienfinanzierung, aber das wäre heute nur dann der Fall, wenn in den nächsten zehn Jahren die Zinsen wieder deutlich nach oben gehen.

Das Problem der Altverträge

Im vergangenen Jahr haben die Bausparkassen rund 200.000 alte Verträge aufgekündigt, da diese Verträge mit hoher Verzinsung von den Kunden nur als Geldanlageform genutzt wurden. In diesem Jahr sind es bereits wieder 50.000 Altverträge und wie viele es bis zum Ende des Jahres noch werden, ist ungewiss. Die Kunden, die sich über die hoch verzinsten Bausparverträge freuen, sind über die Kündigung natürlich wenig erfreut, aber sie haben kaum Chancen, dagegen anzugehen. Es gab viele Klagen und in den meisten Fällen gaben die Gerichte den Bausparkassen recht, nur vereinzelt gewannen die enttäuschten Bausparer. Die Anbieter berufen sich auf ein Sonderkündigungsrecht, viele kamen ihren Kunden aber auch entgegen und vereinbarten einen Vergleich.

Haben Bausparverträge noch eine Zukunft?

Die Zukunft der Bausparkassen sieht nicht sonderlich rosig aus. Alleine die LBS musste 2015 mit einem Rückgang der Gewinne von 40 % oder zehn Millionen Euro leben, aber man setzt auf ein Sparprogramm und nicht auf Stellenkürzungen. Andere Anbieter wie zum Beispiel der Branchenriese Wüstenrot haben ebenfalls mit massiven Problemen zu kämpfen. Weitere Kündigungen sollen jetzt folgen und dabei haben die Bausparkassen nicht mehr länger ein Auge auf die ganz alten Bausparverträge geworfen, sie wollen auch die jüngeren Verträge genauer unter die Lupe nehmen. Verbraucherschützer sehen die Geschäftspolitik der Bausparkassen sehr kritisch, denn es zeigt sich, dass die Anbieter offenbar keine anderen Mittel als eine Kündigung haben, um die Probleme zu lösen.

Bild: © Depositphotos.com / agencyby

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.