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Wie bedrohlich ist China für die Weltwirtschaft?

In China wird immer weniger in die private Wirtschaft investiert und das riesige Reich der Mitte wird immer mehr zu einem Land, das zur Staatswirtschaft zurückkehrt. Dieses Prinzip, das nur auf Pump funktioniert, kann für andere Länder wie zum Beispiel auch für Deutschland, sehr ernste Konsequenzen haben. China will mit aller Macht eine Marktwirtschaft haben, wenn auch nur auf dem Papier und da die Chinesen in diesem Jahr 15 Jahre zur Welthandelsorganisation WTO gehören, muss die Europäische Union China den Status der Marktwirtschaft zuerkennen, aber noch zögert die EU.

Neue Zahlen, neue Probleme

Die EU hat einige Gründe, um China nicht den Status der Marktwirtschaft zu geben, denn das Land ist offensichtlich weiter den je von einer freien Marktwirtschaft entfernt. Das asiatische Riesenreich ist nach Ansicht von Experten eine Staatswirtschaft und in dieser Eigenschaft wird China zu einer echten Bedrohung für die Weltwirtschaft und das internationale Finanzsystem. Der primäre Grund für die Entscheidung der EU ist aber, dass es einen gewaltig großen Berg an Schulden gibt, der China immer mehr erdrückt. Auch wenn auf den ersten Blick alles seinen normalen Gang geht, der Eindruck täuscht, denn die Wirtschaftsleistung steigt zu langsam an.

Auf Kosten des Staates

Was Beobachter an der chinesischen Finanz- und Wirtschaftspolitik besonders beunruhigt, ist die Tatsache, dass es eine ständige Verschlechterung auf dem Sektor der privaten Investitionen gibt. Diese Investitionen sind wichtig für die Weltwirtschaft, aber die Zahlen alleine im Juni sind sehr enttäuschend. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die Zahl der Privatinvestitionen um 0,7 % zurückgegangen, im Gegenzug stiegen die Investitionen der Staatswirtschaft weiter an, und zwar um 24 %. Das heißt, das Wachstum der Wirtschaft in China wird nur noch von den Investitionen getragen, die der Staat tätigt und finanziert wird das Ganze dann mit hohen Krediten. Es ist nicht nur die Regierung in Peking, die die Weltwirtschaft in Gefahr bringt, es sind vor allem die Unternehmen, die sich im Besitz des Staates befinden.

Ein enormer Schuldenberg

Die Schulden der chinesischen Unternehmen belaufen sich nur im eigenen Land auf mittlerweile 150 %, in Europa und in den USA sind es immerhin noch 100 %. Wenn man die Schulden der Privatpersonen, des Staates und der Unternehmen zusammenrechnet, dann kommt man auf einen gewaltigen Schuldenberg im Wert von 280 % des Bruttoinlandsprodukts. Was aber für die Weltwirtschaft viel bedrohlicher ist, die stetig neuen Schulden bewirken für China immer weniger. Ein Finanzexperte von Morgan Stanley hat ausgerechnet, dass heute sechs Dollar an neuen Darlehen gebraucht werden, um ein Wachstum von nur einem einzigen Dollar zu erzeugen.

Was der Weltwirtschaft Sorgen bereitet

Es sind nicht die Schulden, die für die gesamte Weltwirtschaft eine Gefahr darstellen, es ist vielmehr die rasante Geschwindigkeit, mit der die Schuldenberge in die Höhe wachsen. Ein mahnendes Beispiel ist die Krise der Weltwirtschaft im Jahre 2007, als in den USA die Kreditblase platzte und die Finanzwelt gewaltig ins Schwanken geriet. Das größte Problem ist, dass die Firmen die Kredite zwar in einem großen Rahmen aufgenommen haben, jedoch immer weniger in der Lage sind, die Zinsen zu zahlen. Dabei geht es nicht um kleine Beträge, es geht sage und schreibe um die Summe von 1,3 Billionen US-Dollar. Die deutsche Wirtschaft wächst, wenn alles nach Wunsch läuft, eventuell um 50 Milliarden Dollar, aber wenn China, das für Deutschland so etwas wie ein Motor für die Konjunktur ist, ausfallen würde, dann hätte das erhebliche Konsequenzen. Es gibt sehr viele deutsche Firmen und Unternehmen, die in einem sehr großen Maß von den Exporten nach China abhängig sind und diese Unternehmen würden sehr schnell Schwierigkeiten bekommen, wenn die gewaltige Kreditblase im Reich der Mitte eines Tages platzt.

Bild: © Depositphotos.com / carloscastilla


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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.