Wie mit einem Steuertrick die Betriebsrente abkassiert wird

Wie mit einem Steuertrick die Betriebsrente abkassiert wird

Die Betriebsrente ist eine der stärksten Säulen der Rentenversicherung. Rund 15 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland profitieren von einer betrieblichen Rente, aber jetzt gerät diese Form der Rente mehr und mehr unter Druck. Ausnahmeweise ist einmal nicht die Europäische Zentralbank mit ihrer Null-Zins-Politik daran schuld, es ist vielmehr Finanzminister Wolfgang Schäuble, der bei den Unternehmen, die ihren Angestellten eine Betriebsrente zahlen, für viel Ärger sorgt. Schäuble nutzt einen Steuertrick, mit dem sich vortrefflich abkassieren lässt.

Die Unternehmen müssen sich etwas einfallen lassen

Die betrieblichen Renten bereiten den Unternehmen aktuell sehr große Sorgen, denn die Zinsversprechen, die es in der Vergangenheit gab, sind in der heutigen Zeit nicht mehr haltbar und auch die Möglichkeiten, am Kapitalmarkt Gewinne zu erwirtschaften, werden immer schwieriger. Die Unternehmen müssen sich daher etwas einfallen lassen und immer größere Rücklagen bilden, für die es aber anders als bei den Reisekosten oder den Kosten für betriebliche Feiern, keinerlei steuerliche Vergünstigungen gibt. Was jedoch noch schlimmer ist, die Finanzämter erheben Steuern auf Zinsgewinne, die nur fiktiv sind und auf diese Art und Weise wurden zwischen 2008 und 2014 rund 25 Milliarden Euro eingenommen. Der Hintergrund für diesen Steuertrick ist eine Sonderberechnung.

Die Rücklagen werden immer größer

Wenn es um die Betriebsrente geht, dann gibt es einen Grundsatz: Sollte eine Pensionskasse bei allen zukünftigen Beiträgen die Verzinsung kürzen, dann müssen die Arbeitgeber dafür einspringen. Wie viel Geld die Unternehmen in die Betriebsrente investieren, das orientiert sich immer am jeweiligen Marktzins, und wenn dieser Zinssatz hoch ist, wird es für die Unternehmen günstiger. Jetzt befinden sich die Zinsen aber tief im Keller und so müssen die Firmen immer mehr eigenes Kapital in die Pensionskassen füllen. So muss zum Beispiel Daimler das Vermögen für die betrieblichen Renten der Mitarbeiter um 1,8 Milliarden Euro aufstocken, denn nur so können die Ansprüche der Mitarbeiter auf eine Betriebsrente auf lange Sicht gesichert werden.

Das Finanzamt und die Betriebsrente

Es spielt im Grunde keine Rolle, wie viel Geld die Unternehmen in die Pensionskasse einzahlen, um damit die Betriebsrente der Angestellten abzusichern, das Finanzamt geht immer noch und nach wie vor von einem Marktzins von sechs Prozent aus. Das Finanzamt behauptet damit weiter, dass die Unternehmen satte Gewinne machen, wenn sie die Rücklagen investieren, obwohl das nicht mehr stimmt, da die EZB die Zinsen auf Null gestellt hat. Auch wenn die Gewinne nur noch auf dem Papier, aber nicht mehr in der Realität existieren, auf die Gewinne werden Steuern fällig. Für das Finanzamt ist das ein lohnendes Geschäft, für die Unternehmen hat es katastrophale Auswirkungen. Sie müssen in anderen betrieblichen Bereichen Geld einsparen, um die steuerlichen Lasten überhaupt tragen zu können.

Die Lage wird sich nicht ändern

Finanzexperten gehen davon aus, dass sich an der Null-Zins-Politik der EZB in den kommenden Jahren nichts ändern wird. Wenn das Finanzministerium nicht anfängt umzudenken und sich den realen Bedingungen anpasst, dann wird das in der Zukunft sehr viele Arbeitsplätze kosten. Besonders für die kleineren und mittelständischen Unternehmen, die die Steuern auf fiktive Gewinne nicht mehr zahlen können, droht im schlimmsten Fall dann die Pleite. Um das zu verhindern, könnten die Betriebe die Renten kürzen, aber diese Option stellt sich nicht. Keiner, der heute schon im Ruhestand ist, muss sich Gedanken darüber machen, dass seine Betriebsrente gekürzt wird, aber wie sieht es für diejenigen aus, die heute noch arbeiten? Für jeden Mitarbeiter müssen die Unternehmen rund 15.000 Euro zurückstellen und das macht bei 19 Millionen Mitarbeitern eine Summe von 280 Milliarden Euro aus. 85 Milliarden Euro aus dieser Summe werden vom Finanzamt nicht steuerlich anerkannt, und so ergibt sich die stolze Summe von 25 Milliarden Euro für Wolfgang Schäuble.

Bild: © Depositphotos.com / ginasanders


Hat Ihnen der Beitrag „Wie mit einem Steuertrick die Betriebsrente abkassiert wird“ gefallen? Hier geht es zu weiteren interessanten Themen …

Wollen Sie immer aktuell bleiben? Unsere Gratis Handy App installieren …

Wie mit einem Steuertrick die Betriebsrente abkassiert wird
5 (100%) 1

Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.