Wie teuer wird die Reformierung der Grundsteuer? » Finanzen Heute

Wie teuer wird die Reformierung der Grundsteuer?

Nach der Gewerbesteuer ist die Grundsteuer die wohl wichtigste Einnahmequelle der Städte und Gemeinden. Jedes Jahr nehmen die Kommunen rund 13 Milliarden mit dieser Steuer ein, aber das reicht den meisten Städten und Gemeinden nicht aus, sie haben in den letzten Jahren die Schraube noch einmal kräftig angezogen und aus Finanznot, aber zum Missfallen der Bürger, die Grundsteuer erhöht. Inzwischen nimmt die Steuer sogar den dritten Platz unter den sogenannten kalten Betriebskosten ein. Aber die Grundsteuer muss dringend reformiert werden und das kann für alle, die neu bauen wollen, sehr teuer werden.

Der Gesetzesentwurf liegt auf dem Tisch

Dass die Grundsteuer dringend reformiert werden muss, ist seit Jahren bekannt, denn sie wird noch auf der Grundlage von vollkommen veralteten Gewerbewerten erhoben. Entsprechend lange beraten die einzelnen Bundesländer über einen neuen Gesetzesentwurf, der jetzt aber durch eine Initiative des Bundesrats endlich auf dem Tisch liegt. Der Weg für eine der kompliziertesten Steuerarten, die es weltweit gibt, ist damit frei, allerdings gibt es einige heftige Nebenwirkungen, die besonders die Steuerzahler zu spüren bekommen werden. Für die Gemeinden steht fest, sie wollen so viel wie sonst auch einnehmen, aber sie hätten auch nichts dagegen einzuwenden, wenn es mehr werden würde.

Der Zeitdruck steigt

Den Ländern und dem Bund läuft die Zeit davon, denn in den nun kommenden Monaten wird sich das Bundesverfassungsgesetz mit der Grundsteuer befassen, Entscheidungen in einigen Verfahren treffen und sehr wahrscheinlich auch die Regelungen für unzulässig erklären, die bislang gelten. Das wollen aber die Länder nach Möglichkeit verhindern und dem Bundesverfassungsgericht mit einer Initiative zuvorkommen. Bis jetzt sind noch keine Entscheidungen getroffen worden, aber die Kritik an der neuen Grundsteuer ist sehr groß. So fürchten viele, dass es zu einer großen Zahl von Flächenversiegelungen kommt und wer noch unbebaute Grundstücke hat, wird aus steuerlichen Gründen nicht mehr bereit sein, neuen Wohnraum zu schaffen, der aber dringend gebraucht wird.

Wie wird die Grundsteuer berechnet?

Für die meisten Haus- und Grundstückseigentümer in Deutschland ist die Grundsteuer so etwas wie ein Buch mit sieben Siegeln. Um die Steuer zu berechnen, muss immer ein Einheitswert zugrunde liegen. So kann der Einheitswert für eine Eigentumswohnung zum Beispiel bei 10.000 Euro liegen. Von diesem Einheitswert wird der Anteil von einer Promille genommen, zum Beispiel 35,- Euro, der dann mit dem sogenannten Hebesatz der jeweiligen Gemeinde multipliziert wird. Liegt der Hebesatz bei 400 %, dann kostet die Steuer 140,- Euro im Jahr. Der Hebesatz von 400 % gilt aber nicht für alle Regionen, es gibt Städte wie Duisburg, die einen Hebesatz von 855 % haben und Gemeinden, die deutlich unter der durchschnittlichen Grenze von 400 % bleiben.

Es wird teurer

Die Reformierung der für die Städte und Gemeinden so wichtigen Steuer wird voraussichtlich in sieben Jahren beginnen. Ab 2023 sollen für einen Zeitraum von zehn Jahren alle 35 Millionen Häuser und Grundstücke in Deutschland neu erfasst und bewertet werden. Dazu müssen die Eigentümer eine Reihe von Fragen auf verschiedenen Erfassungsbögen beantworten. Die Fragen werden sehr ins Detail gehen, das heißt, ein ausgebautes Dachgeschoss wird ebenso berücksichtigt wie auch der Hobbyraum im Keller, die Ausstattung des Hauses, was die Technik angeht und auch das Alter jedes einzelnen Gebäudeteils ist von Bedeutung. Das Ganze ist ein riesiger Aufwand, da jeder Eigentümer einzeln angeschrieben werden muss, außerdem müssen die unterschiedlichen Behörden, die in diesen Prozess involviert sind, miteinander verbunden werden. Fest steht aber schon jetzt: Es wird teurer. Nach Expertenmeinung müssen die Besitzer von Einfamilienhäusern in zentraler Lage mit Mehrkosten von rund 200,- Euro im Jahr rechnen, wer aber ein Mehrfamilienhaus hat, der kann damit rechnen, dass er rund 70,- Euro im Jahr weniger zahlen muss.

Bild: © Depositphotos.com / iriana88w

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.