Nach dem Brexit – die britische Wirtschaft geht auf Talfahrt » Finanzen Heute

Nach dem Brexit – die britische Wirtschaft geht auf Talfahrt

Finanzexperten haben es kommen sehen, nach dem Brexit wird es mit der britischen Wirtschaft schnell bergab gehen. Jetzt scheint es so, als hätten die Experten Recht behalten, denn die Nachrichten, die von der britischen Insel kommen, sind alles andere als gut. Noch handelt es sich um einen eher schleichenden Prozess, wenn zum Beispiel die Nudeln plötzlich rund zehn Prozent teurer sind, aber die anderen Lebensmittel dürften schnell nachziehen und das ist erst der Anfang eines wirtschaftlichen Absturzes, der nach dem Brexit auf die Briten zukommt.

Nach dem Brexit wartet die Rezession

Die Maßnahmen der britischen Notenbank haben nicht nur die Briten nach dem Brexit in Alarmbereitschaft versetzt, denn es wird immer deutlicher, dass Großbritannien auf eine Rezession zusteuert. Das Pfund stürzt ab, die Banken beginnen zu wanken und die Briten fangen an, Bargeld abzuheben und zu Hause zu bunkern. Der Leitzins wurde nach dem Brexit von der Zentralbank von 0,5 % auf 0,25 % gesenkt und im kommenden halben Jahr werden jeden Monat Staatsanleihen für rund zehn Milliarden Pfund sowie Unternehmensanleihen in der gleichen Höhe gekauft. Wie schon unmittelbar nach dem Brexit, so werden die Notenpressen auch jetzt weiter auf Hochdruck laufen.

Auch der Arbeitsmarkt leidet

Nach dem Brexit befindet sich auch der britische Arbeitsmarkt im freien Fall. Im Juli ist die Zahl der neuen unbefristeten Stellen stark zurückgegangen und auch hier sehen Experten das Ausscheiden der Briten aus der Europäischen Union als Grund. Die Arbeitslosenzahlen sind auf dem Niveau von 2009, dem Jahr, in dem die Welt unter einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise zu leiden hatte. Hochqualifizierte Facharbeiter, aber auch viele Akademiker sind jetzt vermehrt auf den Internetseiten zu finden, die über eine Auswanderung informieren, Kanada, Neuseeland und Australien sind dabei die begehrtesten Ziele.

Die Briten wollen Bargeld

Rund 2,05 Milliarden Pfund Verlust hat die Royal Bank of Scotland in den letzten sechs Monaten verzeichnet, im Vergleich dazu waren es im Jahr 2015 nur 179 Millionen Pfund. Die Bank macht sich allerdings keine allzu großen Sorgen, denn dort hat man mit einer spürbaren Unsicherheit nach dem Brexit gerechnet. Nach dem Votum gegen Europa haben viele Briten damit begonnen, bares Geld zu Hause zu horten. Schon 2009 hatte es einen sogenannten „Bank Run“ gegeben und die Briten hoben große Summen von ihren Konten ab. Jetzt gibt es wieder einen Run auf die Banken und bis jetzt sind es 1,2 Milliarden Euro, die die Einwohner der Insel abgehoben haben. Knapp werden mittlerweile die 50,- Pfund Noten, und die Bank of England löste Spekulationen aus, als sie beschloss, diesen Schein, anders als die anderen Banknoten, nicht mehr als Polymer-Note herauszugeben.

Keine negativen Zinsen

Der Chef der britischen Notenbank hat jetzt noch einmal betont, dass negative Zinsen kein Thema sind. Aber wie sieht es aus, wenn der Leitzins ein weiteres Mal gesenkt wird und sich dann in einem Bereich um Null aufhält? Finanzexperten sind der einhelligen Meinung, dass dann die Diskussion weiter neu entfacht wird, erst recht, wenn sich das Land weiterhin in einer Rezession befindet. Andy Haldane, der Chef-Ökonom der Bank of England erlaubt sich bereits kleine Gedankenspiele und resümiert auch öffentlich darüber, dass es vielleicht keine so schlechte Idee wäre, das Bargeld in Großbritannien abzuschaffen. Fest steht jedoch, je mehr Geld von der britischen Notenbank gedruckt wird, umso schwächer wird die Währung und das werden zuerst die britischen Verbraucher schmerzhaft zu spüren bekommen. Die Hälfte aller Lebensmittel, die in Schottland, England, Wales und Nordirland in den Geschäften stehen, werden aus dem Ausland importiert. Wenn sich der Verfall des Pfunds also weiterhin beschleunigt, dann kommt es unweigerlich auch zu drastischen Preiserhöhungen, vor allem bei Lebensmitteln und den täglichen Gebrauchsgegenständen.

Bild: © Depositphotos.com / SIphotography

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.