Aktien kaufen – die neue gefährliche Idee der EZB » Finanzen Heute

Aktien kaufen – die neue gefährliche Idee der EZB

Schon seit einigen Jahren kauft die Europäische Zentralbank Anleihen auf, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Jetzt gibt es aber ein Problem, denn bald wird es keine Anleihen mehr geben, die die EZB kaufen kann. Diese Aussicht hat Ökonomen auf eine Idee gebracht. Warum keine Aktien im großen Stil kaufen? Was wie ein sicheres Geschäft klingt, birgt in der Realität jedoch viele Risiken und gilt als ausgesprochen gefährlich. Die Frage ist, ob Mario Draghi, der Chef der EZB, auf diesen Vorschlag eingehen wird und was das langfristig für Europa bedeutet.

Aktien kaufen – die Schweiz macht es vor

Die Schweiz ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild, wenn es um finanzielle Maßnahmen und ungewöhnliche Ideen geht. Auch wenn es um das Thema Aktien kaufen geht, kann die Alpenrepublik mitreden, denn die Schweizer Nationalbank investiert schon seit einigen Jahren in Aktien und was für die Schweiz gut ist, muss für die Europäische Zentralbank nicht schlecht sein. Der Grundgedanke zum Ankaufprogramm von Aktien ist simpel, denn alle, die in Unternehmen investieren wollen, möchten natürlich auch höhere Aktienkurse. Wenn die EZB aber wie die Schweiz und auch Großbritannien im großen Stil Aktien kaufen will, dann begeht sie nach Ansicht von Finanzexperten einen weiteren Tabubruch.

Ein logischer Schritt

Die EZB ist auf Einkaufstour, sie kauft Staatsanleihen, Pfandbriefe und auch Kreditverbriefungen und seit Juni 2016 auch Unternehmensanleihen. Das Ziel dieser Aktionen ist klar definiert, die Konjunktur soll angeschoben und letztendlich sollen auch die Preissteigerungsraten erhöht werden. Jetzt gibt es aber ein großes Problem, denn es gibt kaum noch Anleihen, die die EZB kaufen könnte, denn das Limit wurde bei Anleihen aus Norwegen schon längst erreicht, in Deutschland wird das voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres der Fall sein. Wenn die EZB die Bedingungen für den Ankauf von Anleihen noch bis September lockert, dann bliebe noch ein wenig mehr Zeit, aber es ist auch klar, dass einmal der Punkt kommt, wo nichts mehr geht. Dann kann die EZB das Programm entweder einstellen oder nach neuen Kaufobjekten suchen. Aktien kaufen wäre dann der nächste logische Schritt.

Direkt investieren

Die Nationalbanken in Japan und der Schweiz kaufen schon seit einigen Jahren Aktien auf, allerdings auf unterschiedliche Art und Weise. Während die Japaner ETFs kaufen, investieren die Schweizer direkt, am liebsten in Aktien von ausländischen Unternehmen. Mittlerweile sind es 60 % der Aktien, die von amerikanischen Unternehmen kommen. 1,1 Milliarden haben die Schweizer in Aktien von Microsoft investiert und bei Apple sind es sogar 1,5 Milliarden. Für die Schweiz hat sich der Aktienankauf gelohnt, negative Seiten gibt es nicht, eher das Gegenteil ist der Fall. Aktien werfen einen sehr viel höheren Ertrag ab als Anleihen und das möchte auch die EZB erreichen, wenn sie beginnt, Aktien zu kaufen.

Ungewollte Konsequenzen

Aktien kaufen – das klingt in der Theorie sehr einfach, aber die Praxis sieht leider etwas anders aus. Wenn die EZB wie geplant alle Staatsanleihen und dann auch noch Aktien in großen Mengen ankauft, dann werden irgendwann ganze Wirtschaftssysteme infrage gestellt, und das wiederum würde auf dem direkten Weg in den Sozialismus führen. Aber selbst wenn die Europäische Zentralbank auch nur einen kleinen Teil der Aktien kaufen würde, dann wäre das sehr riskant, denn ein Zurück gibt es nicht mehr. Würde es zu einem Einbruch der Kurse kommen, dann wäre die EZB gezwungen, sofort wieder neu zu investieren, sie müsste mehr und mehr Aktien kaufen, damit der Kurs weiter oben bleibt. Verkaufen könnte sie aber nicht, denn das müsste die EZB vorher ankündigen, was sehr wahrscheinlich zu einem sofortigen Verfall der Kurse führen würde. Dieses Szenario sollte die Idee des Aktienkaufs eigentlich zunichtemachen, aber die EZB ist immer für eine Überraschung gut.

Bild: © Depositphotos.com / Andreus

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.