Warum alte Streichinstrumente eine gute Geldanlage sind

Veröffentlicht: 2. September 2016 | 21:11 Uhr
Warum alte Streichinstrumente eine gute Geldanlage sind

Wohin mit dem Geld, wenn die Zinsen extrem niedrig sind? Es gibt viele Alternativen zu den klassischen Geldanlagen und manche wirken auf den ersten Blick ziemlich exotisch, wie zum Beispiel die Geldanlage in alte Streichinstrumente. Eine Geige oder ein Cello kann eine sehr gute Rendite bringen, allerdings sollten die Anleger genau wissen, in was sie investieren. Es sind vor allem die alten Meister, die eine lukrative Anlage versprechen und diese alten Instrumente müssen noch nicht einmal ein Vermögen kosten.

Die alten Meister

Wer an alte Streichinstrumente denkt, der denkt sehr wahrscheinlich auch an Stradivari, den Geigenbauer schlechthin. Nur wenige Geiger können eine echte Stradivari ihr Eigen nennen, die meisten spielen auf einem Leihinstrument. Weltweit gibt es noch rund 450 Geigen, die Antonio Stradivari im 18. Jahrhundert in seiner Werkstatt im italienischen Cremona gefertigt hat. Das knappe Angebot lässt natürlich die Preise steigen und das schon seit mehr als 100 Jahren. Forscher haben die Ankäufe von kostbaren alten Geigen, die Stradivari hergestellt hat, in einem Zeitraum von 1875 bis 2012 analysiert und kamen dabei auf eine jährliche Rendite von durchschnittlich 3,3 %. Damit ist eine Geige aus dem Hause Stradivari ein besseres Investment als eine Staatsanleihe der USA, denn die bringt es nur auf eine jährliche Wertsteigerung von 2,4 %.

Nicht nur Stradivaris sind interessant

Anleger, die auf alte Streichinstrumente setzen und sich nach einer Stradivari umsehen, die müssen richtig viel Geld mitbringen. So wurde zum Beispiel die „Lady Blunt“, ein wahres Meisterstück von Antonio Stradivari, im Jahre 2011 für 11,6 Millionen Euro versteigert. Das ist der bislang höchste Preis, der jemals für eine Geige bezahlt wurde. Drei Jahre später wollte Sotheby´s das Kunststück wiederholen und bot die Stradivari-Bratsche Macdonald für 45 Millionen Euro an, ein Käufer fand sich aber nicht. Wenn es um alte Streichinstrumente geht, dann muss es jedoch nicht zwangsläufig eine Stradivari sein, auch Geigen, Bratschen und Celli von anderen italienischen Instrumentenbauer sind eine gute Wahl. Eine Amati, eine Guarneri oder eine Gofriller ist nicht ganz so teuer wie eine Stradivari, aber sie stellen trotzdem eine gute Geldanlage dar.

Alte Streichinstrumente unbedingt prüfen lassen

Alte Streichinstrumente zu kaufen und nur zu hoffen, dass es sich um ein Instrument von einem namhaften Hersteller handelt, ist der falsche Weg. Wer sich für diese Geldanlage entscheidet, der sollte das nur zusammen mit einem Fachmann tun. Wenn zum Beispiel eine Bank eine alte Geige oder Bratsche anbietet, dann kann sich der Käufer relativ sicher sein, dass es sich tatsächlich um ein altes und wertvolles Instrument handelt. Wer alte Streichinstrumente hingegen von einem privaten Verkäufer kauft, der sollte sich nicht nur auf ein Zertifikat verlassen, sondern selbst eine Begutachtung in Auftrag geben. Nur ein Fachmann kann genau einschätzen, von wem die Geige stammt und wann sie gebaut wurde.

Auch zeitgenössische Instrumente sind gefragt

Es muss kein alter Meister sein, auch die Streichinstrumente von zeitgenössischen Instrumentenherstellern sind gefragt. Für einen Einstiegspreis zwischen 25.000 und 80.000 Euro gibt es schon Instrumente von Francesco Toto, von Alessandro Ciciliati oder von Davide Sora. Nicht das Alter ist entscheidend, es kommt auch auf den Klang und die handwerkliche Ausführung an. Wer eine gebrauchte Geige kauft, der sollte sich zudem informieren, welcher Musiker das Instrument gespielt hat, denn auch das ist für einen späteren Wiederverkauf ein wichtiger Aspekt. Was man sich bei der Geldanlage Streichinstrumente jedoch immer vor Augen halten sollte, ist die Tatsache, dass eine Geige oder ein Cello eine langfristige Kapitalanlage darstellen. Es handelt sich hier nicht um ein schnelles Investment, es können Jahre vergehen, bis das Instrument seinen eigentlichen Wert erreicht. Wer dennoch damit Geld verdienen möchte, der kann als Mäzen die Geige auch an junge Musiker verleihen.

Bild: © Depositphotos.com / ammza12

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.