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<span class=ns>News:</span> Neue EU-Richtlinie: Probleme für Ältere & Familien bei Immobilienkrediten

Personen über 60 Jahre, die einen Kredit für den altersgerechten Umbau ihrer Immobilie benötigen, haben künftig deutlich schlechtere Karten. Gleiches gilt für junge Paare. Grund ist eine in Deutschland sehr restriktiv umgesetzte EU-Richtlinie. Den Banken bleibt kaum noch ein Spielraum bei der Kreditvergabe.

Richtlinie soll vor Verschuldung schützen

Die Neuregelung sieht vor, dass Menschen über 60 Jahre von der Kreditvergabe ausgeschlossen werden. Paare mit Kinderwunsch werden künftig ebenfalls benachteiligt. Viele Banken befürchten, dass nach Geburt des Kindes nur noch ein Partner arbeitet und der Kredit deshalb nicht mehr bedient werden kann. Durch die neue die neue Wohnimmobilienkredit-Richtlinie der Europäischen Union sollen Privatpersonen besser vor Überschuldung geschützt werden. Experte kritisieren jedoch, dass Deutschland bei der Umsetzung deutlich über das Ziel hinausgeschossen ist. So werden die Banken hierzulande stärker eingeschränkt als dies in anderen europäischen Ländern der Fall ist. Benachteiligt werden insbesondere Verbraucher die zwar Vermögen besitzen, jedoch nur über geringere laufende Einnahmen verfügen.

Ende des Immobilienbooms befürchtet

Erste Zahlen deuten darauf hin, dass es mit dem Immobilienboom hierzulande bald vorbei sein könnte. Wie der Rheinische Sparkassen- und Giroverband (RSGV) kürzlich mittteilte gingen die Zusagen für Wohnungsbaukredite bei den deutschen Sparkassen im ersten Halbjahr 2016 um etwa 8,9 Prozent zurück. Die Institute dürfen Immobilienkredite nur noch dann vergeben, wenn diese mit den laufenden Einnahmen zu Lebzeiten wieder zurückgezahlt werden können. Die vorhandene Immobilie sowie ein möglicher Wertgewinn werden dagegen nicht mehr berücksichtigt. Somit ist eine Vererbung von Immobilie Kredit ausgeschlossen.

Die EU-Richtlinie wurde ursprünglich mit einer Öffnungsklausel versehen. Danach darf der Wert berücksichtigt werden, falls der Kredit zum Bau oder Renovierung eines Hauses und die Immobilie nicht zur Geldanlage genutzt wird. Diese Regelung wurde bei der Umsetzung in deutsches Recht allerdings nicht übernommen.

Sparkassen plädieren für Reform der Richtlinie

Der Sparkassenverband hat sich bereits für eine grundlegende Reform des Umsetzungsgesetzes stark gemacht. Ziel ist es, die in der EU-Richtlinie aufgezeigten Möglichkeiten besser auszunutzen. Zudem fordert der Bankenverband Nordrhein-Westfalen eine Konkretisierung der zahlreichen vagen Formulierungen.

Ein weiteres Problem ist, dass die neuen Regelungen auch für Anschlussfinanzierungen gelten. Für Kunden, die aufgrund einer Scheidung oder Jobwechsels nur noch über geringere Einnahmen verfügen könnte dies das Aus bedeuten. Selbst wenn der Kredit bisher pünktlich bedient wurde könnte ein neues Darlehen nun verwehrt bleiben.

Bild: © Depositphotos.com / HotPhotoPie

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Über den Autor Hanspeter Volk

Hanspeter Volk ist 47 Jahre alt, verheiratet und lebt in Berlin. Der Fachjournalist für Finanzen schreibt Artikel für verschiedene Online-Portale. Bei finanzen-heute.com informiere ich regelmäßig über Neuerungen in der Finanzbranche.