Die Angst der Deutschen vor der Inflation

Veröffentlicht: 8. September 2016 | 15:56 Uhr
Die Angst der Deutschen vor der Inflation

Die Zahl derjenigen, die die letzte große Inflation in den 1920er Jahren noch bewusst erlebt haben, wird immer kleiner, trotzdem haben viele Deutsche Angst davor, dass es wieder zu einer Entwertung des Geldes und den daraus resultierenden Problemen kommen könnte. Die Preise sind zwar stabil, aber das wird nicht so bleiben, denn Experten vermuten, dass die Steigerungsraten sehr deutlich zulegen werden. Schuld daran ist ein statistischer Effekt, der eine Spirale in Gang setzen könnte, die sehr gefährlich werden kann.

Die Preise sind noch stabil

Auf den ersten Blick ist alles in Ordnung im Deutschland des Jahres 2016. Die Preise im August haben sich im Vergleich zum Juli nicht verändert und die Inflationsrate lag, wenn man dem Statistischen Bundesamt Glauben schenken darf, gegenüber dem vorigen Jahr bei nur 0,4 %. Wenn die europäische Statistikbehörde Eurostat ihre neusten Zahlen veröffentlichen wird, dann sind ebenfalls keine großen Veränderungen zu erwarten, aber das könnte vielleicht zum letzten Mal so sein. Die Euro-Zone steht von einem Anstieg der Inflation, denn gleich mehrere Faktoren können dafür sorgen, dass in nicht allzu langer Zeit eine Phase beginnt, in der die Preise sehr schnell steigen werden. Wenn das passiert, dann wird es zu starken Turbulenzen am Markt für Staatsanleihen kommen.

Was hat der Ölpreis mit der Inflation zu tun?

Wenn die Volkswirte der großen Banken sich einig sind, dass die Euro-Zone kurz davor steht, die Periode einer niedrigen Inflation zu verlassen, dann sorgt das für Aufmerksamkeit. Was den Experten Sorgen macht, sind zum einen die ständig rotierenden Notenpressen der Zentralbanken, die über kurz oder lang die Preise nach oben treiben werden, und zum anderen blicken sie besorgt auf die Entwicklung des Ölpreises. Der Ölpreis ist nach einem Sinkflug wieder angestiegen und das führte dazu, dass der Preis für ein Barrel aktuell zum ersten Mal nach zwei Jahren wieder leicht über dem Preis des letzten Jahres liegt. Im Vergleich dazu wird die Inflationsrate immer im direkten Vergleich zum vergangenen Jahr angegeben und das sorgt dafür, dass die Preissteigerungsraten bald wieder deutlich höher sein werden, als das in der Vergangenheit der Fall war.

Die Löhne müssen steigen

Sollten die Kosten für die Energie steigen, dann werden die Arbeitnehmer auch höhere Löhne fordern, was in Deutschland, das im Moment eine gute Konjunktur vorweisen kann, auch gelingen könnte. In anderen EU-Ländern, die keine allzu gute Konjunktur haben, wird es hingegen schwierig werden, höhere Löhne und Gehälter durchzusetzen. Dazu kommt, dass bei vielen Politikern langsam aber sicher ein Umdenken stattfindet, denn sie sind nicht mehr davon überzeugt, dass die Notenbanken es aus eigener Kraft schaffen werden, das Wachstum in der Euro-Zone anzukurbeln, die einzelnen Staaten müssen es durch höhere Ausgaben selbst bewerkstelligen.

Was wollen die Staaten unternehmen?

Damit das Gespenst Inflation nicht noch weiter um sich greift, wird in den meisten Staaten gehandelt. So haben die beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump schon entsprechende Programme angekündigt, Japan hat gerade ein Infrastrukturprogramm in Höhe von 41 Milliarden Euro aufgelegt und die Briten diskutieren darüber, ob die Folgen des Brexit durch höhere Ausgaben abgefedert werden können. Nur in Deutschland wird immer noch darüber gestritten, ob und wie der Staatsüberschuss unters Volk gebracht werden kann. Zur Wahl stehen entweder größere Investitionen oder aber Steuersenkungen. Im Moment ist allerdings kein Thema mehr, das überschüssige Geld für den Abbau der Schulden zu verwenden.

Ob die Deutschen wirklich Angst vor einer neuen Inflation haben müssen, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Es scheint, als habe die Euro-Zone endlich die Phase der Deflation hinter sich gelassen, aber dennoch kann es immer noch zu gefährlichen Verwerfungen auf den Finanzmärkten kommen und das würde das Preisniveau anheben.

Bild: © Depositphotos.com / jag_cz

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Ulrike Dietz

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Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.