Weitere Banken denken über Negativzinsen für Privatkunden nach

Veröffentlicht: 9. September 2016 | 12:53 Uhr
Weitere Banken denken über Negativzinsen für Privatkunden nach

Die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee verlangt von ihren Privatkunden Negativzinsen. Nun spielen offensichtlich weitere Banken mit dem Gedanken, für größere Spareinlagen einen Strafzins zu erheben. Wie der Vorstand der Raiffeisenbank kürzlich mitteilte, haben mehrere Institute Erkundigungen eingeholt.

Strafzinsen für hohe Einlagen

Im Juni 2016 hatten insgesamt 139 Kunden mit einem Anlagebetrag von mehr als 100.000 Euro bei der Raiffeisenbank Gmund ein Schreiben erhalten. Darin wurden sie aufgefordert ihr Geld anderweitig anzulegen oder die Zinsen in Höhe von 0,4 Prozent selbst zu übernehmen. Diesen Zinssatz müssen die Banken für überschüssige Einlagen an die Europäische Zentralbank bezahlen. Die Einlagen der betroffenen Kunden belaufen sich zusammen auf etwa 40 Millionen Euro.

Aktuell haben viele Banken ähnliche Schwierigkeiten mit kurzfristigen Einlagen. Sie finden selbst aktuell keine sinnvollen Anlagemöglichkeiten und müssen für ihre eigenen Einlagen bei der EZB ein Negativzins von 0,4 Prozent bezahlen. Ob es dabei zu größeren Problemen kommt, hängt immer von der Bilanzsumme des Instituts ab. Bei großen Banken liegt die Grenze ab der ein Strafzins erhoben werden müsste bei rund einer Million Euro. Institute mit einer kleineren Bilanzsumme sehen sich dagegen schon ab einem Betrag von 100.000 Euro zum Handeln gezwungen.

Bessere Anlagemöglichkeiten derzeit nicht in Sicht

Die Einführung der Strafzinsen löste bei den Kunden unterschiedliche Reaktionen aus. Während einige Kunden ihr Geld zur örtlichen Sparkasse transferierten, haben andere ihr Geld in veränderter Form bei der Raiffeisenbank angelegt. Experten raten Anlegern ohnehin zu einer besseren Diversifikation ihrer Geldanlage. Es macht nur wenig Sinn größere Beträge auf Tages- oder Girokonten zu parken. Einige Anleger warten bereits seit mehreren Jahren darauf, dass sich die Konditionen von festverzinslichen Anlagen wieder verbessern.

Mit einer Bilanzsumme von 145 Millionen Euro gehört die Raiffeisenbank Gmund zu den kleineren Genossenschaftsbanken in Deutschland. Gleichzeitig gibt es einen hohen Anteil an vermögendem Klientel. Vielfach werden die kurzfristigen hohen Einlagen jedoch nicht von den Stammkunden getätigt. Stattdessen erfolgten die Zuflüsse erst während der Niedrigzinsphase. Offensichtlich halten Kunden die kleineren Genossenschaftsbanken in unruhigen Zeiten für besonders sicher.

Experten rechnen derzeit nicht mit einer flächendeckenden Einführung von Negativzinsen. Die möglichen Konsequenzen wären nicht absehbar. Sollte sich die aktuelle EZB-Politik über einen langen Zeitraum fortsetzen, könnte sich dies jedoch schnell ändern.

Bild: © Depositphotos.com / Alexynder

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Über den Autor Hanspeter Volk

Hanspeter Volk ist 47 Jahre alt, verheiratet und lebt in Berlin. Der Fachjournalist für Finanzen schreibt Artikel für verschiedene Online-Portale. Bei finanzen-heute.com informiere ich regelmäßig über Neuerungen in der Finanzbranche.

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